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«Life in plastic, it’s fantastic»

Das singt zumindest die Musikgruppe «Aqua» in ihrem Song «Barbie Girl». Plastik spielt in vielen Lebensbereichen eine zentrale Rolle – doch welche Folgen hat das?

Rund 700 Kilogramm beträgt die Menge an Abfall, die ein durchschnittlicher Mensch in Liechtenstein und der Schweiz jährlich produziert. Das ist in etwa das Gewicht einer normalen Milchkuh oder eines Kleinwagens. Hochgerechnet auf die Schweiz wurden im Jahr 2014 5 580 000 Tonnen Siedlungsabfälle produziert. Davon wurden 2,8 Millionen Tonnen verbrannt. Liechtenstein hat 2008 rund 6871 Tonnen in der Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs verbrennen lassen. Die anderen 3,2 Millionen Tonnen Abfall werden wiederverwertet. Vor allem Altpapier und Glas sind beim Recycling hoch im Kurs. Dennoch wandern durchschnittlich 1,2 Prozent Plastik in den normalen Kehricht – und  werden nicht recycelt. Auf den ersten Blick scheint es, als sei Plastikmüll – zumindest hierzulande – bestens in den Abfallkreislauf integriert. Und doch zeigen die Medien immer wieder schreckliche Bilder von verendeten Vögeln und Meerestieren, deren Mägen voll von Plastikteilchen sind.

 Ein Blick in Wälder oder auf Wiesen genügt, um zu wissen, dass auch hier in der Region Müll achtlos weggeworfen wird. Die Dunkelziffer von Plastik, der nicht korrekt verwertet oder entsorgt wird, muss demnach viel grösser sein als angenommen. Das hat schwerwiegende Folgen: Der Plastik reichert sich nicht nur in der Natur, sondern auch im menschlichen Körper an. 

Einfluss auf Hormonhaushalt
Es sind die Weichmacher, die sich in unserem Körper sammeln. Häufig werden in der Industrie sogenannte Phthalate eingesetzt, um Kunststoffe biegsam, dehnbar und geschmeidig zu machen. Sie treten aus den Plastikverpackungen aus und werden vom Nahrungsmittel aufgenommen. Durch den Verzehr werden die Weichmacher vom Organismus aufgenommen und im Körperfett gespeichert, wo sie nach neuesten Erkenntnissen eine hormonähnliche Wirkung haben. Laut einer Risikobewertung der EU-Kommission können Weichmacher Krebs auslösen, das Erbgut verändern oder Unfruchtbarkeit verursachen. Forscher vermuten, dass die hormonähnliche Wirkung bestimmter Phthalate Fettleibigkeit und Diabetes beim Menschen verursachen. Nicht nur in Nahrungsmittelverpackungen, sondern auch in Kosmetika, Textilien, Spielzeug oder Schuhen sind Weichmacher enthalten. Von A wie Autoreifen bis Z wie Zahnfüllungen gibt es kaum ein Kunststoffprodukt, das ohne Hilfsstoffe auskommt.

Plastik ist allgegenwärtig
Immer häufiger enthält das Futter von Nutztieren Plastikbestandteile. Landwirte mit den heutigen schweren Erntemaschinen haben keine Chance, beim Mähen der Wiesen solche Fremdkörper zu erkennen, sodass weggeworfene Plastikverpackungen in die Heuballen oder die Silage geraten. Das Futter wird dann zerkleinert und damit auch die Fremdkörper. Diese landen zerfetzt und absolut nicht mehr erkennbar im Viehfutter für die Tiere im Stall. Oftmals verenden die Tiere, weil sich ihr Bauchfell entzündet. Studien der WHO zeigen, dass Weichmacher bereits in Grund-, Regen- und Meerwasser vorkommen. Durch den Wind und die Flussläufe, wie beispielsweise den Rhein, der in die Nordsee  mündet, wird der Kunststoffmüll in die Meere getragen. Wäscht man beispielsweise einen Fleecepullover oder andere Kunstfasertextilien, verlieren diese bei jedem Waschgang rund 2000 Fasern. Diese sind so klein, dass weder das Sieb in der Waschmaschine noch Kläranlagen die kleinen Plastikfasern herausfiltern können. So gelangen diese ungehindert in den Wasserkreislauf.

Dasselbe gilt für kleine Plastik-Kügelchen, die in diversen Kosmetika wie Peelings, Zahncremes, Duschgels oder Kontaktlinsenreinigern enthalten sind, um den Reinigungseffekt zu verstärken. Auch sie werden durch das Abwasser dem Wasserkreislauf zugeführt. Schlussendlich blüht der Meeresfauna das gleiche Schicksal wie den Nutztieren: Ihre Körper sind belastet mit toxischen Stoffen. 

Konsument ist verantwortlich
Im Endeffekt kommt alles auf den Konsumenten zurück: Der Einkauf wird selbstverständlich in einer Plastiktasche nach Hause getragen, die sogleich im Abfall landet. Zu trinken gibt es verunreinigtes Wasser aus einer Plastikflasche, aus der Weichmacher austreten. Der mit Giften vollgepumpte Fisch oder das Steak, das einst zu einer Kuh mit Plastik im Magen gehörte, landet auf dem Teller. Serviert wird das Ganze mit einer Beilage, mehrfach verpackt in Plastik – und im Hintergrund läuft der Song «Barbie Girl» von  Aqua: «Life in plastic, it’s  fantastic». 

Was hier überspitzt dargestellt wird, ist leider pure Realität. Denn schlussendlich schliesst sich der Kreis wieder – der übermässige Verbrauch von Plastik der Wegwerfgesellschaft rächt sich und kommt auf den Verursacher zurück. Der Einzige, der diesen Kreislauf durchbrechen kann, ist der Konsument selbst.

Zum Thema

Mit dem «Supersack» können Haushaltskunststoffe in Liechtenstein und der angrenzenden Ostschweiz in einem Sack gesammelt, zur Abgabestelle gebracht und verwertet werden. Manuel Elkuch, Geschäftsleiter der Elkuch Josef AG, und Projektmanager Björn Berchtel geben Auskunft über ihr im Frühjahr 2015 eingeführtes Produkt. Text: Raphaela Roth mehr...
09. Sep 2017 / 23:34
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