•  (Daniel Schwendener)

Das aktuelle Reglement ist für mich der falsche Weg

Geri Heeb ist seit 35 Jahren Vollblut-Gugger. Er investiert pro Jahr 200 Stunden in sein Kostüm und hat bisher erst drei Auftritte verpasst.

Vor 35 Jahren haben Sie als knapp 20-jähriger junger Mann den Entschluss gefasst, den Eschner Tuarbagugern beizutreten. Wie wurde Ihre Leidenschaft entfacht? 
Geri Heeb: Mein Schwager ist nach dem zweiten Jahr der Gründung den Tuarbagugern beigetreten. Er war Feuer und Flamme und erzählte ständig vom Verein. Ich ging zu einer Probe und war sofort begeistert. Zu Beginn waren wir acht Personen und die Mitgliederanzahl stieg jährlich an. 

Was hat sich, ausser derAnzahl der Mitglieder, sonst noch verändert?
Die Musik und die Gugger-Kostüme. Jährlich wurden diese aufwendiger und spektakulärer. Ausser bei den Triesenbergern können alle Guggenmusiker in Liechtenstein ihre Kleider zumindest teilweise individuell gestalten. Den Mitgliedern wird frühzeitig das Motto ihrer Gruppe mitgeteilt und sie können dann die Kostüme professionell anfertigen lassen oder machen sich selbst ans Werk. 

Wie ist Ihre Vorgehensweise?
Seit einigen Jahren gehe ich zu einer Schneiderin und lasse bei ihr das Grundkleid nähen. Meine Devise ist: Alles was nicht unter eine Nähmaschine passt, mache ich selbst. Schuhe, Kopfschmuck, Verzierungen und die Dekoration gestalte ich selbst. Mir bereitet das grossen Spass. 

Wie viele Stunden investieren Sie in Ihr Gugger-Kostüm? 
Etwa 150 bis 200 Stunden. Ich investiere pro Kostüm zwischen 1500 und 2500 Franken. Die Utensilien suche ich im Baumarkt oder auf dem Flohmarkt. Mein schwerstes Kostüm wog bisher 25 Kilogramm. Heuer, muss ich zugeben, war ich ein wenig spät dran mit der Gestaltung. Ich habe erst vor zwei Monaten mit den Arbeiten begonnen, aber das Endprodukt kann sich sehen lassen. 

Seit vier Jahren spielen Sie nicht mehr bei den Tuarbagugern und haben zu den Schaaner Plunder-hüüslern gewechselt. Weshalb?
Um es kurz zu sagen: Es gab Meinungsverschiedenheiten, welche nicht behoben werden konnten. Im Herzen bin ich noch ein Tuarbaguger, aber ich musste einen Entscheid fassen. Bei den Schaanern fühle ich mich extrem wohl und gut aufgehoben. Wir sind eine tolle Truppe. 

Spielen Sie immer noch die Pauke?
Ja, der Pauke bin ich treu geblieben. Ich habe jedoch noch nie in meinem Leben eine Unterrichtsstunde besucht. Bei den Guggen-Proben bin ich reingerutscht und habe mir alles durch «learning by doing» angeeignet. Ich kann auch keine Noten lesen, deswegen lerne ich die Lieder auswendig. 

Sie haben einige Jahrzehnte Fasnachts-Erfahrung. Finden Sie, dass sich die fünfte Jahreszeit in Liechtenstein verändert hat?
Ich finde, es hat alles etwas nachgelassen. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren finden in Liechtenstein nur noch eine handvoll Masken- und Guggenbälle statt. 

Liegt die Fasnacht bzw. allgemein bei einem Guggenverein mitzuwirken, heute bei der jüngeren Generation noch im Trend?
Meiner Meinung nach ist dies nicht mehr der Fall. Früher gab es bei gewissen Guggenmusiken ein- bis zweijährige Wartelisten. Ich weiss von Vereinen, die dieses Jahr gar keinen Nachwuchs an Mitgliedern hatten. Es ist schwierig, die Jungen zu motivieren, um mitzumachen. 

Müssen sich die Vereine Sorgen machen?
Ich denke, wenn die Tendenz so bleibt wie sie jetzt ist, wird es in 15 Jahren nicht mehr so viele Guggenmusik-Vereine geben. 

Wie könnte man dem entgegenwirken? 
Ein Rezept oder eine konkrete Lösung kann ich jetzt spontan nicht präsentieren. 

Nun gibt es seit diesem Jahr in einigen Gemeinden ein neues Fasnachtsumzugs-Reglement, welches besagt: «Ab 2018 gibt es keine Aussenbeschallungen auf den Umzugswagen mehr. Gestattet ist eine Innenbeschallung der Barwagen mit maximal 93 Dezibel. Das Abspielen von Musik ist auf der Anfahrt und im Warteraum nicht gestattet, die Anlagen werden erst bei Umzugsbeginn eingeschaltet. Die musikalische Unterhaltung ist Aufgabe der Guggenmusiken.» Was ist Ihre Meinung dazu?
Was für mich als Guggenmusik-Spieler spürbar war, war die Lautstärke der Umzugswagen. Mich persönlich hat es nie gross gestört. Auch fällt mir auf, dass es immer mehr Wagenbauer mit grossen Musikboxen gibt. Dies scheint ein Trend zu sein. Das aktuelle Reglement ist für mich der falsche Weg. Die Aussenbeschallung der Umzugswagen gehört einfach dazu. Mein Vorschlag wäre, dass das Lautstärken-Maximum vorgegeben und mithilfe eines Dezibel-Messgeräts kontrolliert wird. 

Bleiben wir bei der Lautstärke. Wie geht es Ihrem Gehör nach 35 Jahren bei der Guggenmusik? 
Tadellos (lacht). Was ich spüre, ist das Alter. Nach einem Auftritt schmerzen einige Muskeln und Knochen. Teilweise bin ich mit der Gruppe zwölf Stunden auf den Beinen und habe neun Auftritte an einem Tag. Das spürt der Körper. 

Wie bringen Sie Familie, Beruf und Hobby unter ein Hut?
Ich bin sehr auf die Unterstützung meiner Familie angewiesen, die ich auch erhalte. Meine Frau ist 
ebenfalls eine Fasnachtsfanatikerin und ist in der Narrenzunft tätig. Ich habe sie, wie könnte es auch anders sein, an der Fasnacht kennengelernt. Auch mein Chef zeigt Verständnis und erlaubt mir, während der «Fasnachtshochsaison» Urlaub zu nehmen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Unterstützung erhalte. 

Wie wurde ihr 35-jähriges Guggen-Jubiläum gefeiert? 
Das war eine grossartige Aktion. Vor ein paar Wochen hat meine Frau für mich eine Überraschungsparty bei uns zu Hause in Ruggell organisiert. Ich war völlig ahnungslos. Es waren rund hundert Personen vor Ort und es wurde kräftig gefeiert. 

Wie lange wollen Sie der Guggenmusik noch treu bleiben?
Ich habe mir keine Limite gesetzt. Solange alles für mich stimmt, bin ich zu hundert Prozent dabei. (nb)

11. Feb 2018 / 00:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
Meistgelesen
14. November 2018 / 21:01
14. November 2018 / 17:19
14. November 2018 / 05:00
14. November 2018 / 22:02
14. November 2018 / 22:51
Aktuell
14. November 2018 / 22:51
14. November 2018 / 22:02
14. November 2018 / 21:01
14. November 2018 / 17:19
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Fussball 1. Runde UEFA-Qualifikation Rueckspiel FC Vaduz - FC Bala-Town
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für das Spiel gegen FC Rapperswil - Jona
02.10.2018
Facebook
Top