•  (Nils Vollmar)

"Wenn du die Maske trägst, kommt der Krampus zum Vorschein"

Seit 25 Jahren ist Wolfgang Theiner als Krampus unterwegs. Im Interview erzählt der Obmann der Moaniger Illspitztüfl, was den Reiz des alten Brauchtums ausmacht.

Zugegeben, vor diesem Interview habe ich mich ein bisschen gefürchtet. Ich bin froh, haben Sie Ihre Maske nicht auf.
Wolfgang Theiner:
Ja, unsere Perchten und Krampusse lehren so manchen das Fürchten (lacht).

Ich erinnere mich an den Krampus als wortkargen Gesellen mit brauner Kutte und dunklem Bart. Davon sind Ihre Masken aber weit entfernt.
Das stimmt, sie haben schon etwas Dämonisches an sich. Es kommt auch darauf an, von welchem Maskenschnitzer sie sind. Da hat jeder seinen eigenen Stil und natürlich hat auch jeder von uns einen anderen Geschmack. 

Woher stammen die Masken?
Wir bestellen sie zum Beispiel bei Robert Mitterer in Kärnten, Philipp Motz in Deutschland oder Markus Spiegel im Tirol. Die Masken werden aus Zirbenholz geschnitzt und sind alle handgefertigt. Je nachdem, welcher Stil einem gefällt, sucht man sich den Schnitzer aus und sagt ihm, was man gern haben möchte. So hat jede Maske ihren eigenen Charakter.

Das hört sich nicht billig an. 
Nein, billig sind die Masken sicher nicht. Je nach Schnitzer, Aufwand und Wunsch kosten die Werke ab 600 Euro aufwärts. Dann hat man aber erst nur die Maske, ohne Kostüm. Da kommen locker noch ein paar Hundert Euro dazu. 

So teuer?
Man muss bedenken, dass viele der Kostüme aus echtem Fell oder Leder gemacht sind. Das hat seinen Preis. Ein komplettes Kostüm mit Maske kostet im Schnitt etwa 2000 Euro. Ausserdem sind alle Masken Unikate. 

Das ist dann etwas, das man sich nur einmal leistet, oder?
Jein. Wir haben einige im Verein – zu denen gehöre auch ich –, die sich jedes Jahr ein neues Kostüm kaufen. Ich kann mich nur schwer von den Masken trennen. Jede von ihnen hat eine eigene Geschichte. Andere gehen Skifahren und wir verkleiden uns als Krampus – so hat jeder sein Hobby. 

Reicht denn nicht eine Maske?
Uns geht es auch um Abwechslung. So können wir die Leute jedes Jahr mit neuen Gesichtern – wenn wir es mal so nennen wollen – überraschen. Darum hat auch jeder von uns seine eigene Maske und nicht alle dieselbe. 

Die Vereinsmitglieder sind also leidenschaftliche «Tüfl». Wie haben Sie den Krampus in sich entdeckt?
Ich bin schon seit 25 Jahren Krampus. Als ich vor 30 Jahren nach Meiningen zog, gab es noch einige, die als Nikolaus und Krampus durchs Dorf zogen. Als diese aufhörten, hat man mich gefragt, ob ich nicht den Krampus mimen möchte. Seither laufe ich jedes Jahr mit derselben Gruppe von Haus zu Haus. 

Hatten Sie damals auch schon so furchterregende Masken?
Nein (lacht). Wir haben ganz primitiv angefangen. Wir haben einen schwarzen Stoff auf einen Bauhelm geklebt, zwei Löcher für die Augen reingeschnitten und eine rote Zunge angenäht – das war alles. Die Maske haben wir übrigens heute noch. 

Das hört sich aber nicht weniger gruselig an. Wie lange gibt es die Moaniger Illspitztüfl denn schon?
Die Idee, einen Verein zu gründen, hatte ich schon länger. Im April 2014 haben wir schliesslich spontan Nägel mit Köpfen gemacht und uns angemeldet. Damals waren wir zu sechst. Wir sind aber recht schnell gewachsen. Mittlerweile zählen wir 28 aktive Mitglieder.

Der Krampus hat seinen Reiz.
Auf jeden Fall. Das liegt vor allem an der Maske. Wenn du sie auf hast, kennt dich niemand. Dann bist du automatisch anders. Wenn du die Maske trägst, kommt der Krampus in dir zum Vorschein. 

Ist der Krampus böse?
Ja, der Krampus und die Perchten sind die Bösen. Der Nikolaus ist der Gute, der Bezwinger der Krampusse und Perchten. Wenn der Heilige Nikolaus kommt, fallen diese in der Regel vor ihm auf die Knie. 

Aber er Nikolaus kommt ja in Begleitung von einem oder sogar mehreren Krampussen.
Es ist die Aufgabe vom Krampus, den Nikolaus zu beschützen, damit er sein Werk verrichten kann. 

Ich habe gesehen, dass es auch ganz junge Illspitztüfl gibt.
Wir haben zehn Kinder im Verein, die bei den Krampusläufen mitlaufen. 

Haben sie denn keine Angst?
Das müssen Sie nicht mich fragen (lacht und ruft nach einem der Kinder). Simon, wie alt bist du jetzt?
Simon: Ich bin acht Jahre alt. 

Seit wann bist du bei den Tüfln dabei?
Simon:
Ich bin einen Monat dabei.

Und du bist schon mitgelaufen?
Simon:
Ja, schon zwei Mal.

Hast du denn keine Angst?
Simon:
Nein (schüttelt den Kopf und grinst schelmisch). 

Haben denn die Zuschauer Angst vor dir? 
Simon:
Ja. Letztes Mal hat sogar ein Mädchen geweint. 
Wolfgang Theiner: Wir haben eine Familie mit zwei Kindern im Verein. Erst kam die Tochter dazu. Der Junge war nicht so begeistert. Er war bei einem Lauf dabei und hatte Angst. Seine Mutter meinte dann: «Geh auch mit, dann haben die anderen Angst vor dir.» So ist es: Wenn du selbst mitgehst, hast du keine Angst.

Gibt es kein Alterslimit?
Nein. Es kann mitgehen, wer will. Allerdings geht kein Kind allein. Mindestens ein Elternteil muss dabei sein.

Sicherheit geht vor. 
Absolut. Man muss wissen: Wir sind mit den Kostümen extrem eingeschränkt. Die Kleider und Masken sind schwer. Ausserdem sehen wir fast nichts. 

Gibt es irgendwelche Aufnahmebedingungen beim Verein?
Nicht wirklich. Allerdings müssen die Mitglieder schon dazu passen. Die Chemie muss stimmen. Ausserdem ist mir das Vereinsleben wichtig. Das ist nicht viel. Wir sind nur während zweier Monate im Jahr wirklich aktiv. Wer dabei ist, sollte dann bei den Läufen oder wenn wir gebucht werden präsent sein.

Die Illspitztüfl kann man buchen?
Ja klar. Besonders für Weihnachtsfeiern werden wir gern gebucht. Dann begleiten wir den Nikolaus.

Das ist sicher eine unerwartete Überraschung. 
Am Anfang gibt es immer ein Geschrei (lacht). Es ist unsere Aufgabe, für Ruhe zu sorgen. Erst dann kommt der Nikolaus herein. Dann holen wir uns die schlimmen Finger heraus. 

Werden sie dann bestraft?
Nein. Wir schütteln sie etwas durch, das ist alles. Wir möchten den Leuten keine Angst einflössen. Respekt schon, aber keine Angst. 

Was begeistert Sie am Krampus?
Der Krampus hat in unserer Region eine lange Tradition. Ich finde, es ist ein schöner Brauch und Brauchtum sollte gelebt werden. (sms)

02. Dez 2018 / 00:00
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