•  (Daniel Schwendener)

Plastik – Fluch und Segen

Mit dem «Supersack» können Haushaltskunststoffe in Liechtenstein und der angrenzenden Ostschweiz in einem Sack gesammelt, zur Abgabestelle gebracht und verwertet werden. Manuel Elkuch, Geschäftsleiter der Elkuch Josef AG, und Projektmanager Björn Berchtel geben Auskunft über ihr im Frühjahr 2015 eingeführtes Produkt. Text: Raphaela Roth

Den Supersack gibt es nun seit rund zwei Jahren. Können Sie bereits eine Bilanz ziehen?
Björn Berchtel: Der Supersack ist auf jeden Fall ein Erfolg. Er wurde wesentlich besser angenommen als wir ursprünglich erwartet haben.

Und Sie, Herr Elkuch, sind Sie zufrieden mit diesem Erfolg?
Manuel Elkuch:
Ja sehr, die Leute haben uns regelrecht überfallen. Sie haben offenbar nach dieser simplen Lösung gesucht. Als wir begonnen haben, konnten wir in kürzester Zeit ein Vertriebs- und Rücknahmenetzwerk aufbauen. Über diese Kanäle ist auch jedes Jahr immer mehr gelaufen.

Wie viele Supersäcke wurden bisher verkauft?
Manuel Elkuch:
Bisher haben wir über 100 000 Supersäcke verkauft. 

Wie sind Sie zu der Idee eines Kunststoff-Sammelsackes gekommen?
Björn Berchtel:
Durch die «Entsorgi» bekommen wir viel Kunden-Feedback. Wir haben gemerkt, dass die Kunden immer umweltbewusster werden und eine Lösung fordern. Sie merken selbst, dass es immer mehr Kunststoffabfälle gibt, die volumenmässig den Hauptteil der Abfälle ausmachen. In Österreich und Deutschland gibt dieses System des Kunststoff-Sammelsackes schon lange – davon haben wir uns inspirieren lassen.

Kann viel Energie durch das zusätzliche Plastik-Recycling eingespart werden?
Manuel Elkuch:
Es kommt darauf an, was man unter Energie versteht. Ein gewisser Teil des Plastiks wird wiederverwertet. Diese Wiederverwertung spart die Produktion von neuem Kunststoff. Vielfach muss nicht jeder Kunststoff die höchste Qualität haben, Recycling-Kunststoff mit tieferer Qualität kann vielerorts genauso gut eingesetzt werden. Das spart Ressourcen, wie  zum Beispiel Erdöl.

Björn Berchtel: Fakt ist, dass primär Rohstoffe wie Erdöl eingespart werden. Wie Manuel bereits gesagt hat, kommt es darauf an, welche Qualität der Plastik hat. Die Kunststoffe aus dem Supersack werden sortiert und je nach Qualität einer Fraktion zugeteilt. Je nach Kunststofffraktion wird das Plastikprodukt eins zu eins wieder eingesetzt, also recycelt, oder für neue Plastikprodukte mit tieferer Qualität verwendet, also downcycelt. Falls Recycling oder Downcycling nicht möglich ist, wird der Plastik als Ersatzbrennstoff verwendet.

Wie sieht der Recycling-Vorgang genau aus?
Björn Berchtel: Die Leute bringen ihre Recycling-Ware hierher und wir bereiten den Plastik so auf, dass er transportfähig ist. Wir komprimieren den grossvolumigen Plastik, sodass möglichst viel auf den Lastwagen passt. Das ist kostengünstiger und umweltschonender.

Was geschieht dann mit dem Plastik?
Björn Berchtel:
Der Plastik wird dann in hochmoderne Sortieranlagen geführt, wo die verschiedenen Kunststofffraktionen voneinander getrennt werden. Dementsprechend werden dann die Kunststoffe, je nach Qualität und Sorte,  dem richtigen Recycling-Kreislauf zugefügt.

Welches System hat die Schweiz?
Manuel Elkuch:
Hierzulande und in der angrenzenden Ostschweiz ist der Supersack erhältlich. In der übrigen Schweiz gibt es bereits ähnliche Sacksysteme. 

Ist eine Einführung in der gesamten Schweiz unwahrscheinlich?
Manuel Elkuch
: In den verschiedenen Regionen der Schweiz haben sich unterschiedliche Systeme etabliert. Deshalb haben wir Anfragen, die nicht aus der Umgebung kommen, abgelehnt. Die Distanzen wären einfach zu gross. Es wäre beispielsweise alles andere als ökologisch, den Kunststoff aus Basel hierher zu verfrachten, um ihn dann anderswo wieder recyceln zu lassen.

Gibt es Fälle, bei denen Recycling, aufgrund dieser «grauen Energie» nicht sinnvoll ist?
Björn Berchtel:
Graue Energie ist schwer messbar. Sie entsteht nicht nur beim Recycling, zum Beispiel wenn der Plastik auf einem Lastwagen transportiert wird. Auch bei der Produktion von Rohöl, mit dem neuer Plastik gemacht wird, entsteht graue Energie durch die Herstellung, den Transport, die Lagerung und so weiter.

Manuel Elkuch: Es stellt sich die Frage: Was gibt es für eine Alternative zu Recycling? Man könnte den Kunststoff auch verbrennen. Ob der Weg auf dem Lastwagen in die Verbrennungsanlage oder in Recyclingcenter führt, spielt an sich keine Rolle – in beiden Fällen entsteht graue Energie durch den Lastwagentransport. Unter dem Strich macht das fast gar nichts aus.

Verbrennungsanlagen erzeugen zudem Strom und Fernwärme. Hat das nicht mehr Vorteile?
Manuel Elkuch:
Durch die Verbrennung wird zwar thermische Energie gewonnen. Beim Recycling und Downcycling hingegen macht das ganze noch einen «Loop». Der Plastik wird ein-, zweimal wiederverwendet und erst dann verbrannt. Bestes Beispiel ist der Supersack selber, der aus recyceltem Kunststoff besteht. 

Björn Berchtel: Einen weiteren Vorteil hat Recycling auf die Volkswirtschaft. Gerade der Supersack erzeugt regionale Wertschöpfung und schafft Arbeitsplätze im Land.

Weichmacher sind ein Problem bei Plastik. Gibt es Lösungsansätze?
Björn Berchtel:
Es ist der Konsument, der ein Zeichen setzen muss. Man sollte Nein zu dreifach in Plastik verpackten Lebensmittel und Plastiksäckchen an der Kasse sagen. 

Manuel Elkuch: Man darf nicht vergessen, dass wir seit eh und je Verpackungen aus Glas und Karton haben. Diese Materialien sind nicht einfach «ausgestorben». Wenn wieder vermehrt auf Glas und Karton gesetzt würde, wären die Probleme, die Plastik mit sich bringt, wie Weichmacher und vermüllte Meere, gelöst. Denn Plastik ist Fluch und Segen zugleich. 

Zum Thema

Das singt zumindest die Musikgruppe «Aqua» in ihrem Song «Barbie Girl». Plastik spielt in vielen Lebensbereichen eine zentrale Rolle – doch welche Folgen hat das? mehr...
09. Sep 2017 / 23:36
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