• Udo Neyer Crimpers Feldkirch 02
    Udo Neyer in seinem Salon Crimpers in Feldkirch.  (Rudi Schachenhofer)

"Die Kinder sollen in Sicherheit und Würde aufwachsen"

Afrika ist Udo Neyers zweite Heimat, «Step by Step» sein Herzensprojekt. In Morogoro/Tansania haben der Frisör und seine Freunde ein Waisenheim aufgebaut.

In Ihrem Beruf als Frisör haben Sie in jungen Jahren die Welt bereist: Neuseeland, Australien, Afrika ...
Udo Neyer: Im Alter von 20 Jahren zog ich los, war sechs Jahre lang unterwegs. Haare wachsen überall und gute Frisöre braucht es allerorten. Meine Liebe zu Afrika hat in Kapstadt begonnen. Ab 1990 habe ich das ganze südliche Afrika bis hinauf nach Kenia bereist und in dieser Zeit viele kleine private Sozialprojekte kennengelernt. Die Menschen dahinter leisten tolle Arbeit, ich vertraute ihnen und wusste: Da kann ich  Geld geben, sie setzen es richtig ein und es kommt am richtigen Ort an. 

Ihr Herz gehört neben der Familie dem Projekt «Step by Step», 2014 gegründet mit dem Zweck «Bau und Betrieb eines Waisenheims». Wie kam es dazu? 
Zurück in Vorarlberg kam bei mir der Gedanke auf, in Afrika selbst etwas aufzubauen. Mit Hanno Breitfuss, den ich seit Langem kenne und mit dem ich den schwarzen Kontinent schon oft bereiste, entstand die Idee, gemeinsam etwas zu machen, etwas zurückzugeben von dem Leben mit all seinen Selbstverständlichkeiten und dem Luxus, das wir hier führen. Die Wahl fiel auf Tansania – es verkörpert Afrika, wie man es sich vorstellt: Serengeti, Tierreich, politisch stabil, ruhig. 2008 hörten wir von Moshi, einem Kilimandscharo-Guide, der damals Priester werden wollte. Er schaute dort auf 30 Waisen- und Strassenkinder, die in einer Art Schuppen hausten, und benötigte dringend Hilfe. Vor Ort verbrachten wir dann eine Woche mit ihm, arbeiteten zusammen, bauten gegenseitig Vertrauen auf. Mit Moshi realisierten wir somit unser erstes Projekt, kauften für circa 5000 Euro ein Grundstück und haben gemeinsam mit Einheimischen dazugebaut, Wasser und Strom folgten. Später kam ein pensionierter amerikanischer Arzt hinzu, der in das Projekt hineinwuchs. Wir sahen, dass es gut läuft und weiter gingen wir.

Mit «Step by Step» wagten Sie sich dann an ein grösseres Vorhaben heran. 
Wir wollten mehr Gutes tun, suchten uns einen neuen Platz und kamen schlussendlich, nach langen Reisen, auf Morogoro, mit dem Auto drei Stunden ausserhalb der Stadt Daressalam, mitten im Busch liegend. Durch den Beitritt zum Verein Soziales Hilfswerk Tansania in Vorarlberg, welches rege mit den Bene-
diktinern zusammenarbeitet, bekamen wir wichtige Kontakte nach Tansania wie auch die Spenden-
abzugsbefähigung. Das Projekt geplant und uns, neben vielen anderen, unterstützt hat Wolfgang Schmieder.

Im Mafiri-Village sollen elternlose Kinder, die von ihren Verwandten oder der Dorfgemeinschaft keine Unterstützung erwarten können, eine Heimat finden, in Würde und  Sicherheit erwachsen werden ...
Ja, das ist das Hauptziel. Jeweils acht bis zehn Mädchen und Jungen wachsen gemeinsam mit ihrer tansanischen Mafiri-Mutter, die ihre eigenen Kinder mitbringen kann, in einem Familienhaus in sicherer familärer Umgebung auf. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Mädchen und Frauen. Sie werden besonders gefördert, tragen sie in Tansania wie an vielen Orten in Afrika doch die Hauptlast der Gesellschaft und können dadurch auch viel bewirken. Wichtig ist uns, dass die Kinder von liebevollen Menschen umgeben sind, die sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Nach der Ernährung und medizinischen Betreung sind Wärme und Liebe für sie das Wichtigste.  

Soziales Engagement beginnt bzw. lernt man oft im Elternhaus. Wie war das bei Ihnen? 
Bei uns zu Hause schaute man schon immer auf ältere Leute, Oma, Opa, und hat denen geholfen, denen es nicht gut ging. Aus Afrika zurück,  wusste ich, was Armut wirklich heisst, in welch einem Paradies wir leben. Ich bin jemand, der hin- und nicht wegschaut.

Stammen die Gelder, die zusammenkommen, hauptsächlich von privaten Spendern?
Es begann mit der Privatinitiative, dem Kauf eines Grundstücks von circa 35 Hektar, von Hanno Breitfuss und mir selbst. Ich habe damals mein Motorrad verkauft, Hanno sein Auto. Und wir hatten Freunde, die uns vertrauten und zu unserem Projekt finanziell etwas beisteuern wollten. Bei der Finanzierung des Wasserprojekts bekamen wir Unterstützung vom Land Vorarlberg. Die Zusammenarbeit ist grossartig!  

Wie wird dafür gesorgt, dass das Geld am richtigen Ort ankommt? 
Unser Grundsatz war und ist: Wir zweigen für uns selbst keinen Euro ab, weder für Flug noch Reise etc.  Jeder, der bei uns mithilft, macht dies unentgeltlich. Wir haben 2016 eine tansaische NGO gegründet und vor Ort auch unsere Bank. Alles wird vom Verein soziales Hilfswerk Tansania, wo die Gelder hingehen, geprüft. Von dort werden diese an uns weitergeleitet, mit Kassabericht und allem drum und dran. Natürlich sind auch Einheimische involviert – ohne sie geht gar nichts. Allen voran Marcel, der Direktor unserer Organisation. Er leitet Mafiri-Village, erledigt Amtssachen und bewerkstelligt vieles Weitere.  

Wie hat sich das Projekt in den vergangenen Jahren entwickelt?  
Über die Zeit ist sehr viel passiert: Dem Grundstückskauf vor vier Jahren folgten der Aufbau der Infrastruktur und die Wasserversorgung mit Wasserturm und -pumpe. Drei Häuser, alle mit Photovoltaik-Strom  versorgt, sind,  inklusive Kanalisation, komplett – inklusive Küche, Bäder, Duschen – fertiggestellt. Wir haben in sehr hohem Standard gebaut, mit Lehmziegeln, die wir vor Ort selbst anfertigen. Auch eine riesige Farm mit Sonnenblumen- und Maisfeldern, Papayas, Bananen ist angelegt worden. Unsere Leute im Mafiri-Village sollen Arbeit bekommen, verkaufen und verdienen – sich ein Leben aufbauen können. Zurzeit planen wir eine Hühnerfarm, wo auch Einheimische arbeiten können.   

Und wann ist Einzugstermin?
Vor Kurzem sind die Häuser möbliert worden und wir sind jetzt bereit, in Betrieb zu gehen – unser nächster grosser Schritt, den wir sehr ernst nehmen wollen. Wir haben bisher keine Fehler gemacht und wollen auch jetzt keine machen. Zurzeit sind wir daran, die richtigen Mütter zu  auszuwählen, die dann vom Sozialamt geschult und auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Zur Freude aller werden demnächst die ersten Kinder in Mafiri-Village einziehen!

Bestimmt wird das für alle Beteiligten ein bewegender Moment sein ...
Ja, mit Sicherheit. Wir sind recht stolz auf das, was wir und alle, die uns unterstützen, bisher erreicht haben. Eine superschöne Geschichte, die weitergeht ...  (ge)

06. Okt 2019 / 00:00
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