•  (Rudi Schachenhofer)

"Die Leute sagen, es klingt nach Beda

Das Studium zum Musikpädagogen absolvierte Beda Hidber mit Schwerpunkt Jazz. Doch hat sich der Melser keiner Stilrichtung verschrieben und zieht sein eigenes Ding durch.

Er gründete die Melser Guggenmusik Nidbärgschrinzer, spielt Trompete in einer Dixie-Band, musiziert mit Oberstufenschülern, komponiert Orchesterwerke und schreibt eigene Songs. Beim Betreten von Beda Hidbers Wohnung in Mels springen sofort die verschiedenen Gitarren im Wohnzimmer ins Auge. Etwas weiter hinten steht ein Klavier. «Es gibt Leute, die empfinden meine Wohnung als Chaos. Ich dagegen richte sie nach Gefühl ein. Mir ist das Wohlbefinden und die Energie wichtig», erzählt der Musiker. 

Weiter verleiht seine Einrichtung dem Wohnraum ein amerikanisches Flair: Über der Bar hängt eine US-Flagge und auf einem Stehtisch befindet sich die Statue eines Weisskopfseeadlers. So gesehen deutet nichts darauf hin, dass sich seine Beziehung zu dem weiten und grossen Land grundlegend verändert hat. Eine Begründung dafür findet er nach einigem Nachdenken keine. «Ich war mal ein grosser Fan von Amerika und wollte unbedingt in die Staaten reisen, jetzt reizt es mich kaum mehr», erzählt der Melser. Mittlerweile sei er lieber in der Region unterwegs und wolle die schönen Dinge vor der Haustüre erkunden. «Erst kürzlich fuhr ich an einem Sonntag spontan nach St. Georg. Dort soll es einen wunderschönen Wasserfall geben, und ich habe ihn tatsächlich gefunden», freut er sich. Ohnehin hält er sich gerne in der Natur auf, was ihm ein weiteres Hobby – Ausritte mit seinem eigenen Pferd – fast täglich ermöglicht. 

Übrig geblieben von seiner Begeisterung für Amerika ist die zurückgekehrte Freude an den Lastwagen. Einige Bilder von amerikanischen Trucks hängen an seiner Wand. «Das kommt noch von meiner früheren Zeit als Lastwagenfahrer», erzählt er. Lange habe er zwar gebraucht, bis er die Fahrzeuge wieder ansehen konnte, doch nun findet er an ihnen wieder Gefallen – auch wenn es nur das Betrachten ist. «Grosse, wuchtige und kräftige Fahrzeuge fügen mir schon», erzählt er. Mittlerweile aber sage ihm die frühere Tätigkeit nichts mehr. Er geniesse lieber seine gewonnene Freizeit, die er damals nicht hatte. Doch den Führerschein mit der entsprechenden Kategorie besitzt er noch. 

Nicht mehr dasselbe wie damals
Ein Lastwagen-Modell auf seinem Klavier trägt die Aufschrift «Nidbärgschrinzer»: Die Guggenmusik, die Beda Hidber einst ins Leben rief. Wegen seines Studiums hängte er dieses Hobby an den Nagel, denn er hatte viel um die Ohren. Danach war es für ihn nicht mehr dasselbe. «Ich war immer der Major und nie als Musiker in der Gugge unterwegs», begründet er. Zwar überlegte er es sich einige Male, aber entschloss sich dazu, dass er als Musiker in der Gugge seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden kann. «Ich bin Solist, musikalischer Leiter und benötige den Reiz sowie die Herausforderung», begründet Beda Hidber.

Dies findet er in der Dixie-Band, während dem Schreiben seiner Werke und dem Musizieren mit seinen Schülern. «Oft möchten sie Lieder aus der Hitparade singen, die wegen ihres Tonumfangs gar nicht so einfach sind.» Seiner Ansicht nach würden junge Leute aber vieles schaffen, wenn man sie nur machen lasse. «Ich bremse Jugendliche ungern aus, nur weil etwas schwierig ist», sagt Beda Hidber. «Es dauert einfach etwas länger.» Wenn sich Jugendliche etwas in den Kopf gesetzt hätten, seien sie sogar leistungsfähiger als Erwachsene. «Man muss sie führen und manchmal auch einen Umweg in Kauf nehmen», so der Musiker. Wenn jedoch etwas wirklich nicht gehe, versucht es Beda Hidber zu erklären und zeigt es anhand von Versuchen. «Dann sehen sie es meist auch ein.»

Arbeiten ohne Zeitdruck
Im Musikzimmer mit all seinen technischen Geräten schreibt er gerade an einem Orchesterstück. «Ich möchte mich wieder intensiver damit beschäftigen. Eigentlich schreibe ich nur daran, wenn ich Lust darauf habe, denn es ist quasi ein Hobby», erzählt er. Kurz überlegt Beda Hidber und meint: «Zeitdruck mag ich nicht, denn ich arbeite lieber in Ruhe und nehme mir die Zeit, die ich dafür benötige. Es ist weder meine Haupttätigkeit noch habe ich eine Abgabefrist.» Anders jedoch sei es, wenn er einen Auftrag erhalte, wie damals von der Harmoniemusik Schaan, um den Jubiläumsmarsch zu komponieren. Seine eigenen Werke spielt er erst mit der Jungmusik und führt sie anschliessend mit ihnen auf.

Auf eine bestimmte Musikrichtung hat sich der Melser nie fixiert. Zwar war sein Studium schwerpunktmässig auf Jazz ausgerichtet, doch blieb er vielseitig. «Es ist bereits öfters vorgekommen, dass die Leute zu mir gesagt haben, das klinge nach Beda – egal ob im Orchester, im Musikunterricht oder in der Guggenmusik. Das hat den Vorteil, dass man mich nicht in eine Schublade stecken kann», schmunzelt er und fügt hinzu, dass er sich das so nicht ausgesucht habe, sondern dass das seine Arbeitsweise ausmache. «Obwohl es unmöglich ist, allen gerecht zu werden, ist es mir wichtig, dass meine Musik den Leuten gefällt. Aber keinesfalls lasse ich mich dadurch verbiegen oder versuche, etwas künstlich zu erzwingen.» 

Schon einige Male schrieb Beda Hidber Lieder, die er einfach in einer Schublade verstaute oder gar im Papierkorb entsorgte. «In meinen jungen Jahren geschah das oft, weil ich das Gefühl hatte, das gefällt niemandem.» Heute dagegen sei er nicht mehr so gehemmt. «Es kommt durchaus vor, dass ich beginne, einen Song zu schreiben und dann merke, dass daraus nichts wird. Dann schmeisse ich ihn gleich weg, weil er meist aus einer Situation entstanden ist, die am Folgetag überhaupt nicht mehr taugt.» Einige lege er beiseite und betrachte sie nach einiger Zeit von neuem. «Ich komme nur vorwärts, wenn ich selbst Freude daran habe und es mir gefällt.» Diese Einstellung werfe natürlich nicht den grössten Gewinn ab, deshalb sei auch nicht das, sondern die Arbeit als Musikpädagoge sein Beruf. «Es ist eher ein professionelles Hobby. Ich tue es für mein Herz.» (ms)

03. Mär 2019 / 00:00
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