•  (Tatjana Schnalzger)

Das Schreiben ist meine grosse Leidenschaft

Historische Romane haben Doris Röckle schon immer gefesselt. Mittlerweile ist die gebürtige Schweizerin selbst Autorin und schreibt Geschichten um die Burgen in der Region.

Seit sie lesen kann, verschlingt Doris Röckle ein Buch nach dem anderen. «Dabei hat es bei uns Zuhause eigentlich keine Bücher gegeben», erinnert sie sich zurück. Wann oder wie genau sie ihre Liebe für das geschriebene Wort entdeckte, kann sie nicht sagen. Doch bereits als junges Mädchen ging sie jede Woche in die Bibliothek und deckte sich dort mit neuem Lesestoff ein. «Damals durfte man nur drei Bücher mitnehmen und man konnte auch erst nach einer Woche wieder neue holen. Ich habe immer furchtbar gelitten, weil ich die Bücher schon viel früher fertig gelesen hatte und noch so lange warten musste, bis ich endlich wieder neue holen durfte», erzählt die gebürtige Buchserin und lacht. 

In der Landesbibliothek ist Doris Röckle noch heute oft. Dort deckt sie sich nicht mehr nur mit neuem Lesestoff ein, sondern recherchiert auch für ihre eigenen Bücher. Seit rund zehn Jahren schreibt die 54-Jährige nämlich selbst. Dazu habe ihr Mann sie unabsichtlich gebracht. «Es war  Wochenende und ich habe wieder einmal gejammert, dass ich nichts zu lesen habe. Mein Mann meinte daraufhin im Scherz: ‹Dann musst du halt selbst schreiben.›» Dieser Gedanke liess sie nicht mehr los. Schliesslich fasste sie den Entschluss, es einmal mit dem Schreiben zu versuchen. 

Ihr Ausgleich zum Alltag
Heute ist das Schreiben ein willkommener Ausgleich für Doris Röckle. Beruflich ist sie als Medizinische Praxisassistentin tätig. Als solche hat sie einen hektischen Alltag. Sie nimmt die Patienten auf, misst den Blutdruck, legt Verbände an und hört sich die Sorgen und Nöte der Menschen an. Zuhause, beim Schreiben, taucht sie in eine andere Welt und eine andere Zeit ein, ins Mittelalter, wo die Menschen und der Alltag ruhiger waren. «Das Schreiben ist meine grosse Leidenschaft», gesteht sie. Ihren Beruf dafür aufzugeben, könne sie sich jedoch nicht wirklich vorstellen. «Das Schreiben ist schon etwas Einsames. Man ist allein in einem geschlossenen Raum. Ich glaube, da würde mir mit der Zeit der Input fehlen», erklärt sie. Denn es sind auch die Menschen in der Praxis, welche die Autorin inspirieren. «Ich bin schon ein recht feinfühliger Mensch und gewisse Sachen bleiben mir im Gedächtnis, ein Gesichtsausdruck oder eine Handbewegung zum Beispiel.»

Ihre Geschichten entwickeln ein Eigenleben
Die Geschichten der 54-Jährigen drehen sich immer um eine Burg aus der Region. Dabei legt sie besonders Wert darauf, dass der historische Hintergrund stimmt. «Bevor ich anfange zu schreiben, suche ich mir eine Burg aus und recherchiere erst einmal», erklärt sie. Etwa ein halbes Jahr verbringt sie damit, sich über die Geschichte um die Burg zu informieren. Dabei wälzt sie auch ganz alte Schriften in der Landesbibliothek oder dem Landesarchiv. «Das macht mir grossen Spass und dabei erfährt man so viele interessante Dinge. Zum Beispiel habe ich nicht gewusst, dass das Gebiet hinter Grabs einmal ein Sumpfgebiet war.»

Etwa ein halbes Jahr ist Doris Röckle mit ihren Recherchen beschäftigt, bis Stück für Stück die Geschichte in ihrem Kopf Gestalt annimmt. «Irgendwann macht es Klick und ich weiss, um welche Person sich die Geschichte dreht und wie sie beginnt. Dann fange ich an zu schreiben», sagt sie. Obwohl die Autorin die Handlung ihres Buches bereits im Kopf hat, sei das Schreiben trotzdem eine Herausforderung, wie sie erklärt. «Die Geschichte kommt einfach aus mir heraus. Manchmal verselbstständigt sie sich förmlich und dann geht auf einmal alles ganz schnell, sodass ich Mühe habe, mit dem Schreiben nachzukommen. Oft nimmt die Geschichte auch eine ganz andere Wendung, als ich es eigentlich im Kopf hatte.» Letzteres sei beim Überarbeiten des Buches ebenfalls immer wieder eine Herausforderung. Denn je öfter Doris Röckle ihr Werk überarbeitet, desto mehr neue Seiten kommen dazu. «Ich muss mich irgendwann selbst einbremsen und darauf achten, dass die Geschichte am Ende noch stimmt.»

Ihr grösster Fan liest nicht gern
Etwa zwei Jahre arbeitet die gebürtige Schweizerin an einem Buch. Zwei ihrer Werke hat sie bereits veröffentlicht. «Die erste Geschichte dreht sich um die Burg Hohensax. Die zweite handelt von den Burgen Sargans und Vaduz», erzählt sie. Letzteres ist erst Anfang Dezember erschienen und am 20. Dezember wird sie es in der Landesbibliothek in Vaduz präsentieren. Bei diesem hatte sogar ihr Mann das letzte Wort. «Ich hatte es schon so oft überarbeitet. Ein weiteres Mal wollte ich nicht mehr.» Er, der eigentlich alles andere als ein Bücherwurm ist, hat das Manuskript – bevor es in Druck ging – schliesslich gelesen. «Mein Mann hat es regelrecht verschlungen», freut sie sich.

Derzeit überarbeitet Doris Röckle ihr eigentliches Erstlingswerk. Die Geschichte spielt auf dem Werdenberger Schloss und soll nächstes Jahr rauskommen. «Der erste Verlag, der die Rechte für das Buch erstanden hatte, hat es leider nie gedruckt. Jetzt, da ich die Rechte wieder zurückhabe und bei einem neuen Verlag bin, will ich natürlich mein erstes Buch endlich veröffentlichen.» (sms)

09. Dez 2017 / 21:25
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