• Der Film spielt hauptsächlich nachts. (pd)

"Wir drehen keinen Kifferfilm"

Das Filmteam «Steve McLee» steckt mitten in den Dreharbeiten für den ersten Bündner Gangsterfilm. Für Steven Buchli ist es das erste Spielfilmprojekt, bei dem er die Leitung inne hat.

Herr Buchli, wie kommt man auf die Idee, einen Bündner Gangsterfilm zu drehen?
Steven Buchli: Man könnte diese Geschichte in Zürich, Bern oder jeder anderen Grossstadt erzählen. Dass solche Sachen aber gerade im idyllischen «Städtli» Chur passieren, damit rechnet keiner und genau das finde ich das Spannende an unserem Projekt. Es hat etwas Surreales, obwohl man weiss, dass es auch in Graubünden so zu- und hergeht. Wenn man die Zeitung öffnet, liest man ja auch gewisse Nachrichten.

In ihrem Film handeln junge Erwachsene mit Drogen.
Am Anfang läuft alles gut, doch ­irgendwann geht etwas schief. Um aus der Sache rauszukommen, gehen sie einen Deal ein. Dieser läuft nicht nach Plan und das bringt die Dealer in eine schier aussichtslose Situation, in der sie unmoralischen Entscheidungen treffen.

Was für einen Hintergrund haben die Figuren?
Unsere Protagonisten sind so bunt gemischt wie die Schweiz. Unter den Rollen finden sich Albaner, Italiener, Marokkaner und Schweizer. Innerhalb des Produktionsteams ist es uns ebenfalls wichtig gewesen, das Multikulturelle des Landes widerzuspiegeln. 

Die Wahl des Schauplatzes hängt mit Ihrer Herkunft zusammen. 
Der Film hat sicher auch einen Heimatbezug für mich, da ich in Graubünden aufgewachsen bin. So ist eigentlich auch das Drehbuch entstanden, indem ich Dinge im Ausgang erlebt oder vom Hörensagen aufgeschnappt habe. Vieles ist überspitzt dargestellt, zum Teil frei erfunden. Andere Elemente basieren jedoch auf wahren Begebenheiten, sofern das, was ich gehört habe, tatsächlich stimmt. 

Actionfilme werden häufig mit Schiessereien und Raubzügen in Verbindung gebracht. Müssen sich Touristen fürchten, wenn sie nachts durch Chur spazieren? 
In der Schweiz muss man glaube ich nirgendwo Angst haben, das einem etwas passiert. Wenn man danach sucht, findet man Kriminalität und Drogen allerdings überall. Unser Film spielt hauptsächlich in der Nacht. Als Schauplätze fungieren Gassen, Wohnungen und Industrieviertel, wie man sich das bei einem Gangsterfilm vorstellt.

Was möchten Sie anderen mit dem Bündner Gangsterfilm mitteilen?
Marihuana wird heutzutage fast schon verherrlicht. Nichtsdestotrotz bleibt es eine gefährliche Droge. Allerdings predigt der Film nicht unterschwellig eine Moral vor, sondern überlässt den Zuschauern die Freiheit, ihre eigene Meinung zu bilden. Wir drehen aber keinen Kifferfilm, sondern ein Action-Drama. Allein schon, dass es ein Bündner Gangsterfilm wird, macht ihn besonders.

Er hebt sich auch anderweitig ab.
Wir möchten die Leute über die sozialen Medien an allen Schritten des Projekts teilhaben lassen. Natürlich soll das auch die Neugierde für den Film wecken. Auf diese Weise sehen die Gönner quasi, was wir mit ihrem Geld gerade machen. Ausserdem ist es nicht alltäglich, dass sich Laien und Erfahrene für einen ­Independent-Film zusammenwürfeln. Diesen Mix haben wir bisher nicht bereut. Neue Perspektiven sind immer hilfreich, weil man mit der Zeit betriebsblind wird. 

Hat der Bündner Gangsterfilm eigentlich schon einen Titel? 
Damit tue ich mich schwer (lacht). Im Moment nennen wir ihn «Crazy or Die», aber das ist nur ein Arbeitstitel. Wir haben noch genügend Zeit, von dem her lasse ich mich nicht unter Druck setzen. Momentan verwenden wir die Kennzeichnung als erster Bündner Gangsterfilm, um mehr Aufmerksamkeit auf unser Projekt zu ziehen. 

Unsere Leser dürfte vor allem interessieren, wann und wo Ihr Film auf die Leinwand kommt.
Wir arbeiten nun schon fast ein Jahr an dem Projekt, befinden uns aber trotzdem erst am Anfang. Im Mai sind die Dreharbeiten gestartet, welche bis Ende Juli laufen. Danach folgen die Postproduktion und die Vermarktung. Bevor der Film in die Kinos kommt, möchten wir ihn zuerst auf den Festivals präsentieren – unser Team peilt Bern, Zürich, Solothurn und Locarno an. Es ist also gut möglich, dass er erst im Mai oder Juni 2020 zu sehen sein wird. Die Premiere wird in Chur stattfinden, danach sollen Ausstrahlungen in der ganzen Schweiz folgen. (gk)

Haben Sie schon weitere Projekte in Aussicht?
Ich arbeite derzeit noch an anderen Projekten, wie etwa einem Film Noir oder Theaterstücken. Das Drehbuch für den Bündner Gangsterfilm hinterlässt bewusst ein offenes Ende. Falls er gut ankommt, möchten wir zwei weitere Teile drehen, um die Geschichte stimmig abzuschliessen. 

07. Jul 2019 / 00:00
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