• Drazen Domjanic
    Für Drazen Domjanic ist es hauptsächlich der emotionale Aspekt, weshalb er nicht auf die kroatische Staatsbürgerschaft verzichten kann.  (Daniel Schwendener)

«Ich bezeichne zwei Länder als Heimat»

Drazen Domjanic, Geschäftsführer des SOL, ist gebürtiger Kroate, lebt aber seit 31 Jahren in Liechtenstein – er hätte gerne beide Pässe.

Wie gut sind Sie in Liechtenstein integriert?

Drazen Domjanic: Dazu kann ich nur Folgendes sagen: Um meine Tätigkeiten in Liechtenstein ausüben zu können, musste ich mich zunächst mit der deutschen Sprache vertraut machen. Hier im Land habe ich meine Frau kennengelernt, unsere beiden Kinder sind hier geboren und ich habe sehr viele einheimische Freunde. Es macht mir Freude, ihnen vom wunderschönen Kroatien zu erzählen und sie sogar in den Sommermonaten gelegentlich dort zu treffen. Umgekehrt schwärme ich in Kroatien sehr viel von Liechtenstein – ein Land, dem ich vieles verdanke, insbesondere was mein Berufsleben betrifft. Vieles funktioniert hier einfach beeindruckend reibungslos. So war es mir möglich, meinen Teil zur Kulturbranche dieses Landes beizutragen und ihr teilweise auch jenseits der Grenzen zur Geltung zu verhelfen. Diese Chance habe ich nach bestem Wissen und Gewissen genutzt. Ob das nun gut integriert bedeutet, das mag der jeweilige Betrachter entscheiden.

Weshalb hätten Sie gerne zwei Pässe?

Es gibt hier zwei Aspekte, die ich anführen möchte. Zuerst den emotionalen: In Kroatien bin ich geboren. Unter elterlicher Liebe durfte ich die ersten 25 Jahre meines Lebens dort verbringen. Ein Grossteil meiner Verwandtschaft lebt in Kroatien und natürlich viele Freunde, die ich in den Sommerferien immer gerne besuche. Zudem habe ich dort eine ausgezeichnete Ausbildung genossen. In Liechtenstein hingegen konnte ich mich beruflich verwirklichen. Hier habe ich eine Familie gegründet und neue Freundschaften aufgebaut – ich lebe und arbeite hier. Liechtenstein ist mir zur neuen Heimat geworden. Ich bin überzeugt, dass man zwei Länder als Heimat betrachten kann.

Es gibt für Sie aber noch einen weiteren Grund, weshalb Sie gerne die Doppelstaatsbürgerschaft hätten.

Die Spuren meiner Familie lassen sich einige Jahrhunderte zurückverfolgen. Als Einzelkind bin ich nun der Letzte meiner Vorfahren dieser Linie, der einen kroatischen Pass besitzt. Meine Kinder haben schon im vergangenen Jahr den Einbürgerungstest bestanden und erwarten den liechtensteinischen Pass in diesen Wochen. Da momentan zwischen Liechtenstein und Kroatien keine Reziprozität besteht, müsste ich – ohne die doppelte Staatsbürgerschaft – alle im ­Besitz meiner Familie befindlichen Sachwerte an eine neugegründete Firma in Kroatien überschreiben. Für diese Sachwerte bezahle ich auch in Liechtenstein Steuern. Besässe ich also den Liechtensteiner Pass auf Kosten des kroatischen Passes, könnten sich diese Werte nicht mehr länger in privatem Eigentum befinden. Und damit bin ich wieder beim emotionalen Aspekt gelandet.

Welche Rechte und Pflichten oder Vor- und Nachteile kommen mit zwei Staatsbürgerschaften auf Sie zu?

Hier habe ich eine konkrete Sicht der Dinge. Seit ich in Liechtenstein lebe, habe ich an keinen Wahlen in Kroatien teilgenommen. Deshalb, weil ich der Meinung bin, dass lediglich die Menschen, die auch in Kroatien leben – und daher den Wahlausgang auch «zu spüren» bekommen – über ihre politischen Vertreter entscheiden sollten. Gleichzeitig hätte ich gerne die Möglichkeit, am politischen Leben in Liechtenstein zu partizipieren, als interessierter Bürger meine Stimme einzubringen. Und das nicht nur auf Gemeindeebene, sondern auch mit Blick auf die weitere Entwicklung dieses Landes.

Kritiker der Vorlage argumentieren oft damit, dass man mit zwei Pässen im Krisenfall das Land verlassen würde. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Das sehe ich anders. Es ist letztlich eine individuelle Charakterfrage. In Krisenzeiten gilt für mich Solidarität, nicht nur im eigenen Land. Da bin ich als Kosmopolit, der in fünf Ländern und drei Systemen (Kommunismus, Sozialismus und Kapitalismus) studiert und/oder gelebt hat, einiges gewöhnt.

Wie zufrieden sind Sie mit der Vorlage der Regierung, über welche am 30. August abgestimmt werden kann?

Seit Jahren verfolge ich die Diskussionen über dieses Thema und bin sehr glücklich, dass der Landtag bereits mit grosser Mehrheit für ein Ja gestimmt hat. Daraus schliesse ich, dass die Regierungsvorlage sehr gut ist. An den Wählerinnen und Wählern liegt es nun, den vielen gut integrierten Menschen und Familien durch ein Ja an der Urne zu einem liechtensteinischen Pass und damit zu einer weiteren, förderlichen Einbindung in das Land Liechtenstein zu verhelfen. Für alle Ja-Stimmen möchte ich mich bereits jetzt recht herzlich bedanken. (qus)

11. Aug 2020 / 22:00
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