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Wer in ist, strickt selbst

Zu Grossmutters Zeiten wurden Wollsocken noch im Akkord gestrickt. Heute ist das Stricken und Häkeln ein angesagtes Hobby für Trendsetter und Strickliebhaber.

Gestricktes liegt im Trend. Gerade jetzt, während der kalten Jahreszeiten, kuschelt man sich wieder gern in warme Wollpullover. Aber nicht nur Schals, Ponchos und Dreieckstücher sind derzeit angesagt, sondern auch das Stricken selbst.  Seit einigen Jahren greifen immer mehr Strickbegeisterte zu den Nadeln und schaffen aus bunten Wollknäueln trendige Stücke. «Vor allem junge Mütter kommen wieder vermehrt und wollen für ihre Kinder Mützen, Söckchen oder Jäckchen stricken», erzählt Stefanie Amann, Geschäftsführerin der Handarbeitstruhe in Schaan. 

Nicht nur das Stricken, auch das Häkeln begeistert – spätestens seit Thomas Jaenisch und Felix Rohland mit ihren selbstgehäkelten MyBoshi-Mützen 2009 einen echten Hype ausgelöst haben. Von heute auf morgen war die Handarbeit plötzlich angesagt. Jeder wollte eine der bunten Mützen haben. Die Bücher mit Häkelanleitungen sind wohl die meistverkauften Handarbeitsbücher überhaupt. Wer häkelte, war in – sogar unter den Jungs. «Ich habe gerade wieder eine grössere Bestellung aufgegeben», sagt Stefanie Amann. Besonders in den Schulen werden gern Boshi-Mützen gehäkelt, wie die Expertin weiss. «Die Kinder sind 

begeistert von den Farben. Die Mützen lassen sich einfach häkeln und man kommt schnell voran.» Aktuell liegen selbstgemachte Mützen mit Kopfhörern im Trend. Wer sich ein solches Paket bestellt, bekommt eine Strick- beziehungsweise Häkelanleitung samt Wolle, Nadeln und Kopfhörern geschickt. 

Unterschiede bei den Generationen
Während die Jungen das Häkeln für sich entdeckt haben, haben die älteren Generationen eher eine Vorliebe für das Stricken. «Es wird aber ganz klar mehr gestrickt als gehäkelt», sagt Stefanie Amann. Ob nun das eine oder andere bevorzugt wird, liege unter anderem auch daran, ob man das Handwerk überhaupt gelernt hat. «Ich gehöre zum Beispiel noch zu einer Generation, die in der Schule sowohl Stricken als auch Häkeln gelernt hat. Je nach Lehrer haben manche nur eines gelernt», erklärt die Geschäftsführerin. 

Wer mit dem Hobby anfangen möchte, dem empfiehlt sie, mit etwas Einfachem zu beginnen. «Ein Schal zum Beispiel, bei dem man lernt, rechte und linke Maschen zu stricken, ist ein guter Anfang. Dann kann man anfangen zu experimentieren.» Mittlerweile gibt es unzählige Bücher und Magazine mit Anleitungen. Auch im Internet ist allerhand zu finden und laufend kommt neues dazu. «Den Ideen sind praktisch keine Grenzen gesetzt», sagt Stefanie Amann. Zudem gibt es die Möglichkeit, Strickkurse zu besuchen oder sich von den Experten im Geschäft, wie zum Beispiel in der Handarbeitstruhe, beraten zu lassen.

Mittelalterlicher Trend
Über den Ursprung des Strickens ist kaum etwas bekannt. Angeblich wurden in Asien schon vor rund 4000 Jahren Socken gestrickt. Einige archäologische Funde von Strickwaren deuten darauf hin, das auch in der Antike gestrickt wurde. In Europa wurde das Stricken im 13. Jahrhundert bekannt. Vor allem in Italien und Spanien wurde fleissig gestrickt, während man von der Handarbeit nördlich der Alpen bislang kaum etwas gehört hatte. 

Vermutlich kam das Stricken durch italienische Händler und Kunsthandwerker in den Norden. Im 16. Jahrhundert hat sich die Handarbeit schliesslich etabliert. In Paris wurde sogar eine Gilde gegründet, die sich mit der Handarbeit und dem Verkauf der Strickwaren beschäftigte. Übrigens war das Stricken anfangs eine Beschäftigung für Männer. Erst später wurde es zur klassischen Frauenarbeit. 

Besonders beliebt waren damals schon warme Socken aus Wolle. Grossbritannien entwickelte sich schon bald zur Hochburg des Strickens. Dort wurde Wolle im grossen Stil verarbeitet und in ganz Europa geliefert. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war ein Grossteil der Socken, Strumpfhosen und Strümpfe handgestrickt. Später wurden auch Mützen, Handschuhe oder Tischdecken gestrickt. 

Im 18. Jahrhundert verdrängte die Mechanisierung im Textilgewerbe das Stricken als Einkommensquelle. Es wurde zur Freizeitbeschäftigung. Erst in der Not während der Weltkriege erlebte die Handarbeit wieder einen Aufschwung. Stricken im Akkord für die Soldaten an der Front war damals keine Seltenheit. Viele verdienten sich so etwas Geld dazu. 

Vom Beruf zum Hobby
Erst seit dem 19. Jahrhundert werden viele Kleidungstücke industriell gefertigt. Seit einigen Jahren ist es allerdings wieder Mode, das Stricken als Hobby zu betreiben. Und jene, welche die Kunst besonders gut beherrschen, erfinden immer wieder neue und kreative Stücke. Das macht das Stricken zu einer sehr vielseitigen Freizeitbeschäftigung. Jedes Jahr kommen neue Strickanleitungen auf den Markt. Auch die Auswahl der Wolle ist grösser, als noch vor einigen Jahrzehnten. «Es gibt wenige, die noch reine Schurwolle verarbeiten. Einige bestehen aber darauf», weiss Stefanie Amann. «Beliebt sind Mischgewebe oder Merinowolle. Wer es lieber leicht mag, greift zu Alpaka. Kaschmir- und Angorawolle sind sehr edel und weich.» (sms)

04. Nov 2017 / 22:13
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