• Interview mit Daniel Hilti, Schaan
    "Lieber eine taugliche S-Bahn als doppelt so viele Güterzüge", meint Daniel Hilti.  (Tatjana Schnalzger)

"Wir müssen künftig grosszügiger denken"

Schaans Vorsteher Daniel Hilti spricht über die Verkehrsproblematik in der Region und die S-Bahn FL.A.CH als Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem Regierungswechsel in Wien könnten die Verhandlungen rund um die S-Bahn FL.A.CH 
wieder aufgenommen werden. Was halten Sie davon?

Daniel Hilti: Ich kann das nicht beurteilen. Ich hoffe aber, dass die Verhandlungen von beiden Seiten aus wieder aufgenommen werden und zu einem Ende gelangen, wie auch immer das aussieht. Dabei ist natürlich klar, dass wir die S-Bahn nicht umsonst bekommen.  

Wem würde die S-Bahn hauptsächlich zugutekommen?
Sobald ein Verkehrsmittel gleichschnell oder schneller ist, wird es genutzt. Dann steigen in die S-Bahn nicht nur Pendler, sondern auch Einheimische. Vor allem auch die junge Generation wird die Bahn benutzen. 

Sie sagen, ohne die S-Bahn wird Liechtenstein ein Gütertransferland. Weshalb?
Das ist eine wichtige Aussage rund um das Thema S-Bahn. Wer glaubt, ohne S-Bahn wären die Bahnschranken weniger geschlossen, der irrt. Derzeit sind gewisse Zeitfenster für die mögliche S-Bahn reserviert. Kommt das Projekt nicht zustande, dann werden diese Freizeiten von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie auch von den Schweizer Bundesbahnen (SBB) mit Güterzügen besetzt. Das bedeutet, dass anstatt Personenzügen Güterzüge durch unser Land geschleust werden. Wir haben also ohne die S-Bahn nicht weniger Zugverkehr, sondern einen anderen Zugverkehr. Denn die ÖBB, die die Konzession besitzt, wird die Strecke nutzen, egal wie.   Man beachte, dass die ÖBB erst im vergangenen Sommer in Schaan die Infrastruktur aufwendig saniert hat. Somit habe ich lieber eine taugliche S-Bahn als doppelt so viele Güterzüge.

Es gibt noch weitere Entwicklungen, durch die Liechtenstein von einem funktionierenden Zugverkehr «abhängt» werden würde. 
Ja, zum einen wird vonseiten des Bundes und auch von der ÖBB über eine Südeinfahrt in Buchs diskutiert. Das bedeutet, dass die internationalen Personenzüge und der Güterverkehr nicht mehr in Buchs Halt machen, sondern direkt über die Rheinbrücke geführt würden. Das wäre eine Katastrophe für Liechtenstein und natürlich auch für die Stadt Buchs. Buchs hätte keine internationalen Personenzüge mehr und der Güterverkehr könnte noch einfacher durch das Land geführt werden. Zum anderen gibt es Bestrebungen im unteren Rheintal, den Railjet nicht mehr über die Route via Buchs, Feldkirch und den Arlberg zu führen, sondern über St. Margarethen ins Dreiländereck nach Wien. Die Passagiere wären sogar schneller in Wien als mit der jetzigen Route. Trotzdem gilt es zu sagen, dass diese Überlegungen sicherlich nicht von heute auf morgen Realität werden. Liechtenstein muss auf den fahrenden Zug aufspringen und darf die Entwicklungen nicht untätig geschehen lassen.    

Inwiefern kann Liechtenstein von der Aufwertung der Strecke St. Gallen–Chur für 200 Millionen Franken profitieren?
Meiner Meinung nach kann Liechtenstein nur davon profitieren, wenn unser Schienennetz tauglicher wird. Wenn wir nichts tun, dann nützt uns die Streckenaufwertung herzlich wenig. Kurios ist es aber schon, dass rund um uns herum gewaltige Summen in den Ausbau der Bahn investiert werden und hierzulande passiert in Sachen Bahn nichts.  
  
Gibt es Bestrebungen, die Situation mit den Schranken in Schaan zu verbessern?
Es gibt Überlegungen aus den Sechzigerjahren, die eine Nordeinfahrt Buchs vorsehen. Dabei sollten neue Schienen in einem Bogen vom Forst aus durch das Schaaner Riet nach Buchs gelegt werden. Ob das eine schlaue Idee ist, sei mal dahingestellt. Wichtig ist aber, dass diese Möglichkeit im Landesrichtplan vorgesehen ist. Ich finde es aber weitaus interessanter, vertieft zu klären, ob der Zug nicht auch unterirdisch geführt werden könnte. 
 
Wie eine U-Bahn?
Nein, nicht genau wie eine U-Bahn. Ich meine damit, dass der Zug in Schaan teilweise unterirdisch geführt werden soll und somit die Bahnübergänge wegfallen. Damit sind natürlich hohe Kosten verbunden, aber um dem Verkehrsproblem, das wir künftig haben werden, wirksam entgegentreten zu können, müssen wir grosszügiger denken. Die S-Bahn wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.
 
Gibt es für die Gemeinde Schaan eine perfekte Lösung?
Traumlösungen gibt es hier nicht. Wir wissen natürlich, dass die Schran­ken im Dorf ein Hindernis  darstellen. Könnten wir die Trasse unterirdisch führen, dann wären ganz viele Probleme gelöst. Ich als Gemeindevorsteher wäre auch bereit – ohne dies jetzt mit dem Gemeinderat abgesprochen zu haben – dass Schaan einen separaten Obolus für eine Unterführung der Bahn leistet. Für die Gemeinde wäre das eine Lösung von substanzieller Bedeutung und würde einen Reservenabbau rechtfertigen.

Was würde denn nach der S-Bahn kommen? 
Der nächste Schritt ist sicherlich, dass das Oberland besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen wird. Beispielsweise mit einer Regionalbahn. 

Stichwort Regionalbahn, was halten Sie davon?
Ich denke, dass die Überlegungen des Verkehrsclub Liechtenstein in die richtige Richtung gehen. Ob es am Ende eine Regionalbahn wird oder etwas anderes, das wird sich noch zeigen. Denn was sicherlich klar ist, ist, dass aus Platzmangel  beispielsweise keine durchgängige und dringend benötigte Busspur zwischen Schaan und Vaduz möglich sein wird. Diese Tatsachen müssen wir akzeptieren. Aber es muss auch klar sein, dass uns der öffentliche Verkehr allein nicht selig machen wird – Liechtenstein besitzt auch Lücken im Strassennetz, die zu schliessen sind.  

Welche Lücken?
Der Industriezubringer von Vaduz nach Triesen ist sicherlich eine Baustelle, welcher man sich schon vor Jahren hätte zuwenden sollen.  Aber es  zu wenig, nur eine neue Strasse zu bauen, es sind auch die bestehenden Infrastrukturen zu verbessern und zu nutzen. Zudem sollte nicht nur ein Verkehrsmittel unterstützt werden. 

Was benötigt Liechtenstein in Bezug auf den Verkehr?
Wir benötigen ein Gesamtkonzept. Darin sollten alle Massnahmen vom motorisierten Individualverkehr über den Langsamverkehr hin zu begleitenden Massnahmen wie ein Mobilitätsmanagement für das ganze Land zusammengefasst sein. Wir müssen jetzt definieren, wo wir hin wollen, nicht erst dann, wenn wir mit dem Rücken an der Wand stehen. Jetzt haben  noch kein richtiges Problem, das wird in 30 bis 40 Jahren anders aussehen. Ich bin natürlich auch nicht so naiv und denke, dass eine S-Bahn alle Probleme lösen wird, aber sie wäre ein Anfang. Vergeigen wir das, ist vieles verloren. Ich bin auch der Meinung, dass die Bevölkerung für die Verkehrsinfrastruktur bereit ist, viel Geld auszugeben, wenn sie einen Sinn darin sieht, und das gilt es zu vermitteln und zu erklären. Landtag, Regierung und die Gemeinden sind gemeinsam gefordert. Dabei nützt uns politisches Herumlamentieren und auf den anderen zu zeigen leider gar nichts. (qus)

17. Dez 2017 / 00:00
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