• Sippin' On Sizzurp
    Wegen seiner Farbe hat das gefährliche Mischgetränk verschiedene Übernamen wie beispielsweise «Purple Drank».  (iStock)

Rausch mit Hustensaft liegt im Trend

Codeinhaltiger Hustensaft ist die Droge, die bei manchen Jugendlichen hoch im Kurs steht – so auch in Liechtenstein. Doch harmlos ist das Arzneimittel, das oft mit Sprite gemischt wird, keinesfalls. Deshalb wird es ab 2019 in Apotheken dokumentationspflichtig.
Vaduz. 

Der Wirkstoff Codein ist ein Opiat, das der Ottonormalverbraucher zur Linderung von Reizhusten und Schmerzen einnimmt. Wie beim Opioid-Missbrauch sind die eigentlichen Nebenwirkungen Grund für den Konsum:  Dopamin wird im sogenannten Suchtgedächtnis ausgeschüttet, was für starke Euphorie sorgt. Gleichzeitig findet auch eine Sedierung, also Beruhigung statt. 

In der Musikszene ist aus dem Arnzeistoff allerdings bereits in den 1960er-Jahren ein Rauschmittel geworden. Soul- und Blues-Musiker aus den USA haben mit Codein eine preisgünstige Partydroge erfunden, die in Kombination mit Süssgetränken –vorzüglich Sprite –, Sirup oder zerbröselten Bonbons seine Wirkung entfaltet. Heute ist es unter Namen wie «Purple Drank», «Syrup» oder «Texas Tea» weit verbreitet. In Liechtenstein wie auch in der Schweiz nennt sich der Mix auch «Maka», weil dafür meist der Hustensaft Makatussin verwendet wird. Charakteristisch ist die Lilafärbung sowie der durchdringend nach Medizin riechende Duft. Vor allem in Liedtexten von Rappern weltweit erhält das Rauschmittel eine breite Plattform. Das zieht an Jugendlichen nicht spurlos vorbei. Was ihre Vorbilder nahezu als Wundermittel und Problemlöser besingen, wollen auch sie erleben. Aus diesem Grund hat die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte Swissmedic die Liste für Medikamente neu angepasst. Auf den 1. Januar 2019 wird codeinhaltiger Hustensaft dokumentationspflichtig. Die Bestimmung gilt automatisch auch in Liechtenstein. 
Vermehrter Missbrauch bei Jugendlichen festgestellt 
Was die Dokumentationspflicht genau bedeuten wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht fest. «Laut Auskunft von Swissmedic ist der Inhalt der Dokumentationspflicht noch zu definieren. Es ist davon auszugehen, dass zumindest dokumentiert werden muss, an wen und an welchem Datum welches Präparat abgegeben wurde», lässt das Ministerium für Gesellschaft auf Anfrage wissen. Der Sinn und Zweck dieser Massnahme ist jedoch eindeutig: Der Missbrauch von Hustensaft mit Codein soll reduziert werden. «Die Höherstufung von codeinhaltigem Hustensaft samt Dokumentationspflicht bezweckt den sorgfältigen Umgang mit diesem Arzneimittel», bestätigt auch das Ministerium. 
Jedoch könne momentan noch keine Aussage darüber getroffen werden, inwieweit dadurch ein Missbrauch reduziert oder sogar verhindert werden kann. Fakt ist aber, dass das Problem auch vor Liechtenstein keinen Halt macht. «Es wurde bereits festgestellt, dass bei einzelnen vom Amt für Soziale Dienste betreuten abhängigen Personen die missbräuchliche Verwendung von codeinhaltigem Hustensaft eine Rolle gespielt hat», erklärt das Ministerium für Gesellschaft. Und betont zusätzlich, dass dies im Zusammenhang mit dem Missbrauch von anderen Substanzen einhergegangen sei. «Eine explizite Abhängigkeit von Hustensaft mit Codein ist hierzulande nicht bekannt», so das Ministerium. Allerdings konnte die Landespolizei in jüngster Vergangenheit vermehrt feststellen, dass Jugendliche codeinhaltigen Hustensaft missbräuchlich als Rauschmittel verwendeten.
Bei Überdosis droht Atemstillstand
In Liechtenstein wie auch in der Schweiz gab es bislang keine Todesfälle wegen dem Konsum von Purple Drank. Der Missbrauch von Hustensaft darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In so manchem europäischen Staat sind Jugendliche aber auch Erwachsene der Droge bereits zum Opfer gefallen. Codein greift das zentrale Nervensystem an, was zu einer zentralen Abflachung der Atmung führen kann. Normalerweise würde an dieser Stelle ein Schmerzreflex einsetzen, der die Atmung wieder stimuliert. Weil die Schmerzrezeptoren durch das Opiat aber belegt sind und beeinflusst werden, bleibt diese reflexartige Stimulation aus. Dadurch kann bei einer Überdosis ein Atemstillstand eintreten. Weitere Risiken sind Verstopfung, Karies, Harnprobleme und Gewichtszunahme. 
Hinzu kommt, dass jeder anders auf Opiate reagiert. Beispielsweise sind fünf Prozent aller Menschen sogenannte Fast-Metabolizer. Bei ihnen wird das Morphin, das die Leber aus dem Codein herausfiltert, schneller und intensiver freigesetzt. Bei diesen fünf Prozent kann es also viel schneller und bei einer geringeren Menge zu einem Atemstillstand kommen. Das Gegenteil davon gibt es auch. Diese Personen sind sogenannte Slow-Metabolizer. Sie reagieren kaum oder erst bei viel grösseren Mengen. Auch Hustensäfte mit Dextromethorphan sind nicht minder gefährlich.
Es gibt bereits prominente Opfer, die an Codein-Missbrauch gestorben sind. A$AP Yams, der Gründer des Hip-Hop-Kollektives A$AP Mob ist eines davon. Er starb 2015 mit gerade einmal 26 Jahren. Auch der Rapper Lil Wayne ist stark abhängig. Das hat er bereits 2008 in einem Interview offen zugegeben. Dennoch scheinen diese Fälle offenbar keine abschreckende Wirkung zu haben. In der Hip-Hop Szene angekommen ist die Partydroge Ende der 1990er und Anfang der 2000er-Jahre. Seither gilt sie als Inspirationsquelle für die Musiker und ist dementsprechend auch in ihren Liedtexten ein viel diskutiertes Thema. Waren es anfänglich amerikanische Rapper, die über Purple Drank gesungen haben, ist der Trend mittlerweile auch in der deutschsprachigen Rap- und Hip-Hop-Szene angekommen. Künstler wie Moneyboy, Bonez MC oder einer, der sich sogar Hustensaft Jüngling nennt, singen über die Wirkung von Codein und wie euphorisierend dieses wirkt. Vor allem der 21-jährige Hustensaft Jüngling, der mit bürgerlichem Namen Ole Finsterbusch heisst, erwähnt das Opiat regelmässig in seinen Liedern: «Ich brauch Codein, denn ich bin süchtig nach der gottverdammten Medizin» rappt er in seinem gleichnamigen Lied «Codein». (jka)

07. Dez 2018 / 07:14
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