• Delicious strawberries
     (Eva-Katalin)

Die Frucht des «Bösen»

Die vielfältigen Lebensmittel in den Regalen der Detailhändler sind purer Luxus.

Kein Wunder wird in den sozialen Medien das Angebot von Erdbeeren im Winter stark angeprangert. Die Community entrüstet sich darüber, dass sie importiert werden und gleich viel kosten wie regionale Beeren im Sommer. «Kauft regional ein!», «Liebe …, wer braucht schon Erdbeeren im Winter?» oder «Ist das euer Ernst?» sind nur einige der Kommentare im Netz.

Die Erdbeere im Winter scheint die neue Frucht des «Bösen» zu sein und mutiert zum Symbol des Überflusses und der Umweltverschmutzung. Klar braucht man keine Erdbeeren im Winter. Kaum jemand geht im Februar in einen Laden mit dem Gedanken «Hey, heute kaufe ich mir Erdbeeren». Die Früchte werden im Handel prominent platziert, genüsslich präsentiert und zu einem reduzierten Preis angeboten. Da kann so mancher schwach werden und die künstliche Nachfrage ist geschaffen. 

Doch ist nicht die Erdbeere das grosse Übel. Der Durchschnittsschweizer isst laut Agrarbericht 2019 nämlich nur 2,4 Kilogramm Erdbeeren pro Jahr. Zum Vergleich: Pro-Kopf konsumiert die Schweizer Bevölkerung jährlich 17 Kilogramm Zitrusfrüchte und 11 Kilogramm Bananen. Also Nahrungsmittel, die das ganze Jahr über importiert werden. Kaum jemand prangert Kiwis, Mangos, Ananas, Granatäpfel und Avocados  – um nur einige Nahrungsmittel zu nennen – an, die importiert werden, weil sie in unseren Breitengraden gar nicht gedeihen. Diese sind immer vorhanden, wie Tomaten, die ebenfalls nur saisonal wachsen. Ist es deswegen weniger schlimm? Nein, es fällt nur nicht auf. 

Wie sähe unsere Ernährung im Winter ohne Importe aus? Sehr einseitig und wer weiss, ob wir dann überhaupt alle satt würden. Regional und saisonal mag gut und ökologisch sein und sollte gefördert werden, aber nicht in einen Wahn ausarten. Wer den Erdbeerverkauf anprangert, sollte einmal versuchen, allein mit regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln durch den Winter zu kommen. So mancher würde sich wundern, was da noch auf dem Teller übrig bleibt. (ms)

15. Feb 2020 / 21:41
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