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Der Esel ist ein schlauer Fuchs

Hell im Kopf, genügsam und hart im Nehmen – der Esel ist alles andere als dumm und stur. Er verfügt sogar über einige herausragende Qualitäten.

Der Esel ist schon ein erstaunliches Tier. Und eines, das oft unterschätzt wird. Im Volksmund wird dem Esel gern Dummheit und Sturheit unterstellt. Dabei ist er eine gutmütige und treue Seele und alles andere als dumm – im Gegenteil: Der Esel ist sogar ein ganz Schlauer.

Eigentlich ist der Esel ein Wüstentier und in Mitteleuropa ein Fremder. Um in einer kargen Gegend zu überleben, muss man schlau sein und zäh. Der Esel ist perfekt gebaut für ein Leben in der Wüste oder Steppe. Er lebt von krautigen Pflanzen, Steppengräsern und sogar verholzte Pflanzenteile bekommen ihm gut. Grünes Gras hingegen macht ihn eher fett und krank. Der Esel ist kein Wiederkäuer. Verholzte und ballaststoffreiche Nahrung verdaut er im Blinddarm, der bei ihm auf Schwerstarbeit spezialisiert ist. 

Wasser ist in Wüstengegenden rar. Der Esel hält daher lange Durstperioden gut aus. Im Gegenzug kann er dafür bei Gelegenheit grosse Mengen Wasser saufen, bis zu 30 Liter.

Ein sozialer Einzelgänger
Der Esel ist eigentlich ein Einzelgänger. Nur hin und wieder sucht er sich in freier Wildbahn ein paar Gleichgesinnte und bildet eine Herde. Trotzdem ist er ein sehr soziales Tier, das gern Kontakt mit anderen Tieren hat. Oft hat der Esel einen besten Freund, mit dem er viel Zeit verbringt. Wird er von seinem Freund getrennt, ist das Tier verunsichtert und angespannt. Dann ruft es laut nach seinem Gefährten. 

Dank seiner Stimme ist der Esel über Kilometer hinweg zu hören. Perfekt für ein Leben in der Einöde, wo die nächsten Artgenossen weit entfernt sind. Das laute, dem Esel eigenen «Iah» ist die komplexeste Art seiner Kommunikation und wird nur bei Begegnungen mit Feinden, bei der Trennung des Fohlens von der Mutter und in sexuell aktiven Zeiten ausgestossen. Dann können die Hengste allerdings zu echten Nervensägen werden. 

Ansonsten ist der Esel ein ruhiges Tier. Mit seinen Artgenossen kommuniziert er hauptsächlich durch Körpersprache. Dabei spielen auch der Sehsinn, der Geruchssinn und das Gehör eine grosse Rolle. Andere Esel werden mit einem hörbaren Schnüffeln begrüsst. Wenn er grunzt oder knurrt, ist er wütend. Alarmierte Tiere weisen ihre Artgenossen mit einem Schnauben auf Gefahr hin. 

Wer stehen bleibt, überlebt
Gefährlich ist es in der Wüste in der Tat. Daher ist Vorsicht gefragt. Doch der Esel weiss, wie er sich zu verhalten hat: Droht Gefahr, bleibt er stehen. Was der Mensch als Dummheit und stures Verhalten auffasst, ist ein wichtiger Überlebensinstinkt. Denn der Wüstenbewohner weiss: Wer in der Wüste davonrennt, kann sich auf dem Sand und Geröll leicht verletzen. Wer sich ein Bein bricht, riskiert einen elendigen Tod. Zudem gilt es, in der Hitze jede unnötige Verausgabung zu vermeiden. Stehenzubleiben ist nicht nur klug, um die Lage zu sondieren. Der Esel weiss nämlich, dass Greiftiere in den flimmernden Brauntönen der Wüste nur wahrnehmen, was sich bewegt. Wer stehen bleibt, ist unsichbar für den Feind. Daran hält sich der schlaue Vierbeiner noch heute. 

Auch vor Fliessgewässern – und mögen diese noch so kleine Rinnsale sein – hält der Esel an. Weniger aus Angst, als vielmehr aus Verwunderung. Denn da wo er herkommt, gibt es keine fliessenden Gewässer. Schlaue Begleiter bauen dem Tier in einem solchen Fall eine kleine Eselsbrücke, damit er trockenen Hufes die andere Seite erreichen kann. 

Ein vielseitiges Nutztier
Der Esel ist ein treuer und gutmütiger Gefährte. Gegenüber seinen Vertrauten verhält er sich absolut loyal. Seit Jahrtausenden trägt er, was ihm seine Besitzer auf den Rücken laden. Zuverlässig und sicher bringt er seine Last ans Ziel – auch ohne Begleitung. Denn das schlaue Tier merkt sich sogar komplexe Routen.  Auch auf dem Feld war er früher eine wertvolle Arbeitskraft. 

Seit der Mechanisierung der Landwirtschaft ist das fleissige Tier jedoch immer seltener auf den Bauernhöfen anzutreffen. Dafür wird er mit seinen vielseitigen Fähigkeiten andernorts eingesetzt. So kommt der Esel heute gern als trittsicherer Katastrophenhelfer in Erdbebengebieten zum Einsatz. Als geselliger und zugleich wachsamer Zeitgenosse ist er ein verlässlicher Schafhirte. Da das freundliche Tier eine grosse Ruhe ausstrahlt, die sich auch auf den Menschen überträgt, kommt der liebenswerte und verschmuste Esel sogar als «Psycho-
therapeut» zum Einsatz. Und das ist nun bestimmt keine Aufgabe für Dumme. (sms)

 

Grosses Eselfest in Malbun

Wer die schlauen Tiere einmal aus der Nähe kennenlernen möchte, hat am 4. August in Malbun die Gelegenheit dazu. Dann findet nämlich das Eselfest statt – inklusive Eselrennen, Esel-Parcours und jede Menge Spiel und Spass. Weitere Infos unter www.eselfest.li.

15. Jul 2018 / 00:00
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