«Ich weiss nicht, wie der Groove heisst, aber er ist cool»

Seit knapp zehn Jahren rockt die Blue Shoes Band die Bühnen in der Region. Einmal spielten sie vor einem leeren Saal und gestern in einer vollen Gasse.
Ihr habt dieses Wochenende am Bucherfest in der «Gass» mit euren Rock-’n’-Roll-Songs für Stimmung gesorgt. War das was Besonderes für euch oder ein «Heimspiel»?
Kurt Schwendener: Dieser Auftritt war bereits der sechste am Buchserfest – es ist aber jedes Jahr ein Erlebnis für uns. Weil ich selbst in Buchs aufgewachsen bin und dementsprechend viele aus dem Publikum kenne, hat es für mich einen besonderen Charme.
 
Rolf Plat: Dieses Mal war es sicher auch besonders für uns, weil wir am Buchserfest in der «Gass» gespielt haben. Eigentlich zählt ihr (fast alle) schon zu den alten Hasen in der Rock-’n’- Roll-Szene – schliesslich gibt es die Blue Shoes Band schon seit zehn Jahren. Wie kam es damals zur Gründung?
Kurt: Es war schon immer mein Traum, in einer Band zu spielen und der Rock ’n’ Roll hat es mir schon lange angetan. Mit 42 hat sich mein Traum dann erfüllt. Rolf Plat und ich kennen uns von früher. Irgendwann haben wir uns zusammengetan und begonnen, zusammen zu musizieren – oder besser gesagt zu «jammen». 
 
Rolf: Mit dem Proben begonnen haben wir in Kurts Luftschutzkeller – neben Modellbau und Co. Nach und nach haben wir weitere Bandmitglieder gesucht, bis wir komplett waren. So stiess dann auch Herbert zu uns.
 
Herbert Wachter: Der Rock ’n’ Roll war schon lange meine Leidenschaft. In Schaan habe ich lange turniermässig Rock ’n’ Roll getanzt. Irgendwann habe ich dann begonnen, im Chor zu singen. Da begann ich mich auch sonst für Musik zu interessieren und habe mir ein dickes Buch über Elvis gekauft – mit all seinen Liedern. Das habe ich zur erste Probe mitgebracht und wir haben daraus erste Songs aus Freude am Rock ’n’ Roll gespielt – und das hat uns allen auf Anhieb gut gefallen.
 
Simon, du bist das jüngste Mitglied – sowohl alters- als auch bandmässig. Wie kam es zu deinem Beitritt?
Simon Schwendener: Die «Blue Shoes» haben mich angefragt. Ich bin, als Sohn von Kurt, eigentlich seit der ersten Probe dabei und wurde so in den Rock ’n’ Roll hineingezogen. Meinen ersten Auftritt hatte ich eigentlich schon vor zehn Jahren, als ich – noch drei Köpfe kleiner – ein paar Lieder begleitet habe. Häufig bin ich einfach eingesprungen – und seit Mitte vergangenen Jahres bin ich offizielles Mitglied. 
 
Wie ist das so, als Jüngster in der Truppe? 
Simon: Da ich auch noch bei anderen Bands spiele – bei denen der Altersdurchschnitt deutlich höher ist –, bin ich das gewohnt und es ist ganz normal für mich.
 
Und wie ist das für die anderen drei – bringt Simon frischen Wind?
Herbert: Er bringt unser Durchschnittsalter aufs richtige Niveau!
 
Rolf: Am Anfang haben wir vielleicht kurz leer geschluckt. «Was will er bloss mit all den neuen Ideen?», haben wir uns gefragt. Aber der frische Wind hat uns gut getan.
 
Kurt: Da wir uns mit Simon als neuen Schlagzeuger aufeinander abstimmen mussten, haben wir uns mit unseren Liedern nochmals genauer auseinandergesetzt. Das hat uns sicher auch musikalisch vorwärts gebracht.
 
Wenn wir gerade beim Thema Alter sind: In Zeiten von Songs 
wie «079» und «Despacito» – hören da die Jüngeren noch 
Rock ’n’ Roll? 
Herbert: Ich denke, Rock ’n’ Roll ist bei jeder Generation beliebt. Die Musik reisst einfach mit. Je nach Location bekommen wir auch von jungen Leuten ein sehr gutes Feedback.  
 
Kurt: Vor ein paar Jahren hatte ich dazu ein Schlüsselerlebnis: Nach einem unserer Auftritte am Buchsefest habe ich mitbekommen, wie ein Junge zu seinem Vater sagte: «Ich  weiss zwar nicht, wie dieser Groove heisst, aber er ist richtig cool!»
 
Simon: Der Sound, den wir machen,  ist sicher altersunabhängig. 
 
Wen von euch würdet ihr als treibende Kraft bezeichnen?
Rolf: Ich denke, jeder ist die treibende Kraft in seinem Bereich.
 
Herbert: Wir sind eigentlich ganz «demokratisch» organsiert. Jeder hat die gleichen Rechte und kann seine eigenen Ideen einbringen.
 
Simon: Auf der Bühne ist es als Frontsänger sicher Herbert. Aber sonst ergänzen wir uns sehr gut.
 
Kurt: Dass wir uns so gut ergänzen und aus purer Freude dabei sind, ist wohl unser Erfolgsrezept. Das ist jetzt nicht einfach nur ein netter Satz – das ist der Grund, weshalb wir schon Jahren zusammen Musik machen.
 
Euer Name ist wohl abgeleitet vom Song «Blue Suede Shoes», den Elvis Presley einst interpretiert hat. Ist er auch euer Lieblingsinterpret?
Herbert: Das kann man so nicht sagen. Er ist der King of Rock ’n’ Roll und ein grosses Vorbild für uns. Wir spielen auch Songs von Musikgrössen wie Chubby Checker, Bill Haley, Chuck Berry und so weiter.
Und solche «Blue Suede Shoes», wie Elvis singt, habt ihr auch an den Füssen?
Rolf: Ja, haben wir – die bestellen wir in Amerika jeweils bei einem alten Frauchen, dass in Kalifornien einen Schuhladen betreibt.
 
Simon: Meine habe ich erst gerade bekommen!
 
Herbert: Mit «Blue Suede Shoes» sind richtige Rock ’n’ Roll- Schuhe gemeint. Und weil wir bei der Bandgründung nur normale Turnschuhe anhatten, sind wir eben die «Blue Shoes Band».
 
Was würdet ihr in euerer  Bandkarriere als euer grösstes  Highlight bezeichnen?
Rolf: So ein «Schlüsselmoment» war das allererste Konzert, als wir an einem 40. Geburtstag spielen durften. Da haben wir gespürt, dass es funktioniert – und vor allem Spass macht. 
 
Herbert: Wir wurden schon zum 50. Geburtstag – also zehn Jahre nach dem ersten Konzert – angefragt. Sonst war sicher das Zwiebelturmfest in Triesenberg, vor etwa drei Jahren, ein riesiges Highlight – da kriegen wir noch heute gute Rückmeldungen.
 
Kurt: Das Ranserfest, im eigenen Dorf vor der eigenen Haustüre, das war etwas Besonderes. Vermutlich gibt es an jedem Konzert etwas Spezielles – wir wissen nie, was passiert.
 
Gibt es vor den Auftritten jeweils ein spezifisches Ritual?
Rolf: Das «Ritual» beginnt eigentlich mit dem Anziehen. Wir ziehen alle das Outfit an – und natürlich unsere «Blue Shoes».
 
Simon: Unser «Kampfruf» auf der Bühne, bei dem wir uns gegenseitig viel Spass wünschen, gehört natürlich dazu.
 
Rolf: Und für mich und Herbert gehört ein Gläschen Wein dazu. Das ist gut für die Stimme. 
 
Wie werdet ihr bühnenreif? Wird viel geprobt?
Kurt: Fixer Probetermin ist jeweils der Donnerstag. Da spielen wir die Lieder zusammen als Band. Jedoch muss jeder für sich zu Hause üben. Letztlich ist das Proben am Donnerstag ein «Zusammensetzen» und «aufeinander Abstimmen». Notenlesen ab Blatt kann von uns allen eigentlich niemand – wir spielen nach Gefühl.
 
Simon: Bei diesem Musikstil ist das «nach Gefühl» Spielen wohl auch das Wichtigste – sonst tönt es zu statisch.
 
Herbert: Dadurch bringen wir unseren eigenen Stil hinein und können uns – je nach Publikum – auch anpassen.
 
Apropos einzigartig: Du als Bassist, Rolf, kletterst gerne während des Auftritts auf dem Kontrabass herum. Gab es mal einen Sturzflug?
Rolf: Ja, den gab es in der Tat: Ich bin einmal eingebrochen, weil ich falsch draufgestanden bin. Plötzlich hat es geknackt – und ich hatte drei Teile in der Hand. Mit einem Ersatzkontrabass konnten wir dann zum Glück weiterspielen. Mittlerweile habe ich aber dafür einen «Tritt» am Kontrabass angebracht, damit das nicht mehr passiert.
 
Pannen und Pleiten gibt es immer wieder. Was war euer Tiefschlag?
Herbert: Das war ein Auftritt, bei dem wir einen sehr späten Termin bekommen haben. Denn zuerst spielte die Musikgesellschaft und anschliessend wurde ein Theater aufgeführt. Danach musste das Bühnenbild abgebaut werden und wir mussten uns installieren. Als wir dran waren, war der Saal wie leergefegt – das Publikum war bereits nach Hause gegangen. Einzig die fünf Serviceangstellten waren noch da  und hatten eine Riesengaudi – und wir schlussendlich auch. 
 
Zum Schluss: Steile Bandkarriere oder Hobbymusiker?
Herbert: Wir werden auch weiterhin etwa zwölf Auftritte im Jahr machen, damit die Freude an der Musik erhalten bleibt. Zudem arbeiten wir alle und haben eine Familie. Auf grösseren Bühnen, eventuell etwas weiter weg, zu spielen, wäre sicher spannend. Und unsere eigens komponierte Mundart-Rock-’n’-Roll-Songs werden auch stets erweitert.
 
Rolf: Mehr auftreten könnten wir immer. Wir wurden sogar angefragt,  ob wir auf einem Karibik-Kreuzfahrtschiff spielen könnten – mal sehen, was sich daraus ergibt.
 
Kurt: Die Freude soll immer im Vordergrund stehen. Vielleicht bringen wir im Jubiläumsjahr 2019 eine CD heraus. 
 
Herbert: Auf jeden Fall wollen wir uns auch musikalisch noch erweitern. Ich lerne zum Beispiel Saxofon spielen.
 
Rolf: So ein Auftritt auf einem Kreuzfahrtschiff wäre aber schon einmal toll. (rar)
25. Aug 2018 / 21:54
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