• LGT Medien Znüni in Vaduz
    Marco Büchel ist eindeutig Pro "Tour de Ski".  (Daniel Schwendener)

"Sind wir ein Volk von Verhinderern geworden?"

Marco «Büxi» Büchel spricht im Interview über die «Tour de Ski» in Liechtenstein und erklärt, warum er sich für die Durchführung ausspricht.

Anfang Juli wurde bekannt, dass im Zentrum von Vaduz zwei Etappen im Rahmen der «Tour de Ski» durchgeführt werden sollen. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon gehört haben?
Marco Büchel: Ich habe schon etwas früher von diesem Projekt «Tour de Ski in Liechtenstein» erfahren. Persönlich finde ich die Idee sehr gut und stehe voll hinter dem Plan des LSV. Von Beginn weg war ich Feuer und Flamme für das Projekt, denn ich sehe dahinter eine riesige Chance für das Land Liechtenstein, die wir unbedingt nutzen sollten.


Im September hat der Landtag nach langer Diskussion mit 14 zu 11 Stimmen einem Kredit in der Höhe von 800 000 Franken zugestimmt. War das aus Ihrer Sicht die richtige Entscheidung?
Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung des Landtags. Unser Land bekommt für den Preis von
800 000 Franken zwei grosse Events mit internationaler Ausstrahlung. Dadurch wird Liechtenstein, zusätzlich zu unseren alpinen Erfolgen, ein Begriff auf der Landkarte des Top-Wintersports. Aus meiner Sicht ist es deshalb eine «Win-Win-Situation» für alle Beteiligten. Was wir für das Geld bekommen, ist eigentlich unbezahlbar. 

Was bekommt Liechtenstein denn dafür? Und was bringt die «Tour de Ski» überhaupt?
In erster Linie bietet es uns eine riesengrosse Werbeplattform. Die Strahlkraft eines solchen Sportevents ist immens. Der Sport hängt immer auch mit Emotionen zusammen. Gerade durch Live-Events kann man bei den Zuschauern eine positive emotionale Bindung schaffen.

Das heisst?
Wir können mit der «Tour de Ski» unser Image weiter verbessern und ein Zeichen setzen. Ein kleiner Vergleich: Vor einigen Jahren wäre Liechtenstein beinahe Gast-Kanton/-Land beim Zürcher «Sächsilüüte» gewesen. Mit der «Tour de Ski» könnten wir bedeutend mehr Menschen erreichen und Liechtenstein erneut auf positive Weise präsentieren. Sagt nur ein Prozent dieser Menschen: «Da ist es schön, da wollen wir hin», wirkt sich das positiv auf unser Land und unseren Tourismus aus.

Kurz nach dem Landtagsentscheid wurde das Referendum ergriffen. Haben Sie mit so etwas gerechnet oder kam das für Sie völlig überraschend?
Ich selbst habe nicht daran gedacht, dass nach dem Entscheid des Landtags jemand das Referendum ergreifen könnte. In meinem Umfeld gab es zwar vereinzelt Stimmen, die auf ein mögliches Referendum hingewiesen haben. Aber für mich kam diese Nachricht doch sehr überraschend.

Wie war Ihre Reaktion auf die Bekanntgabe des Referendums?
Ich fand und finde es schade! Die Entscheidung haben Politikerinnen und Politiker getroffen, welche vom Volk gewählt wurden. Der Landtag hat mit dieser Entscheidung ein klares Zeichen gesetzt: «Yes, we can!» Wir sollten das akzeptieren.

Das Referendumskomitee hat Bedenken, vor allem wegen der ökologischen Aspekte. Sind diese Bedenken gerechtfertigt?
Es ist gut und wichtig, sich die ökologischen Aspekte eines Gross-Events gut anzuschauen. Der LSV hat die ökologischen Aspekte deshalb dargelegt und klar aufgezeigt, warum das Ganze in Vaduz stattfinden soll. Das Argument des Schneetransports ins Tal zieht für mich nicht wirklich, weil bei einer «Tour de Ski» in Steg der gesamte Weltcup-Tross samt Zuschauern hoch auf den Berg geführt werden müsste. Für mich ist das ein Nullsummenspiel.

Und wie steht es aus Ihrer Sicht um die finanziellen Aspekte?
Ich habe wenig Verständnis für die Begründung des Referendumskomitees. Wofür ich Verständnis aufbringe: Auf den ersten Blick erscheint die Summe von 800 000 Franken hoch, denn wir haben in den vergangenen Jahren viel vom Sparen gelesen und gehört. Aber wie gesagt, wir bekommen viel für den Preis. Gleichzeitig habe ich Angst, dass wir ein Volk von Verhinderern werden. Angefangen bei der Jubiläumsbrücke, die nicht umgesetzt wurde, bis hin zum Nein zur Kletterhalle. Jetzt stellt man sich auch der «Tour de Ski» in den Weg. 

Heisst das, dass man hier in Liechtenstein keine Grossanlässe will?
Falls das Projekt «Tour de Ski in Liechtenstein» nicht durchkommen sollte, dann stehen die Zeichen aus meiner Sicht schlecht, in den kommenden 20 Jahren ähnliche Projekte realisieren zu können.

Die «Tour de Ski»-Etappe wäre der erste Wintersportanlass auf höchster Stufe, der in Liechtenstein stattfinden wird. Der LSV sagte, man wolle damit der FIS etwas zurückgeben. Kann man das mit der «Tour de Ski»?
Liechtenstein profitiert, gerade im Wintersport, sehr stark von unseren Nachbarn wie der Schweiz oder Österreich, aber auch von der FIS. Mit der Durchführung zweier «Tour de Ski»-Etappen könnte Liechtenstein ein Zeichen setzen gegenüber der FIS und ihr etwas zurückgeben. Andorra zum Beispiel tut dies gerade, indem es in der kommenden Saison das Weltcupfinale der alpinen Skifahrer organisiert. Es setzt ein Zeichen und zeigt, dass es als kleines Land ein grosses Event tragen kann. Liechtenstein kann das auch. Wir haben es im vergangenen Winter mit der Organisation der Schweizer Meisterschaft der Langläufer eindrücklich bewiesen.

Aber ist das überhaupt nötig? Muss Liechtenstein der FIS etwas zurückgeben ?
Ich will nicht sagen, dass wir der FIS etwas schulden. Es ist aber eine Möglichkeit, unsere Dankbarkeit der FIS gegenüber auszudrücken.

Sie kommen vom alpinen Skisport. Waren Sie selbst schon einmal bei einer «Tour de Ski» als Zuschauer dabei?
Nein, bei einer «Tour de Ski»-Etappe war ich selber noch nie vor Ort, weil ich im Winter selber ständig unterwegs bin. Aber bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang war ich bei den Langlaufrennen mit dabei. Die «Tour de Ski» und allgemein den Langlaufsport verfolge ich aber sonst sehr intensiv.

Wie werden Sie bei der Volksabstimmung abstimmen?
Nach diesem Interview ist das vermutlich klar (lacht). Ich stehe hinter diesem Projekt und hoffe, dass 
es positiv herauskommt. Deshalb werde ich mit Ja stimmen. (rb)

14. Okt 2018 / 00:00
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