•  (Daniel Ospelt)

"Wir liegen 33 Prozent über dem Schnitt"

Stephan Dürst ist mit dem Sommer 2018 zufrieden. Trotz der Hitzetage reichte es nicht ganz für einen Besucherrekord in der Badi Buchs.

Herr Dürst, waren Sie diesen Sommer auch privat öfters im Freibad anzutreffen?
Stephan Dürst, Betriebsleiter des  Hal­len- und Freibads Buchs:
Privat befand ich mich nie im Freibad, denn wenn ich frei habe, fahre ich jeweils an den Comer See.

Der Sommer 2018 war bestimmt einer der besseren für das Freibad?
Dieser Sommer reichte zwar nicht für einen Rekord, trotzdem befinden wir uns 33 Prozent über dem Durchschnitt. 43 300 Leute haben das Freibad während des Sommers 2018 besucht. Obwohl sich darunter keine Spitzentage abzeichneten, war das Freibad durchaus gut besucht. Zudem verlief die Saison ohne grössere Zwischenfälle. Für die Badmeister dagegen war sie streng, denn trotz der Hitze mussten sie ihre Schichten bewältigen. 

Wenn man den Prognosen glauben schenkt, wird dies die Zukunft, wie wirkt sich das auf die Saison aus?
Wir machen uns darüber Gedanken. Aber nach den Sommerferien ist das Freibad bei den Leuten nicht mehr so gefragt. Im September kommen vereinzelt noch Schulklassen zu Besuch, aber lohnen tut es sich nicht mehr. Spontan verlängern geht nicht wirklich wegen des Personals und unserer Planung, denn die Anlage muss wintersicher gemacht werden. Die Nächte sind dann sehr kalt und wir müssen das Wasser warm halten, denn wenn dessen Temperatur unter 20 Grad fällt, kommen die Leute nicht mehr baden. Vorübergehend wird es sicher so bleiben. Wenn die Erderwärmung wirklich so kommt und sich das Verhalten der Gäste ändert, kann man darüber nachdenken.

Das ist dann bestimmt auch nicht einfach, bei so vielen Leuten den Überblick zu behalten?
Das ist so. Man hat zwar den Überblick, aber nicht mehr jeden Einzelnen im Blick und muss öfters um das Becken laufen. Jedoch hat es dann mehr Leute, die aufeinander schauen, auch mehr Eltern, die auf die Kinder achten, da erhielten wir viel Unterstützung von pflichtbewussten Eltern.

In einigen Freibädern besteht das Problem, dass die Eltern lieber auf das Smartphone schauen anstatt auf die Kinder.
Das ist wirklich ein Problem in der Branche. Von unseren Badmeistern und Gästen habe ich zum Glück noch nie etwas Derartiges gehört, dass es hier ein Problem wäre. Gewisse Eltern sind sich nicht bewusst, dass der Bademeister nicht für die individuelle Betreuung, sondern für alle Gäste zuständig ist. Für Einzelpersonen gilt noch immer die elterliche Aufsichtspflicht. Da kommt uns die Hecke um das Becken bestimmt entgegen, denn von der Wiese aus können sie die Kinder nicht beobachten. So müssen die Eltern mit ans Becken. Bei den neueren Bädern kommt man eher von der Hecken weg hin zu einer offenen Wiese. Das verleitet schon dazu, liegen zu bleiben und von dort aus die Kinder zu beobachten. Aber für ein Kleinkind ist es zu weit weg. Das kann so schnell gehen, auch wenn der Badmeister am Beckenrand steht, es zählt jede Sekunde.

Ein Freibad ist zwar ein defizitäres Geschäft. Ist es bei solchen speziellen Sommern anders? 
Es wird bestimmt ein Defizit vorhanden sein. Denn wenn mehr Gäste das Freibad besuchen und mehr Schönwettertage zu verzeichnen sind, benötigen wir auch mehr Chemie im Bad zur Aufbereitung und Frischhaltung des Wassers. Wie die Zahlen genau aussehen, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Das ist bestimmt auch noch eine Herausforderung, die Qualität des Wassers aufrecht zu erhalten?
Wenn es heiss ist, ist das Wasser anfälliger für Algen. Die gesamte Wasseraufbereitung ist automatisiert und die Wassertemperatur überschreitet kaum die 24-Grad-Marke, ausser es ist sehr heiss, dann weist es auch manchmal 25 Grad auf. Auf dem Dach der Garderoben befinden sich Sonnenkollektoren, diese Energie nutzen wir , um das Wasser aufzuheizen – aber nur, wenn es ganz kalt ist. 

In welchen Temperaturbereichen bewegt sich das Wasser?
Anfangs Saison bewegt sich die Temperatur etwas um die 18 Grad und danach, wenn die Nächte nicht mehr so kalt sind, mag es die Temperatur halten. Erst in der ersten Septemberwoche, wenn die Nächte wieder etwas kühler werden, verlieren wir um die zwei Grad in der Nacht. Ich vermute, dass das Wasser diesen Sommer während der Hitzeperiode nie unter 23 Grad gefallen ist.

Verzeichnen Sie Stammgäste, die jeden Morgen ihre Runden schwimmen?
Wir haben sehr viele Stammgäste. Die kommen am Morgen oder auch über den Mittag. Teilweise trainieren die Triathleten hier, die sonst im Hallenbad schwimmen. Es gibt auch Familien, die jeden Tag hier sind. Man kennt sich. Denn die Bademeister sind langjährige Mitarbeiter, das familiäre Umfeld wird sehr geschätzt. Es gibt auch Leute, die schwimmen morgens und abends nochmals. Beim Lösen der Saisonabos hilft es, wenn während der Vorbereitung sowie Eröffnung schönes Wetter ist. Dieses Jahr war es etwas speziell, da haben wir auch während des Sommers noch Saisonabos verkauft. Das ist eher aussergewöhnlich.

Also trifft man hier sozusagen jeden an?
Ja, entweder in der Freizeit oder als Sportler. Das wird wirklich vielseitig genutzt.

Gibt es bereits Pläne zu Neuerungen für nächstes Jahr?
Da möchte ich eigentlich nicht zu viel verraten. Wir können auch nicht jedes Jahr riesige Investitionen tätigen, um etwas Neues zu liefern. Wir versuchen die Anlage so gut wie möglich in Schuss zu halten. Es sollte dann eine Überraschung sein im Frühling.

Und jetzt geht es wieder zurück ins Hallenbad?
Diese Woche habe ich es bereits am Vormittag schon gespürt. Es war wieder ziemlich besetzt. Viele Leute sind, sobald die Freibäder geöffnet haben, dort unterwegs und kehren Ende Saison wieder zurück.

Was macht Ihnen am meisten Spass bei der Arbeit im Frei- und Hallenbad?
Es sind verschiedene Bereiche, denn ich arbeite teilweise auch als Bademeister, habe aber auch die Leitung beider Bäder unter mir. Bei der leitenden Funktion ist eine der Herausforderungen, den verschiedenen Anspruchsgruppen gerecht zu werden und für alle eine Lösung zu finden, die stimmt. Als Badmeister ist es bestimmt der Kontakt mit den Leuten.

So erhalten Sie sogleich ein direktes Feedback der Besucher.
Wir erhalten sehr viele Rückmeldungen von den Gästen und sie sind sehr motivierend. Man kann zwar nicht jede Idee umsetzen, jedoch versuchen, eine gemeinsame Lösung finden.

Was fallen für Arbeiten nach der Saison an?
Das Wasser wird zum Schutz der Folie vor UV-Strahlen drin gelassen. Es kommt ein chemisches Mittel rein, um die Algenbildung zu vermeiden und Eisbrecher, dass wenn das Wasser gefriert, das Becken nicht beschädigt wird. Im Frühling wird dann geputzt und poliert, damit wir im Mai loslegen können.

Was ist die aufwendigste Arbeit?
Die Vorbereitung der Saison. Alle Gänge werden mit Hochdruck gereinigt. Das Becken wird eingerieben und abgespritzt, der Garderobenbereich eingeschäumt. Die Grünanlage macht der Werkhof. Die sind dann eine Woche lang damit beschäftigt. Die Vorbereitung ist sehr intensiv. Danach das Aufräumen und alle Filtersiebe reinigen. Während der Saison hat die Aufsicht eine andere Intensität. Da fallen nur kleine Reinigungen zwischendurch an. 

Für Sie geht es jetzt ab ins Hallenbad?
Das Hallenbad ist das gesamte Jahr über mein Arbeitsplatz. Ich gehe nur als Aushilfe und Unterstützung ins Freibad. Ansonsten schaue ich, ob bei den Badmeistern alles in Ordnung ist oder halte ihnen den Rücken frei.

Sind Sie lieber im Frei- oder Hallenbad?  
Beides ist schön und doch kann man es nicht vergleichen. Das Hallenbad ist viel kleiner und wir machen zeitgleich auch die Kasse. Im Freibad ist man mit der Aufsicht beschäftigt und unternimmt kleine Reinigungen wie im Hallenbad. Ich komme gerne nach draussen zur Unterstützung. (ms)

16. Sep 2018 / 00:00
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