•  (Tatjana Schnalzger)

Wäre ich auf einen fixen Zahltag angewiesen, könnte ich das Risiko nicht tragen

Philipp Schöb hat im Motocross-Sport seine Berufung gefunden. Früher ist er selbst Rennen gefahren. Heute ist er ein Experte, was die Wartung und das Tuning der Maschinen betrifft.

Philipp Schöb war acht Jahre alt, als ihn sein Vater zu einer Motocross-Meisterschaft mitgenommen hat. Seither lässt ihn dieser Sport nicht mehr los. Bis zu seinem 14. Lebensjahr ist er selbst Rennen gefahren. Neben der Lehrausbildung hatte er jedoch nur noch wenig Zeit für sein Hobby. Und gerade günstig war es auch nicht. Die Maschine, der Benzin, das Training, der Trainer, das Verschleissmaterial, die Reisen – da kamen einige Kosten zusammen. «Ausserdem machte sich meine Mutter Sorgen, dass ich mich ernsthaft verletzen könnte», erklärt er. Die ein oder andere gefährliche Situation und manchen Unfall habe es nämlich schon gegeben, wie er zugibt. «Einmal habe ich mir einen Finger gebrochen, ein anderes Mal den Arm. Neben den üblichen Schürfungen und blauen Flecken hatte ich aber zum Glück keine schlimmeren Verletzungen.»

Doch ganz weggekommen ist Philipp Schöb vom Motocross-Sport nicht. Er ist nämlich Motorrad-Mechaniker und hat sich in den letzten Jahren besonders auf die Cross-Maschinen spezialisiert. «Das war immer mein Traumberuf. Ich glaube, schon bevor ich überhaupt Rennen gefahren bin.»

Experte auf seinem Gebiet
Nach seiner Lehrzeit hat Philipp Schöb wieder in den Rennsport zurückgefunden. Doch heute fährt er nur noch selten. «Bei Rennen bin ich auch nicht mehr sehr erfolgreich, wenn ich ehrlich bin», gesteht er. Ihm fehle die Zeit fürs Training. Denn auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein hat, ist   Motocross körperlich ein recht anstrengender Sport, wie der Fachmann erklärt: «Zum einen ist die Maschine natürlich schwer. Dann braucht man recht viel Ausdauer und Konzentration. Man muss die Leisen treffen, Sprünge machen und dabei noch möglichst schnell sein.» Darum hat der Mechaniker auch eine Trainingsbank mit einer Langhantel in seiner Werkstatt stehen. «Die wird derzeit aber leider nicht gebraucht», gibt er zu und lacht.

Philipp Schöbs Stärken liegen dafür abseits der Rennstrecke. Hinter den Kulissen kümmert er sich um die Maschinen. Der 25-Jährige hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht und sich auf die Motocross-Maschinen spezialisiert. Diese benötigen viel Unterhalt. «Je nachdem, wie viel beziehungsweise schnell ein Fahrer fährt, werden die Motoren alle 50 bis 80 Stunden komplett auseinandergenommen und die Lager, Kolben und Ventile ersetzt», erklärt er. Ausserdem kann das Fachwissen des jungen Mechanikers den entscheidenden Sieg bringen. Daher kommen oft noch abends Fahrer in seiner Werkstatt vorbei, um ihre Maschine einstellen zu lassen. «Dann kann es schon mal spät werden, bis wir mit den Anpassungen zufrieden sind.»

Mittlerweile hat sich Philipp Schöb mit seinem Fachwissen bei den Rennen einen Namen gemacht. So ist der junge Mechaniker mittlerweile auch den Vertretern der Kawasaki-Maschinen aufgefallen. Diese haben nach einem jungen und interessierten Fan in der Region gesucht und ihn sogleich angeworben. «Das heisst, nächstes Jahr werde ich den Rennservice für die Kawasaki Schweiz machen», sagt der engagierte Mann.

Sein Fachwissen habe er sich zum Teil selbst angeeignet. Auch von Berufskollegen werde er tatkräftig unterstützt, wie zum Beispiel vom Vorarlberger Motocross-Tuner Martin Gopp, dem er für seine Hilfe sehr dankbar ist. Auch verschiedene Kurse und Prüfungen hat der Mechaniker bereits gemacht. «Aber irgendwann kommt man an einen Punkt, wo es mit ein bisschen Theorie und Herumprobieren nicht mehr weitergeht», erklärt er. Die Tricks, wie man noch mehr aus den Maschinen herausholen kann, kennen die Profi-Rennfahrer und ihre Mechaniker. Auch diese geben hin und wieder Kurse, doch da werden nur echte Profis eingeladen. Zu denen darf sich Philipp Schöb mittlerweile auch zählen. «Ende November durfte ich drei Tage an einem Kurs in Lommel in Beligien teilnehmen. Dort ging es nur darum, wie man die Federn der Maschinen einstellt.»

Arbeiten für einen Hungerlohn
«Ich lebe für den Motocross-Sport», sagt Philipp Schöb. Privat und beruflich drehe sich alles darum. Unterstützt wird der 25-Jährige von seinem Grossvater. Der übernimmt immer wieder Botengänge für seinen Enkel. Dieser weiss den Einsatz sehr zu schätzen. «Das ist nicht selbstverständlich und wenn ich das auch noch machen müsste ... das ginge sich von der Zeit her nicht mehr aus.»

Ein anderes Hobby ober überhaupt Freizeit habe er derzeit nicht. «Momentan kann ich das so machen, weil ich keine Frau und keine Kinder habe. Wäre ich auf einen fixen Zahltag  angewiesen, könnte ich das Risiko nicht tragen. Ich arbeite viel und bin auf der halben Welt unterwegs, verdiene aber eigentlich wenig», erklärt er. Selten ende ein Tag vor 10 Uhr abends. Und selbst wenn er dann endlich im Bett liegt, drehen sich seine Gedanken noch um seine Leidenschaft. «Es ist schwer, abzuschalten, aber mein Job belastet mich nicht. Dann müsste ich auch damit aufhören. Dann hätte ich keinen Spass mehr.» Seine Selbstständigkeit aufzugeben, wieder einem Beruf mit geregelter Arbeitszeit und einem fixen Lohn nachzugehen, komm für ihn derzeit jedoch nicht in Frage, wie er betont: «Noch mache ich es gern und vielleicht bleibt der Virus noch länger.» (sms)

07. Jan 2017 / 20:47
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