•  (Daniel Schwendener)

"Glitzerkram und weisse Kaninchen – das liegt mir nicht"

Zylinder sind für David Shine alte Hüte. Der Vorarlberger Magier verblüfft sein Publikum lieber ganz persönlich mit modernen Tricks.

David, du hattest vor etwa zwei Jahren einen Auftritt bei «Die grössten Schweizer Talente». Ich habe mir das Video angesehen und war schockiert: Du hast Rasierklingen geschluckt! Das ist doch gefakt, oder?
David Shine:
Nein, das ist kein Fake (lacht). Die schlucke ich wirklich. Und die sind tatsächlich sehr scharf.

Das glaube ich nicht.
Soll ich es dir zeigen? Ich hab ein paar Rasierklingen im Auto. 

Nein, bitte nicht! Ich will dir das jetzt mal so abkaufen. Aber warum machst du so etwas – man kann es kaum anders nennen – Verrücktes? 
Ich will meine Zuschauer unterhalten. Und ich bin kein Zauberer. Ich bezeichne mich lieber als Magier.  Glitzerkram und weisse Kaninchen – das liegt mir nicht. 

Rasierklingen zu schlucken oder sich Fäden aus dem Auge zu ziehen, ist aber schon extrem und ungewöhnlich. Wie kommt man überhaupt auf solche Ideen?
Auf den Trick mit den Rasierklingen bin ich gekommen, nachdem ich einen ähnlichen Trick gesehen habe. Ich dachte, ich versuche das einfach einmal. Allerdings braucht es schon einiges an Überwindung und man muss sich gut überlegen, was und wie man das macht. Immerhin ist das nicht ungefährlich. Ich habe mich auch schon übel dabei geschnitten. Aber wenn man das öfter macht, gewöhnt man sich daran. 

Das heisst, du trainierst deinen Körper für diese Tricks?
Klar, sonst ginge das gar nicht. Übung braucht es bei allen Tricks. Daher habe ich auch oft ein Kartendeck in der Hand. Je mehr ich es gewohnt bin, die Karten zu halten, desto weniger fallen sie mir bei der Vorführung aus der Hand – und das wäre für einen Magier echt peinlich (lacht). Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert: Denn je selbstsicherer man wird, desto nachlässiger wird man auch. Vorsicht ist daher das höchste Gebot.

Ist bei deinen Auftritten schon mal etwas schief gegangen?
Ja, als ich damit angefangen habe. Da sind von fünf Rasierklingen nur vier wieder rausgekommen, weil sie den Faden durchtrennt haben. Manchmal merkt man erst, was passieren kann, wenn es passiert. Aber das Problem habe ich mittlerweile in den Griff bekommen – und die fehlende Klinge habe ich auch rausbekommen (lacht).

Welche Tricks hast du noch auf Lager? Lässt du auch Panzer verschwinden und zersägst Jungfrauen?
In der heutigen Zeit wird es eher schwierig, Jungfrauen zu finden (lacht). Spass bei Seite, so aufwendige Tricks wie zum Beispiel David Copperfield macht, mache ich nicht. Ich schlucke Nadeln oder Rasierklingen. Ich habe aber auch coole Kartentricks oder Tricks mit Münzen auf Lager – mit Dingen, die man dabei hat und mit denen man sofort loslegen kann. Ich binde auch gern das Smartphone in die Show mit ein. 

Wie zum Beispiel?
Ich kann zum Beispiel das Apple-Logo auf der Rückseite verschieben. Dafür nehme ich aber das Handy eines Zuschauers, sonst heisst es, ich hätte meines manipuliert. 

Du beziehst deine Zuschauer gern in die Show mit ein. 
Ja. Einerseits ist das für die Zuschauer immer ein tolles Erlebnis. Sie können dann sagen: «Aber ich habe ihm die ganze Zeit auf die Finger geschaut!» Andererseits finde ich, ist es eine grössere Herausforderung, eine Gruppe Menschen um mich herum zu verblüffen, als von weiter weg auf der Bühne. Ich muss dabei wesentlich mehr aufpassen, weil mir ja immer jemand von hinten über die Schulter schaut. 

Es heisst doch: «Je näher man dran ist, desto weniger sieht man.»
Das kommt ganz auf den Trick an. Der macht ja nur etwa zehn Prozent der Show aus. Der Rest ist Schauspielkunst, Rhetorik und Ablenkung. Wir Menschen lassen uns gern ablenken. 

Tatsächlich?
Jeder hat so kleine Momente, in denen er unaufmerksam ist. Das merkt man in der Regel gar nicht. Es ist unglaublich, wie einfach gestrickt wir Menschen sind. 

Und das sind die Momente, die du ausnutzt?
Vereinfacht gesagt, ja. Wenn ich nur eine Person ablenken muss, ist das einfach. Eine ganze Gruppe abzulenken, ist schon etwas schwieriger. 

Dann manipulierst du deine Zuschauer also?
Ja. Und ich kann Gedanken lesen. Du solltest also vorsichtig sein, was du gerade denkst.

Das nehme ich dir jetzt nicht ab.
Ich kann es dir beweisen: Denk an irgend ein Wort, egal an welches. Ich denke an dasselbe. Jetzt werden wir das Wort gleichzeitig sagen. Bereit?

Auto ...
Hase ... Okay, das hat nicht ganz funktioniert. Aber ich kann ja auch nicht wirklich Gedanken lesen. Ich sage immer Hase, weil irgendwann sagt mein Gegenüber auch Hase und dann kann ich sagen: «Ich habe deine Gedanken gelesen.»

So kann man es auch versuchen.
Ja. Aber, ich habe mir schon gedacht, dass wir während unseres Gesprächs auf das Thema Gedankenlesen kommen. Darum habe ich etwas vorbereitet. Ich habe in meiner Geldbörse, nämlich eine Visitenkarte von mir. Auf der habe ich zuhause ein Wort notiert. Was glaubst du, habe ich aufgeschrieben?

Da steht jetzt nicht «Auto» drauf?!
Keine Ahnung. (Der Magier grinst und zieht eine zusammengefaltete Visitenkarte aus einer sonst leeren Geldbörse auf der das Wort Auto notiert ist).

Das glaub’ ich ja nicht! Wie hast du das gemacht?
Sehr gut, hoffentlich!

Allerdings! Verrätst du mir den Trick? Es bleibt auch unter uns ...
Keine Chance.

Ich habe von Magiern gehört, die sich Taschen in ihre Mundhöhle operieren liessen.
Das hab ich noch nie gehört. Ich weiss nur, es soll Leute geben, die sich Magnete in die Finger setzen lassen. 

Sind solche Modifikationen ein Thema für dich?
Ich wüsste nicht, warum ich das machen sollte. Das ist vielleicht etwas für jene, die sonst nicht überzeugen können. 

Wo im Leben würdest du gern wirklich zaubern können?
Eine gute Frage. Da ich schon Gedankenlesen kann, glaube ich, wäre ich gern hin und wieder unsichtbar. Das wäre interessant. 

Wie hast du als Magier angefangen?
Ich habe einen Trick im Fernsehen gesehen und dachte: «Das kann ich auch.» 

Und, konntest du?
Nein, nicht sofort. Das war auch der Grund, warum es mich nicht mehr losgelassen hat.

Bist du hauptberuflich Magier oder ist das ein Hobby von dir? 
Nein, es ist nicht mein Hauptberuf. Aber als Hobby kann ich es nicht mehr bezeichnen. Magier bin ich abends oder am Wochenende. Dann trete ich bei Events auf oder unterhalte regelmässig die Gäste in einigen Lokalen in der Region, wie zum Beispiel im Break in Feldkirch oder im Mr. John’s in Dornbirn. 

Würdest du deinen Beruf aufgeben, um Vollzeit als Magier tätig zu sein?
Ich fühle mich wohl hier in der Region. Wenn ich mich völlig meiner Magier-Karriere widmen wollte, müsste ich auf Tour gehen und wäre nur noch selten zuhause. Das will ich nicht. Sollte ein Anruf aus Las Vegas kommen, denke ich vielleicht darüber nach (lacht). 

10. Jun 2018 / 00:00
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