• Liewo Porträt: Sophie Samstag, Foodbloggerin aus Triesen
     (Tatjana Schnalzger)

Einst aus der Küche verbannt – heute ist sie ein Profi

Wenn der Hund «Chili» heisst und die Katze «Pepper», dann muss Frauchen gut kochen können. Zumindest bei Sophie Frick ist das so. Die gebürtige Niederösterreicherin steht leidenschaftlich gern in der Küche und führt Liechtensteins ersten Food Blog.

In ihrer Küche hat Sophie Frick viel Platz zum Kochen und Backen. Diesen nutzt sie regelmässig. «Ich koche jeden Tag», sagt sie – für sich, ihren Mann Robin und für ihren Food Blog. Auf lovely.li veröffentlicht die Hobbyköchin ihre liebsten Rezepte. Heute macht sie eine Wiener Spezialität: gratinierte Topfenpalatschinken. Es ist ein neues Rezept, das sie ausprobiert. Mit einem Schneebesen verrührt sie Mehl und Milch in einem Becher. Die Masse lässt sie anschliessend stehen, damit das Mehl quellen kann. «Dann werden die Palatschinken fluffiger.» 
Die Hobbyköchin stammt ursprünglich aus Wien Umgebung, wie man sofort an ihrem Dialekt erkennt. Die Omeletts – oder Palatschinken, wie sie in ihrer Heimat genannt werden – sind Teil ihrer kulinarischen Österreich-Rundreise und das erste Rezept von insgesamt 30 typisch österreichischen Gerichten, die sie ab 10. Oktober auf ihrem Blog veröffentlichen wird. «Ich habe festgestellt, dass viele österreichische Rezepte hier in Liechtenstein gar nicht so bekannt sind. Mit meiner kulinarischen Reise durch alle neun Bundesländer möchte ich die Klassiker in die Kochtöpfe zurückbringen», erklärt sie. Darüber freut sich auch ihr Mann Robin. Er ist gebürtiger Liechtensteiner und der Grund, warum sie seit über einem Jahr in Triesen lebt. «Dabei konnte ich mir nie vorstellen, dass ich mal von zu Hause weggehe», sagt die 31-Jährige.

Ihr Retter in der Not
Kennengelernt hat sich das Paar bei der Arbeit. «Damals habe ich bei der LGT in Wien gearbeitet. Aufgrund von personellen Engpässen und einer glücklichen Fügung hat die Bank Verstärkung aus Liechtenstein geschickt – und das war Robin.» Vor zwei Jahren hat es zwischen den beiden gefunkt und vergangenen August läuteten die Hochzeitsglocken. 
Dass Sophie Frick heute bei einer Bank arbeitet, sei purer Zufall gewesen. «Eigentlich bin ich Kleinkindpädagogin», erklärt sie und lacht. «Die Arbeit mit Kindern hat mich immer schon begeistert: Kleinen Menschen etwas beizubringen, das sie sich das ganze Leben lang merken werden. Weil jeder erinnert sich noch an seine Kindergärtnerin, oder?» Doch zu der Zeit, als sie ihren Abschluss an der pädagogischen Schule machte, stellte das Land Niederösterreich nur etwa sieben Kindergärtnerinnen pro Jahr ein. «Allein an unserer Schule machten etwa 60 Personen ihren Abschluss – das war eine einfache Milchmädchenrechnung.» 
Die frischgebackene Pädagogin war also gezwungen, sich nach einer Alternative umzusehen. Und da sie unbedingt arbeiten wollte, bewarb sie sich bei der örtlichen Raiffeisenbank. «Beim Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, was eine Pädagogin in der Bank sucht. Ich habe dann erklärt, dass ich gut mit Menschen umgehen kann, was mir in der Bank sicherlich zugute komme. Und das notwendige Fachwissen könne ich bestimmt erlernen», erzählt sie. Das sah ihr Gegenüber wohl genauso und sie wurde eingestellt.

Ein paar gute Ideen
Ihr Hobby zum Beruf zu machen, habe sich Sophie Frick schon einmal überlegt. «Sicher habe ich schon einmal darüber nachgedacht, die Abschlussprüfung als Koch nachzuholen und es reizt mich ehrlich gesagt immer noch. Aber kochen ist für mich Leidenschaft und Ausgleich. Das möchte ich gern so beibehalten», sagt sie. 
Vor allem das Backen gehört zu ihren liebsten Beschäftigungen. «Vor Kurzem habe ich für den Sohn einer Freundin eine ganz besondere Geburtstagstorte gemacht – den ‹Millenium Falken› von ‹Star Wars›», erzählt die Hobby-Konditorin. Das war ein sehr aufwendiges Projekt, denn die 31-Jährige sass bis vier Uhr nachts an dem Kuchen. «Aber ich würde es wieder tun.»
Sophie Frick liess es sich auch nicht nehmen, ihre Hochzeitstorte selbst zu backen. «Es war eine Torte aus all unseren Lieblingstorten: einer Schoko-Pudding-Torte, einer Kokos-Himbeer-Torte und einer Weisse-Schokolade-Torte. Ausserdem haben wir noch Cupcakes, Oreo-Kekse im Glas und kleine Prinzessinen-Törtchen gemacht», zählt sie auf. Drei Tage vor der Hochzeit habe sie mit Unterstützung von Freunden und der Familie mit dem Backen begonnen. «Es war Stress pur. Die einen haben gebacken, die anderen Schleifen gebunden – es war wunderbar, wie alle geholfen haben. Das wird uns noch sehr lange in schöner Erinnerung bleiben», freut sie sich. Noch einmal, gesteht sie, würde sie ihre Hochzeitstorte allerdings nicht mehr selbst backen. «Sie ist auch leicht schief geraten, aber das hat zum Glück niemand bemerkt», verrät sie. Obwohl beim Backen nicht alles so geklappt hat, wie sie es ursprünglich geplant hatte, sei es eine sehr gelungene Torte und eine perfekte Hochzeit geworden. 
Und weil Sophie Frick nicht genug von ihrem Hobby bekommt, möchte sie im Januar Backkurse geben. Im Kochstudio Greber AG in Vaduz will sie mit Backprofis und Anfängern französische Petit Fours backen, Torten mit Fondant für den Kindergeburtstag verzieren und amerikanischen Trends ausprobieren. «Ich habe auch besondere Kurse für Männer geplant. Sie könnten zum Beispiel ein Küchlein für die Liebste zum Valentinstag backen», verrät sie. 

Eine rettende Idee
Sophie Frick kocht nicht nur gern, sondern geniesst vor allem die Gesellschaft beim Essen. Schon als Kind habe sie es gemocht, wenn Besuch kam und gemeinsam gegessen wurde. «Es war immer eine lustige Zeit.» Sich mit Familie und Freunden zu treffen, um gemeinsam zu kochen, gehört daher bis heute zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. «Meistens wird dabei etwas Neues kreiert», sagt sie. Allerdings sei es schon mal vorgekommen, dass sich nach den spontanen Kochabenden keiner mehr an die genaue Zubereitung erinnern konnte. «Irgendwann wurde mir das zu blöd und ich habe angefangen, alles aufzuschreiben», erzählt sie. Anfangs waren das noch Zettel. Doch die gingen naturgemäss gern verloren. «Ausserdem habe ich einen ganzen Schrank voll mit Büchern und Rezepten. Wenn ich was Bestimmtes gesucht habe, wusste ich nicht mehr, wo ich es hingegeben habe.» 
Um dem Chaos Herr zu werden, beschloss Sophie schliesslich, ihre Lieblingsrezepte einfach online zu stellen. «Ich wollte mein eigenes Online-Kochbuch erschaffen, das ich für mich und meine Freunde jederzeit an jedem Ort zur Hand habe», erklärt sie. Doch daraus wurde mehr. Heute lesen sehr viel mehr Leute ihren Blog und erfreuen sich mit ihr an den tollen Rezepten.
Natürlich führt die Hobbyköchin auch ein eigenes Kochbuch. Das hüte sie wie ihren Augapfel. «Darin stehen Rezepte von meiner Oma, meinem Bruder und sogar von einem Koch aus Thailand.» Letzteren habe sie während ihres Urlaubs in der Küche «überfallen», um das Rezept für die leckeren Zimtschnecken zu bekommen. «Wer hätte gedacht, dass ich das beste Rezept dafür auf einer asiatischen Insel finde», sagt sie und lacht.
Sophie Frick findet Rezepte nicht nur in Kochbüchern, sondern schaut sich auch so manches aus Kochsendungen ab und entwickelt daraus ihre eigenen Kreationen. «Früher bin ich oft mit meinem Buch vor dem Fernseher gesessen und habe mir eine Sendung nach der anderen angesehen. Manches Mal dachte ich mir: ‹Das sieht aber lecker aus. Das muss irrsinnig gut schmecken Das muss ich ausprobieren.› Also habe ich zurückgespult und mir das Rezept aufgeschrieben» erzählt sie.

Gefährliche Experimente
Das Kochen habe sich Sophie grösstenteils selbst beigebracht. Geerbt hat sie das Talent von ihrer Mutter und ihrer Grossmutter. «Meine Oma kann extrem gut kochen und wenn mir mal ein Rezept nicht so richtig gelingen wollte, war Oma mit Rat und Tat jederzeit zur Stelle», erzählt sie. 
Allerdings, gibt sie zu, gab es Zeiten, da war sie in der Küche nicht immer gern gesehen. «Als Kind wollte ich meine Mutter von meinen Kochkünsten überzeugen. Ich habe Kürbiscreme-Suppe gekocht und diese blöderweise übergehen lassen. Das war eine riesige Sauerei, das Zeug ist sogar in die Schränke gelaufen. An diesem Tag hat sie mich aus der Küche verbannt.» 
Derartige Hoppalas passieren ihr heute eher selten. Selbst wenn sie mit ihren Freunden neue Rezepte ausprobiert oder Nahrungsmittel, die eigentlich nicht zusammengehören, kombiniert – z. B. Vanilleeis mit Kürbiskernöl –, habe das Essen nie in einer Katastrophe geendet. Das, gesteht sie, passierte ihr nur einmal zu Hause mit ihrem Mann, als sie ein «Experiment» wagten. «Robin wollte eine Hackpastete machen. Ich dachte mir, das kann ja nicht so schwer sein. Dabei haben wir leider den Fehler gemacht und alles, was wir im Kühlschrank gefunden haben, hineingegeben – unter anderem auch Blattspinat. Ich habe noch nie etwas weggeschmissen. Aber das mussten wir entsorgen. Das war gemeingefährlich.» Auf ihrem Blog, versichert sie, gibt es ausschliesslich Rezepte, die sie zu 100 Prozent für sensationell befunden hat – da macht sie keine Kompromisse. (sms)

24. Sep 2016 / 21:01
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