•  (Tatjana Schnalzger)

"Ein gelebtes Konzert ist unersetzlich"

In der Funktion des Geschäftsführers lenkt Edgar Eller seit 2015 die Geschicke des Montforthauses Feldkirch. Für ihn Auftrag und Passion zugleich.

Herr Eller, seit 2015 sind Sie Geschäftsführer des «Herzstücks des Feldkircher Gesellschaftslebens», wie das Montforthaus in der Presse gerne genannt wird. Wie haben Sie die drei vergangenen Jahre erlebt? Ist Ihr Tatendrang ungebrochen?
Edgar Eller:
Die ersten drei Jahre waren schon besonders. Bei aller Planung findet die Optimierung im täglichen Betrieb statt. Hier galt es, von Veranstaltung zu Veranstaltung zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Nun, nachdem wir das Haus jetzt aus dem Effeff kennen, können wir ihm die Ausrichtung und besondere Positionierung geben, die uns wichtig ist.

Welches sind die zentralen Eckpunkte, um eine regionale wie internationale Kulturstätte wie das Montforthaus erfolgreich zu führen? Die Konkurrenz schläft nicht ... 
Die Konkurrenz schläft nicht nur nicht, sondern wird tatsächlich auch mehr. Derzeit sind einige Häuser in dem für uns besonders relevanten Radius von 500 Kilometern im Bau. Es reicht schon lange nicht mehr, nur die perfekte Technik anzubieten. Hardware wird vorausgesetzt. Es gilt vielmehr, als Gastgeber genau hinzuhören, um die tatsächlichen Bedürfnisse des Kunden zu verstehen. Die liegen meist ganz woanders, als dass nur die Powerpoint funktioniert. Ausserdem muss man eine eigene Stossrichtung haben, eine Haltung, für die man steht und mit der der Kunde sich identifizieren kann. 


Eine multifunktionale Stätte wie das Montforthaus mit seinen 6500 Quadratmetern Nutzfläche, Seminar- und Veranstaltungsräumen in der Grösse von 25 bis 695 Quadratmetern will nicht nur gefüllt sein, sondern hat auch seinen Preis. Wie finanziert es sich?
Das Montforthaus ist eine 100 Prozent-Tochter der Stadt Feldkirch. Natürlich generieren wir Umsatz durch unsere Kunden. Allerdings ist der gesellschaftspolitische Auftrag des Hauses deutlich weiter gefasst. Den komplett durch die Besucher finanzieren zu lassen wäre nicht zielführend und würde das Haus für die Breite der Bevölkerung unerschwinglich machen. Hier gleicht die öffentliche Hand aus.

Ein breites Veranstaltungsspektrum setzt organisatorische Kompetenz voraus. 65 Mitarbeitende zeichnen hierfür verantwortlich. Gewähren Sie uns einen Einblick hinter die Kulissen ...
Auf der einen Seite kümmert sich unser Team um die Abwicklung der sogenannten «Fremdveranstaltungen», also Kongresse, Messen und Konzerte. Hierbei ist die Veranstaltungsorganisation der direkte Kontakt zum Kunden, bespricht mit ihm im Vorfeld sämtliche Details und ist die Schnittstelle zur Technik. Der Kunde soll von Anfang bis Ende einen Ansprechpartner haben. Die Technik und das Catering kümmern sich dann um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Unsere Agentur betreibt aber nicht nur das Montforthaus, sondern veranstaltet auch verschiedene Festivals und Grossveranstaltungen in der Stadt. Diese zusätzliche Kompetenz hilft uns dann auch wieder in der Umsetzung für unsere Kunden. Um der Bevölkerung auch ausserhalb von Veranstaltungen den Zugang in unser Haus zu garantieren, betreiben wir noch den Tourismuscounter im Haus und eine öffentliche Gastronomie über den Dächern der Stadt.

«Soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit sind unbedingte Grundlagen unseres Handelns ..., heisst es in der Homepage. Im Oktober 2017 konnte das Montforthaus den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit entgegennehmen. Ist ein Nachhall zu spüren?
Absolut. Neben dem grossen medialen Interesse sind solche Auszeichnungen auch ein Beweis dafür, dass man es mit dem nachhaltigen Betrieb des Hauses ernst meint und nicht bei ein, zwei Energiesparlampen aufhört. Ein Bestreben, dass auch die Kunden bei ihren Veranstaltungen spüren und das von ihren Besuchern wiederum positiv gespiegelt bekommen. 

Internationale Kongresse, Sinfoniekonzerte, festliche Bälle, Messen, Vereinsveranstaltungen, Firmenevents. Wer kommt zu Ihnen?
Sie haben das breite Spektrum tatsächlich bereits aufgezählt. Als multifunktionales Haus sind wir in der Lage, die unterschiedlichsten Veranstaltungsarten abzuwickeln. Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf Kongressen und Kulturveranstaltungen. Als Haus der Region war aber von Anfang an klar, dass wir auch den Vereinen eine Heimstätte sind. Kultur macht nur Sinn, wenn sie an die jeweilige Region rückgebunden ist.

Menschen mit besonderen Bedürfnissen erfahren im Montforthaus Sorgsamkeit: Leitsysteme für Sehbehinderte, alle Veranstaltungsräume sind per Lift erreichbar, spezielle Unterstützung für Besucher mit Hörgeräten. Vorbildlich!
Hier ist der Stadt Feldkirch ein grosses Kompliment auszusprechen. Die Niederschwelligkeit war von Beginn Teil der Planung. Auch im Nachhinein wurden Anregungen und Erfahrungen aufgenommen und das Haus weiter optimiert. Die ein oder andere Schwelle wird bei jeder Planung übersehen. Hier hat man auf kurzem Weg auf Anregungen Betroffener reagiert.

Die Dachterrasse mit Blick über Feldkirch ist im Sommer Anziehungspunkt und mit einer Abendkarte hat die Gastronomie im Montforthaus ihre Öffnungszeiten Ende April 2018 erweitert. Was empfehlen Sie?
Am besten einfach zu kommen! Natürlich könnte ich Ihnen von den Highlights der Speisekarte erzählen. Das Besondere ist aber, im Restaurant zu sitzen und gleichzeitig einem Klavierkonzert im Atrium zu lauschen oder bei schönem Wetter auf der Dachterrasse zu sitzen.

Der Veranstaltungskalender des Kultur- und Kongresszentrums hat bis Ende Jahr noch einige Schmankerln zu bieten. Ihr persönliches Highlight?
Ein besonderes Highlight sind sicherlich die «Montforter Zwischentöne» im November. Eine Veranstaltungsreihe an der Schnittstelle zwischen Konzert und Dialog. Diesen Herbst dreht sich bei den Zwischentönen alles um die Stille. Herausfordernd bleibt, die Relevanz von Kultur und direktem Dialog in unserer durchrationalisierten und medialisierten Gesellschaft zu vermitteln. Kongresse kann ich nicht komplett ins Digitale verlagern. Der persönliche Austausch in einem physischen Raum ist um ein Vielfaches wertvoller. Und die Erfahrung eines erlebten Konzerts kann kein Youtube-Video vermitteln. Das Montforthaus will also auch in Zukunft das kulturelle Zentrum der Region sein. Das ist uns Passion und Auftrag zugleich.


Wo trifft man Edgar Eller «afterwork»? Oder verlaufen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fliessend?
Die Grenzen sind tatsächlich eher fliessend. Nicht nur, weil wir viele Anknüpfungspunkte unserer Arbeit in der Stadt haben, sondern weil die Arbeit für die Stadt in einem Masse sinnstiftend ist, dass es schlicht unsinnig wäre, hier am Abend einen Schalter umzulegen. (ge)

07. Okt 2018 / 00:00
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