• Fritz Tischhauser
    Die Theatergesellschaft ist für Fritz Tischhauser wie eine zweite Familie.

"Auch wenn ich nicht auf der Bühne stand, war ich dabei"

50 Jahre ist Fritz Tischhauser Mitglied der Theatergesellschaft Flums, doch legte er auf der Bühne von Berufs wegen mehrere Pausen ein. Trotz längerer Auszeit hat er kein Lampenfieber.

Nach 13 Jahren steht Fritz Tischhauser endlich wieder auf der Bühne der Theatergesellschaft Flums. Der Sarganser ist schon seit 50 Jahren Mitglied, doch blieb er aus beruflichen Gründen mehrmals für einige Zeitabschnitte der Bühne fern. «Auch wenn ich nicht spielte, war ich immer dabei, entweder hinter der Kulisse oder als Parkeinweiser», erzählt der 68-Jährige in der Flumserei in Flums, wo gerade die Proben, wie dann später auch die Aufführungen für das aktuelle Stück, stattfinden. Dafür hat er sich extra freigenommen, da es ihm mittlerweile zu anstrengend ist, tagsüber zu arbeiten und abends auf der Bühne zu spielen. Im Gegensatz zu früher besetzt er kleinere Rollen, da ihm das Lernen nicht mehr so leichtfalle wie auch schon, meint der Schauspieler mit kurzen grauen Haaren, blauen Augen und Schnauz. Als sein Einsatz kommt, betritt er strammen Schrittes die Bühne und blüht in seiner Rolle auf. Das Lampenfieber hält sich bei Fritz Tischhauser nach der 13-jährigen Bühnenabsenz in Grenzen, er sei es noch von früher gewohnt. Einen richtigen Blackout oder grösseren Patzer hatte er noch nie, meinte er nach einigem Überlegen. «Dank der Souffleuse ging es immer gut», schmunzelt er. 

Schwelgen in Erinnerungen

Gespielt habe er schon etliche Rollen. Er erinnert sich noch gut daran, wie er in einem Theaterstück, das vom Schloss Gräpplang in Flums handelte, einen Gesellen verkörperte. «Das Stück spielt etwa im 16. Jahrhundert. Wir führten es 1991 aufgrund der Feierlichkeiten 700 Jahre Eidgenossenschaft auf. Der Bund unterstützte solche Anlässe, anders hätten wir es gar nicht geschafft.» Urs Griesser, Vorstandsmitglied der Theatergesellschaft Flums, sitzt ebenfalls am Tisch und gemeinsam schwelgen die beiden in Erinnerungen. Um die 50 Personen wirkten damals mit und sogar ein Pferd war auf der Bühne. «Heute bringt man die Leute für solche Stücke gar nicht mehr zusammen. Auch mit den Lokalitäten ist es schwierig geworden», bedauern beide. Ein Stück bestand damals aus fünf Akten, ebenso vielen Bühnenbildern und dauerte drei Stunden. 
Fritz Tischhausers anspruchsvollste Rolle war wohl einer der drei Gesellen in Lumpacivagabundus. Das führte der Verein noch in den 80-er-Jahren im «Flumserhof» auf. «Das war sehr eindrücklich mit fünf verschiedenen Bühnenbildern und zudem sang ich auch noch auf der Bühne.» Doch spielte er auch Rollen, die beim Publikum weniger gut ankamen, wie beispielsweise einen Vergewaltiger. «Mit einer solchen Rolle ist man nicht gesegnet. Sogar nach der Aufführung reagierten einige Leute auf mich. Die Regie aber war begeistert, anders wäre es ja nicht möglich gewesen.» Damals waren dramatische Stücke noch sehr beliebt. Heute wollen die Zuschauer unterhalten werden und Komödien sehen. 

Auszeit beim Theater

Da der Schwiegervater von Fritz Tischhauser ein Transportunternehmen führte, machte der gelernte Mechaniker die Lastwagenprüfung. Fünf Jahre lang fuhr er Container nach Holland und Italien. Während dieser Zeit blieb er dem Theater fern. «Als dann mein zweiter Sohn auf die Welt kam, war für mich Schluss mit Lastwagenfahren.» Denn er wollte bei seiner Familie sein. 

Als er 1986 in einem Restaurant sass, kamen ein paar Kollegen auf ihn zu und sprachen ihn auf das Theater an. Der Verein befand sich zuvor in einer Krise und war neu aufgestellt worden. Da er mit seinem damaligen Job wieder Zeit dafür hatte, überredeten sie ihn, mitzumachen. In einem Betrieb führte er Servicearbeiten durch. Einige Jahre fuhr er für Valser. «Abends war ich jeweils zu Hause und hatte Zeit für das Theater.» Doch dann kaufte Coca Cola die Firma und es hiess, er müsse nun in Bern arbeiten. «Das kam für mich nicht in Frage», erzählt er bestimmt. Wie es das Schicksal so wollte, erhielt er am selben Tag, als er seinem Arbeitgeber mitteilte, er suche nach einem anderen Job in der Region, einen Anruf aus Liechtenstein. «Meine Frau benachrichtigte mich, ich sollte dringend zurück-rufen. Erst wusste ich gar nicht, worum es ging», erinnert er sich. Da sein Neffe in Liechtenstein Bus fuhr und sie dort 2005 dringend Chauffeure suchten, stiessen sie auf Fritz Tischhauser. Auch da unterbrach er das Theaterspielen, da es sich mit den Schichten für die Proben nicht mehr ausging. Es reizte ihn zwar jedes Mal, wieder auf die Bühne zu gehen, doch fand er es nicht fair den anderen gegenüber, da er die Proben nur stören würde. «Entweder richtig oder gar nicht», lautet seine Devise. 

Zunehmender Verkehr

So chauffierte der Sarganser zehn Jahre lang Passagiere durch Liechtenstein. Die Linie 11 von Sargans nach Feldkirch oder die nach Malbun fuhr er am liebsten. Doch spürte er, wie der Verkehr im Land jährlich zunahm. «Als ich anfing, ging es noch mit dem Verkehr, das sagen auch andere Chauffeure, die vor mir dort waren.» Etwa abends um fünf Uhr, wenn er in Feldkirch losfuhr, ging erst alles glatt und er lag jeweils perfekt in der Zeit. «Bis ich dann in die Hauptstrasse in Eschen einbog, da fing der Stau an und es stresste mich innerlich.» Sogar während des Gesprächs ist deutlich zu spüren, wie es ihn beschäftigt. Einige Fahrgäste beklagten sich, da sie in Buchs auf den Zug mussten. Doch gab es auch solche, die dem Busfahrer beistanden, da er offensichtlich nichts dafürkonnte. 
Noch heute fährt der Pensionär Bus – jedoch Teilzeit. Mit 70 Jahren ist dann Schluss, so ist es bei Postauto festgelegt. Ihm macht es nichts aus, wenn es vorbei ist. Fritz Tischhauser fährt die Strecke von Sargans nach Flumserberg. «Die ist schön zu fahren und ich habe genügend Zeit und Pausen.» Wenn er frei hat, schwingt er sich auf sein Fahrrad oder geht mit seiner Frau spazieren. Im Winter zieht es ihn dann in die Höhe, nach Triesenberg, da dort die Sonne lange scheine.  (ms)

 

25. Jan 2020 / 00:00
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