• Cat Box, Gams
    Beate Rhyner kümmert sich in der «Catbox» in Gams um das Wohl der Samtpfoten.  (Tatjana Schnalzger)

Wenn die Katze um Hilfe ruft

Unglückliche Stubentiger leiden oft lange, bis sich ihre Besitzer dazu durchringen können, sie abzugeben. Dann kümmert sich Beate Rhyner von der «Catbox» um sie.

Die «Catbox» in Gams ist eine Auffangstation für Katzen, die ein neues Zuhause suchen. Seit über 14 Jahren kümmert sich dort Beate Rhyner um die Stubentiger. «Ich bin spezialisiert auf sogenannte Verzichtskatzen», erklärt die Expertin. «Es ist ganz selten, dass sich jemand bei mir meldet, weil er seine Katze nicht mehr will. Fast immer werden sie abgegeben, weil sich die Lebensumstände der Besitzer beziehungsweise der Tiere ändern.» In den meisten Fällen ist das ein Umzug. Dann ist es entweder so, dass in der neuen Mietwohnung keine Tiere erlaubt sind oder dass die Katze in ihrem neuen Zuhause unglücklich ist. 

Damit es Herrn und Frau Samtpfote gut geht, unternehmen Katzenbesitzer so einiges. Es werden Kratzbäume zusammengeschraubt, leckeres Essen zubereitet und raschelndes Spielzeug gekauft. Doch trotz aller Bemühungen reicht das manchmal nicht aus. Die Katze fühlt sich nicht wohl, ist unglücklich oder hat sogar Depressionen. «Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein und hängen unter anderem vom Charakter des Tiers ab», weiss Beate Rhyner. Manche Fellnasen sind Einzelgänger und vertragen sich nicht mit anderen Katzen. Andere wiederum brauchen einen Spielgefährten. Einige Tiere sind sehr unabhängig, andere dagegen leiden sehr, wenn sie den ganzen Tag allein zu Hause sind. Wiederum andere reagieren eifersüchtig, wenn sich die Familienkonstellation ändert.  

Ungehörte Hilferufe

Wenn eine Samtpfote unglücklich ist, macht sich das in ihrem Verhalten bemerkbar. Je nachdem, welchen Charakter die Katze hat, wird sie sich entweder zurückziehen oder ihre Unzufriedenheit offen kundtun. «Für die Katzen ist das die einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen und zu zeigen, dass es ihnen nicht gut geht», erklärt Beate Rhyner. Doch gerade wenn sich die Tiere zurückziehen, bleibt eine Depression oft unbemerkt. Die Besitzer empfinden es mitunter sogar als angenehm, wenn der Stubentiger plötzlich mehr schläft und sein Spieltrieb nachlässt. «Ein solches Verhalten sollte auf keinen Fall ignoriert werden. Dem könnte nämlich auch eine Erkrankung zugrunde liegen», warnt die Katzenpflegerin und empfiehlt als erste Massnahme bei einem veränderten Verhalten der Katze, den Rat eines Tierarztes einzuholen.

Geht das Tier in die Offensive, kann es für die Besitzer ungemütlich werden. Mit lautem Miauen, Zerkratzen von Möbeln und Unsauberkeit versucht die unglückliche Katze, auf sich und ihre Lage aufmerksam zu machen. «Leider werden diese Hilferufe oft missverstanden. Andere hoffen darauf, dass sich das Problem von selbst löst und sich die Katze an die neuen Lebensumstände gewöhnt. Doch das ist selten der Fall.»

Katzen leiden oft über Jahre

Wichtig ist, dass die Ursache für die Depression erkannt wird. Doch viele Besitzer trauen sich nicht, sich Hilfe zu holen. «Sie schämen sich und haben das Gefühl, versagt zu haben. Das erlebe ich leider sehr oft», erzählt Beate Rhyner. In ganz extremen Fällen leiden die Katzen über Jahre, bis die Situation irgendwann auch für den Besitzer unerträglich wird und er endlich den Mut fasst, sich bei der Expertin zu melden. «Sie sind oft völlig aufgelöst und am Ende mit den Neven. Dann muss ich erst einmal dem Menschen helfen, bevor ich der Katze helfen kann», sagt die Expertin. 

Um einer unglücklichen Samtpfote zu helfen, braucht es oft nicht viel. Manchmal ist jedoch die einzige Möglichkeit, das Tier aus seiner Not zu retten, es wegzugeben. «Leider warten viele zu lange, bis sie ihre Katze abgeben», erklärt Beate Rhyner. «Sie versuchen, irgendwie eine Lösung für das Problem zu finden. Doch je länger sie warten, desto länger leidet das Tier. Es ist den Besitzern oft nicht bewusst, dass sich die Katze in einer für sie absolut unerträglichen Situation befindet.»

Je länger die Besitzer warten, desto schwieriger ist es auch für die Betreiberin der «Catbox», die Katze wieder zu resozialisieren beziehungsweise vom Stress zu befreien. «Wenn sie dann vermittelt werden können, findet sich jedoch manchmal kein Besitzer. Das ist eine gefährliche Situation. Denn wenn die Tiere zu lange warten müssen, fallen sie wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurück», erklärt die Katzenpflegerin. Die «Catbox» sei nur eine vorübergehende Lösung für die Samtpfoten, ein Reha-Center für Katzen. Auf Dauer fühlten sie sich jedoch auch dort nicht wohl. 

Sich zu entscheiden, seinen Stubentiger wegzugeben, ist nicht einfach. Doch darf nicht vergessen werden, dass es um das Wohl des Tieres geht. «Keine Katze wird es ihrem Besitzer zum Vorwurf machen, wenn er sie weggibt, weil es ihr schlecht geht», beruhigt Beate Rhyner. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause für ihre Schützlinge versucht sie zudem, stets die Wünsche der ehemaligen Besitzer zu berücksichtigen. sms

17. Dez 2017 / 00:00
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