• Sabine Gerster
    Liewo Portrait von Sabine Gerster, Sweet Heaven, Bild aufgenommen in Triesen am 29.08.2017 FOTO©RIGHT: DANIEL SCHWENDENER  (Daniel Schwendener)

Eine Perfektionistin, die manchmal mit dem Kopf durch die Wand will

Einige Umwege führten Sabine Gerster in den «süssen Himmel». Aber nicht nur Cupcakes und Torten sind das, wofür die 25-jährige Zuckerbäckerin im «Sweet Heaven» schwärmt.

Sabine Gerster macht sich keine Gedanken darüber, was andere von ihr denken: «Ich bin halt ein Mensch, der nie ein Blatt vor den Mund nimmt und sagt, was er denkt», erklärt die Triesnerin. Dass sie durch ihre offene Art oft aneckt, weiss sie. Vor allem, wenn sie mal wieder mit dem Kopf durch die Wand will: «Was öfters vorkommt», fügt die 25-Jährige schmunzelnd hinzu. Eine junge Frau, die trotz einiger Umwege heute dort angekommen ist, wovon sie immer geträumt hat: In ihrer eigenen Zuckerbäckerei mit integriertem Café namens «Sweet Heaven». Rückblickend würde Sabine Gerster nichts anders machen, denn sie ist überzeugt: «Alles im Leben hat seinen Sinn und es lohnt sich für seine Träume zu kämpfen – egal, was andere sagen und was sie davon halten.» 

Spritze gegen Schwingbesen
Sabine Gerster ist gelernte medizinische Praxisassistentin. Nachdem sie aber lange Zeit keine Stelle fand, wollte sie weder rasten noch ruhen, sondern «einfach in der Spur bleiben», erklärt sie. Deshalb legte sie die Spritze zur Seite und begann als Verkäuferin in einem Modegeschäft zu arbeiten. «Ich war damals ziemlich planlos unterwegs», gesteht sie. Sie fing in ihrer Freizeit wieder an, ihrem Hobby aus Kindertagen zu frönen, griff vermehrt zum Schwingbesen, rührte fleissig in ihren Schüsseln und liess ihrer Kreativität freien Lauf. «Als ich mit 18 Jahren einen Geburtstagskuchen als Männerkörper getarnt bekam, wusste ich, dass ich das irgendwann auch einmal ausprobieren will.» Zu jener Zeit war es aber keine Motivtorte, sondern die zweistöckige, pinke Torte für eine Kollegin ihres Vaters, die den Stein wohl ins Rollen brachte. Sie sah nicht nur toll aus, sondern schmeckte auch fein, und auch die Cupcakes, die sie für Freunde und Bekannte anfing zu 
backen, fanden so grossen Anklang, dass sie vermehrt angefragt wurde. «Als man mir dafür etwas geben wollte, winkte ich ab, da ich es einfach gerne tat», erzählt sie. Je länger sie aber darüber nachdachte, desto mehr wurde aus einer «Schnapsidee» ernst. 

Sie machte die Gastroprüfung, der Keller ihres Elternhauses wurde zunächst zur Backstube umgebaut, bevor sie ein halbes Jahr später ihren Eltern ihren grossen Traum einer eigenen Zuckerbäckerei eröffnete: «Sie haben lange überlegt, denn dort, wo heute das ‹Sweet Heaven› ist, war früher das ‹Blue Sun›. Ein öffentliches Solarium, das von den beiden 25 Jahre lang betrieben wurde.» Sabines Traum wurde mit der Eröffnung von «Sweet Heaven» im April 2016 wahr. «Für den Namen wollte ich immer etwas Englisches», sagt die Triesnerin. Als sie eines Abends mit Kollegen zusammensass und diese erklärten, ihre Backsachen seien so süss und man fühle sie sich bei ihr wie im Himmel, war klar, dass sie die Zuckerbäckerei «Sweet Heaven» nennen wird. 

Eine Zuckerbombe schlägt ein
Süss scheint auch Sabine Gerster zu sein. «Ja, ich bin eine Naschkatze, obwohl man mir das nicht ansieht», sagt sie. Aber eine, die durchaus auch ihre wilde Seite hat. Diese zeigt sich nicht nur durch ihre Tätowierungen, wovon sie übrigens gerne noch mehr hätte, sondern auch durch ihre Liebe zu getunten Autos: «Mein Verlobter und ich fahren total darauf ab», verrät sie. Onur, mit dem sie seit sechs Jahren liiert und seit zweieinhalb Jahren verlobt ist, sei gelernter Automechaniker und aktuell mit einer Restauration beschäftigt. Autotreffen zu besuchen, sei ihr gemeinsames Hobby. «Ausserdem ist er ein Comicfan von Marvel und ich mag den Vintage-Stil.» Und da sie eine Perfektionistin ist, die ziemlich nervig und kleinlich sein kann, werde sie ihre Hochzeitstorte im August nächstes Jahr selbst kreieren, fügt sie schmunzelnd hinzu. 

Den Vintage-Stil, der durch das Klassische und Altmodische besticht, hat Sabine Gerster auch in die Räumlichkeiten des «Sweet Heaven» einfliessen lassen. Bei der Einrichtung und Dekoration hat ihr ihre Mutter geholfen, die absolut ein Händchen für diese Dinge habe, schwärmt sie. Die Wände sind mit Blumenmustern verziert, die Polstermöbel mit passenden Farben überzogen und die Regale mit hübschen Dekorationen, die allesamt käuflich sind, versehen. Dass der Schritt in die Selbstständigkeit nicht einfach ist, ist sich Sabine Gerster auch heute noch bewusst. «Ich bin eingeschlagen wie eine Zuckerbombe und die Aufträge, die ich insbesondere durch Mund-zu-Mund-Propaganda und über meine Facebookseite erhalte, bestätigen mir, auf dem richtigen Weg zu sein», erklärt sie glücklich. 

Qualität hat ihren Preis
In ihre Cupcakes und Torten investiert sie im Durchschnitt zwischen drei und 17 Stunden. Am Aufwendigsten war bisher eine vierstöckige Geburtstagstorte, die mit 220 Hortensien dekoriert war. Die coolste Kreation eine Drachentorte und die am häufigsten bestellten sind Einhornmotivtorten. Handwerkskunst, Kreativität, Geduld, aber auch Perfektion sind Dinge, auf die sie besonderen Wert legt. «Was viele unterschätzen, ist, dass ich nicht wie am Fliessband in einer Grossbäckerei produziere, sondern jede Blume oder Figur von Hand forme.» Jeder Auftrag werde somit zu einem Unikat und habe deshalb auch seinen Preis. «Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht», erklärt sie stolz. Tipps holt sie sich übers Internet, aber auch von anderen Zuckerbäckerinnen. «Da ich aber äusserst selbstkritisch bin, will ich mich immer noch mehr toppen», gibt sie zu. Eine Illusion, die sie hat und auf die sie hinarbeitet, ist eine Torte mit perfekt geformten Tieren: «Eine, die so aussieht, als würden die Tiere, die darauf sitzen, auch wirklich leben», verrät sie. 

 

09. Sep 2017 / 23:26
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