•  (Keystone)

Wer hat’s erfunden?

Das Jassen ist im Herzen Europas ein beliebter Volkssport. Trotz seiner Beliebtheit ist nicht genau bekannt, woher das Kartenspiel kommt. Eines ist jedoch gewiss: Wegen seiner vielen Varianten ist es für Neulinge und Geübte immer eine Herausforderung.

Man sieht sie in den regionalen Beizen nur noch selten: die gemütliche Runde, die  an ihrem Stammtisch sitzt und den Nachmittag mit einem zünftigen Jass verbringt. Doch nach wie vor ist das Jassen ein beliebtes und weit verbreitetes Kartenspiel in der Schweiz, Liechtenstein und auch dem österreichischen Vorarlberg. «Eine Zeit lang hat das Interesse am Jassen schon nachgelassen. Aber in den letzten Jahren wird es wieder 
beliebter», sagt Peter Felix. Der Maienfelder kennt sich mit dem Jass bestens aus. Regelmässig gibt er Interessierten Kurse in der Stein Egerta oder für die Stiftung Pro Senectute. «Unerfahrene haben oft das Gefühl, dass sie das Spiel nach ein oder zwei Runden beherrschen. Aber tatsächlich dauert es schon ein paar Nachmittage, bis sie zumindest die Grundregeln und gängigsten Spielarten kennen», weiss der Spiele­experte. 

Teuflisches Kartenspiel
Mit Karten wird im Herzen Europas schon seit über 600 Jahren gespielt. Ihren Ursprung haben die Kartenspiele jedoch im Orient. Davor wurde hierzulande gern gewürfelt. Etwa im 13. Jahrhundert fanden die Spielkarten den Weg vom Osten in den Westen. Die ersten Karten hatten noch eine runde Form, wurden später aber von der handlicheren eckigen Form abgelöst.

Der erste Hinweis auf das Spielen mit Karten findet sich in einem Spielverbot in Bern aus dem Jahr 1367. Auch die Schaffhauser Obrigkeit sprach 1389 ein Verbot auf Kartenspiele aus. Anscheinend wohnten den Spielen Kräfte inne, die Leidenschaften weckten und damit zu hohen Einsätzen und Schlägereien führten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts versuchte die puritanische Geistlichkeit in Schaffhausen die «Spielsucht» auszutreiben. 

Das eigentliche Jassen dürfte jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Holland aus mit Söldnern «eingewandert» sein. Denn dort heisst der Trumpf «Jas» und auch das «Nell» findet sich in der niederländischen Sprache wieder. Wirklich belegt wurde das Jassen erstmals in der Schaffhauser Gemeinde Siblingen. Der Pfarrer Balthasar Peyer soll dereinst von seiner Kanzel herab gepredigt haben, dass «öfters ganze Nächte hindurch sowohl an Sonn- und Werktagen unaufhörlich gespielt» werde.

Der «Jassgraben»
Neben dem Alphorn und dem Schwingen gehört das Jassen praktisch zum Schweizer Kulturgut. Einen einheitlichen Ursprung für das Kartenspiel gibt es jedoch nicht, weshalb es wohl unzählige Arten des Spiels gibt und auch mit zwei unterschiedlichen Karten gespielt wird. «Während in der westlichen Schweiz, im Tessin und auch in Graubünden mit französischen Karten gespielt wird, spielt man in der Ostschweiz mit Deutschschweizer Karten», erklärt Peter Felix. Die Vorliebe für die unterschiedlichen Karten wird durch eine sogenannte «Jassgrenze» oder den «Jassgraben» bestimmt. Diese Grenze entstand zur Zeit des Königreichs Burgund im Westen und des Herzogtums Schwaben im Osten vor etwa 1000 Jahren (siehe Grafik links). Grund für dieses Phänomen war die Aare, die lange ein unüberwindbares Hindernis darstellte. So entwickelten sich die Gemeinden an den Ufern des Flusses unterschiedlich und – so wird vermutet – auch die Vorlieben für die Jasskarten.

Das älteste bekannte System ist das italienisch-spanische Deck mit den Symbolen Keule, Münze, Becher und Schwert. Später wurde das deutsche Deck mit Herz, Schelle, Blatt und Eichel entwickelt. Die Schweizer haben die Farben des deutschen Decks leicht abgeändert: Aus Herz wurde Rose und aus Blatt wurde Schild. Die französischen Karten sind das jüngste System mit Herz, Pik, Karo und Kreuz.

Vom Schieben und Stechen
Während die Auswahl der Karten sich noch in Grenzen hält, gibt es bei den Spielarten wesentlich mehr Möglichkeiten. «Die hierzu­lande gän­gigste Spielart ist der ‹Schie­ber›», sagt Peter Felix. Bei dieser Variante spielen vier Spieler in zwei Teams, wobei sich die Teams jeweils diagonal am Tisch gegenübersitzen. «Ziel ist es, möglichst viele Punkte zu machen.» Jeder Spieler erhält zu Beginn des Spiels neun Karten. In jeder Runde bestimmt einer den Trumpf. Die Trumpf-Karten stechen alle anderen Karten einer anderen Farbe, wobei der «Buur» oder «Under» und das «Nell» (die Neun) der Trumpf-Farbe die höchsten Spielwerte haben. «Die Spielvariante wird deshalb ‹Schieber› genannt, weil die Spieler die Möglichkeit haben, die Verantwortung zur Bestimmung des Trumpfes ihrem Mitspieler zuzuschieben», erklärt der Jassexperte. Das bestimmt der Spieler mit dem Wort «gschoba».

Neben dem «Schieber» gehört der «Differenzler» zu den gängigen Spielvarianten. «Das Spiel funktioniert im Prinzip genau gleich. Nur müssen die Spieler vor jeder Runde ansagen, wie viele Punkte sie machen werden.» Statt der Punkte zählt bei dieser Spielvariante die Differenz zwischen den angesagten und den tatsächlich erzielten Punkten.

Die Herausforderung beim Jassen besteht unter anderem im Zu­sam­menspiel mit seinem Teampartner. «Da der Partner nicht weiss, welche Karten man hat, versucht man, ihm mit der Wahl der ersten Karte einen Hinweis zu geben», sagt Peter Felix. Mancher eifrige Jasser versucht sogar seinem Gegenüber mit Klopfen oder versteckten Gesten Tipps zu geben. Vorherige Abmachungen oder übertriebene Hinweise sind unter den Jassern verpönt. 

Um ein guter Jasser zu werden, braucht es vor allem viel Übung und ein gutes Gedächtnis. Tatsächlich gibt es Jasser, die nach einer Runde noch genau sagen können, wann welche Karte gegangen ist. 

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15. Apr 2018 / 00:00
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