• Annemiek Gstöhl
    "Alte Häuser haben ihren besonderen Charme", ist Annemiek Gstöhl überzeugt.  (Daniel Schwendener)

"Nette, offene Menschen bereichern mein Leben "

Mit 25 macht sich die Niederländerin Annemiek Gstöhl auf, um mehr von der Welt zu sehen – und begegnet ihrer grossen Liebe. Heute lebt die Interior Designerin mit ihrer Familie in Eschen.

Einrichten ist ihre Leidenschaft, ihr Hobby, ihr Beruf. Entsprechend bietet sich das dreistöckige «House of Allure» in Vaduz mit seiner Fülle an Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Wohnaccesoires als idealer Ort für das Fotoshooting mit Annemiek Gstöhl an, das anschliessende Interview wird durch die Atmosphäre rund um den modernen Landhausstil zur gemütlichen Plauderstunde. «Auch den Männern, die zu uns kommen, gefällt der Stil», bemerkt die 49-jährige Geschäftsführerin.

Da musste noch mehr sein

Dass Liechtenstein einmal ihr Zuhause sein würde, hätte die Niederländerin nicht im Traum gedacht. Ausgebildet in Facility Management, ergänzt durch diverse Fachhochschullehrgänge, war sie unter anderem im Bereich Personalvermittlung sowie in der Messe- und Eventorganisation tätig. Als 25-Jährige leitete sie die Hauswirtschaftsabteilung eines Krankenhauses in Enschede. «Ich hatte dort einen guten Job, war für 25 Mitarbeiter zuständig. Doch da war das Gefühl, noch ein wenig mehr von der Welt sehen zu müssen.» So kündigte Annemiek Gstöhl Job und Wohnung, um für ein Jahr zu reisen.

Zu Beginn stand ein Besuch bei einer Freundin in Liechtenstein auf dem Plan. «In Holland meinten sie bei meiner Abreise scherzhaft, dass ich dort sicher jemanden kennenlernen und ‹hängenbleiben› würde», erinnert sie sich lachend zurück.

Die Prophezeiung sollte wahr werden: Die Niederländerin begegnete gleich ihrer grossen Liebe Jürgen. «Ich bin dann aber trotzdem weitergereist, verdiente meinen Lebensunterhalt mit Jobs im Gastgewerbe, als Au-pair und Haushaltshilfe.» Und wieder spielte das Schicksal eine Karte aus: Sie lebte einige Monate in Kanada und just während dieser Zeit hatte ihr Herzblatt eine längere Amerikareise mit Kollegen gebucht. «So trafen wir uns dort immer wieder. Am Ende sagte Jürgen: ‹Komm doch mit nach Liechtenstein.›» Sie tat es und blieb. 1998 läuteten die Hochzeitsglocken.

Angekommen

Heimweh hatte Annemiek Gstöhl nie, doch zu Anfang waren ihr gewisse liechtensteinische Gepflogenheiten fremd: «Ich erinnere mich noch gut, dass ich es eigenartig fand, dass niemand zu Besuch kommt. Jürgen sagte mir dann, ich müsse halt was ‹abmachen›. Fremd war mir auch, dass man abends um 22 Uhr nicht mehr telefoniert. In Holland denkt man darüber nicht nach.» Nach weiteren länderbezogenen Unterschieden gefragt, meint sie lachend: «Die Holländer, ob Frauen oder Männer, sind grösser!» Auch nach 22 Jahren findet es Annemiek Gstöhl noch immer «herrlich hier. Die Berge – wie in den Ferien! Ich bin dankbar, in einem so schönen Land leben zu dürfen.»

Durch ihren Beruf als Einrichtungsberaterin kommt sie in viele Häuser. «Überall treffe ich hier auf nette und offene Menschen.» In Sachen Wohnen hielten die Liechtensteiner eher länger am Gleichen fest, nach dem Motto «ist ja noch gut». «Man muss sie eher ein wenig heranführen. In Holland gehört das Einrichten zum Lifestyle. Meine Schwester z. B. malt mindestens ein- bis zweimal im Jahr irgendwo irgendwas. Gerade die jüngeren Leuten sind modern eingerichtet, experimentierfreudig.» Die Expertin rund ums Wohnen liebt klassische alte Häuser mit Stuckprofilen. «Sie haben ihren besonderen Charme, strahlen Wärme aus. Hier wird heute leider das meiste abgerissen, nüchtern, modern gebaut. Das bedaure ich sehr.»

Familie und gemütliche Abende 

Im niederländischen Hengelo geboren, mit zwei jüngeren Schwestern aufgewachsen, war ihre Kinder- und Jugendzeit «schön, ganz normal». Die Mutter war grösstenteils zu Hause, ihr Vater als Ergotherapeut im Spital tätig, studierte im späteren Alter noch Philosophie. «Ich habe viele interessante Gespräche mit ihm geführt. Am 31. Dezember letzten Jahres verstarb er leider unerwartet mit 78. Er hat einfach aufgehört zu leben. Es hat sehr geschmerzt.» Zwei Tage später starb ihr Schwager im Alter von erst 46 Jahren. «Es war eine betrübte Zeit, doch die Familien standen zusammen.» Ihre alte Heimat besucht sie mehrmals pro Jahr, die Herbstferien verbringen Annemiek und Jürgen Gstöhl mit ihren drei Kindern Anouk (18), Joris (12) und Anne-Fleur (9) jeweils in Südfrankreich. Sie lebe ziemlich unspektakulär, meint sie lachend. «Ich habe die Familie, im Geschäft bin ich den ganzen Tag am reden und so am Abend gerne einfach zu Hause. Ein Spaziergang oder mit Freunden gemütlich zusammensitzen, ein Glas Wein trinken, was Feines essen, das mag ich.» 

Locker – aber mit Plan

Nach 13 lehrreichen, interessanten Jahre bei der Gstöhl AG – 2010 schloss sie die Ausbildung zur Interior Designerin ab – machte sie sich 2011 selbstständig, führt seit April 2016 das «House of Allure». Ehemann Jürgen mit seinem «Atelier Allure» ist für Maler- und Gipserarbeiten zuständig. «Zusammen sind wir ein Dreamteam, zufrieden und glücklich mit unserem Leben, unseren tollen Kindern, haben super Mitarbeiter und viele interessante Projekte.»

Messebesuche in Frankfurt oder Paris bedeuten zwar Arbeit, sind für Annemiek Gstöhl aber auch Highlights. «Die ganze Welt ist da, man ist umgeben von schönen Dingen – toll!» Vom Typ her locker, ist sie gleichwohl auch geplant, mag keinen Stress – auch nicht am Morgen. «Ich stehe früh auf, mache brav meine Yogaübungen, dann die Betten, richte das Haus schön her, dann erst gehe ich.»  Montag und Dienstag ist das «House of Allure» geschlossen, am Mittwochnachmittag arbeitet sie von zu Hause aus, wo bei ausserordentlichen Terminen ihr Mann einspringt. Wenn sie abends zwischendurch Bestellungen fürs Geschäft erledigt, «fühlt sich das nicht nach Arbeit an – mir macht das alles Freude!» Im März wird die unkomplizierte Frau aus den Niederlanden 50. «Nee, da habe ich keine Mühe», lacht sie. Und ist sich sicher, auch mit 60 nicht mit dem Einrichten aufzuhören ...  (ge)

04. Feb 2018 / 08:25
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