Sauber und ehrgeizig

Der 23-jährige Larklind Cerkezi hat einen Lauf: Beruflich und privat geht es bei ihm bergauf. Dafür arbeitet er ehrgeizig. Der in Sevelen aufgewachsene und in Buchs wohnhafte Informatiker vertrat Liechtenstein an den Worldskills 2013 in Leipzig und profitierte davon enorm.

Es herrschte eine fröhliche Betriebsamkeit in den Büroräumlichkeiten von Larklind Cerkezis Startup-Unternehmen. «Sie müssen entschuldigen. Wir sind noch in den Umbauarbeiten und teilen uns derzeit das Büro mit zwei anderen Firmen, darum scheint es hier recht unordentlich», erklärt der Geschäftsführer. Dem Redaktor erschliesst sich diese Unordentlichkeit aber nicht. So hat er es sich vorgestellt, wenn sich junge Menschen selbständig machen und eine neue Firma aus dem Boden stampfen. 

Larklind Cerkezi ist albanischstämmig. Ansehen tut man es ihm aber nur am Namen. «Der war eine Idee meiner Tante. Denn ‹lark› bedeutet weit bzw. weit weg und ‹lind› ist die Geburt. Weil ich halt in Grabs, also weit weg von Mazedonien geboren wurde, kamen sie auf diesen Namen», erklärt der Jungunternehmer das Wortspiel, das zu seinem Namen führte. 

Die dritte Generation

Bereits sein Grossvater arbeitete schon in der Schweiz. Er kam mit 17 Jahren als Holzhacker nach Sevelen und lebte als Saisonnier bei einer netten Familie. Sein Grossvater ging nach der Arbeit zurück nach Mazedonien. Sein Vater kam Ende seiner Pflichtschulzeit in die Schweiz und siedelte sich mit seiner Familie ebenfalls in Sevelen an. «Ich spürte es von Anfang an, dass ich nicht von hier stamme», erklärt Larklind Cerkezi über seine Kindheit. «Man wird automatisch anders behandelt, wenn man andere Wurzeln hat. Nicht unbedingt negativ, aber eben anders.»

Dass er Ausländer ist hat ihm vor allem eine Erkenntnis gebracht: «Du darfst dir nichts zu Schulden kommen lassen und du musst immer Vollgas geben, um hier etwas zu erreichen.» Diese Einstellung hat ihn bisher weit gebracht – und er möchte noch höher hinaus.

«Ich habe viel gelernt»

Er macht keinen Hehl daraus, dass er für die Schule viel gelernt hat. Schon in der Oberstufe habe er mehr für die Schule getan als viele seiner Altersgenossen. «Ich war oft am Lernen, während andere unterwegs waren.Ich schaute, dass ich in die Sekundarschule komme, um später studieren zu können», erklärt der 23-Jährige. Er habe daran gedacht, dass er dann mit Sprachaufenthalten ins Ausland kann. «Das reizte mich sehr.» Er überlegte es sich dann aber anders, nachdem er als Informatiker bei der Ivoclar in Schaan fing er Feuer. «Das hat mir extrem gefallen. Ich wollte die Stelle unbedingt.» kam er dann an eine Lehrstelle als Informatiker. «Informatik, das ist viel zu kompliziert. Das schaffst du nie», habe es dann in seinem Umfeld geheissen. «Ich habe mich hineingekniet, hatte dort sensationelle Lehrlingsbetreuer», schwärmt Larklind Cerkezi von einer prägenden Zeit.

Es wäre fast schief gegangen

Am Anfang sei er sehr scheu gewesen. Die Lehre habe ihn dann als Mensch sehr geprägt. Er erhielt die Chance, 2013 für Liechtenstein an den Worldskills in Leipzig teilzunehmen. Auch hierfür war sehr viel Arbeit und Lernen nötig gewesen. «Mein Oberstift, Kevin Vogt, hatten sie bereits nach Calgary geschickt und Matthias Vetsch war in London. Die Betreuer hatten dadurch bereits reiche Erfahrungen sammeln können und gaben alles an mich weiter», erklärt der mittlerweile in Buchs wohnhafte Cerkezi.

An der Lihga 2012 fand dann die Ausscheidung statt, an der er mit seinem Berufskollegen um die Qualifikation für Leipzig kämpfte. Es war ein unglaublicher Tag. Die Aufgabe war es, ein IT-Netzwerk von Null auf aufzubauen. «Fünf Minuten, bevor die Zeit ablief, hat dann plötzlich nichts mehr funktioniert – ich kam ordentlich ins Schwitzen.» Am Ende fand er aber den Fehler und er schaffte die Aufgabe. Am Ende schaffte er die Qualifikation, um nach Leipzig zu fahren. «Dieser Sieg gegen eine unglaublich starke Konkurrenz hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Ich war ziemlich scheu und habe in dieser Zeit gelernt, diese Scheu abzulegen – ich habe vor allem menschlich enorm profitiert.»

Schweizerisch-albanischer Liechtensteiner in Leipzig

Was er in der Vorbereitung auf die Worldskills gelernt habe, habe alles übertroffen, was er sich in der Lehre angeeignet hatte. Während der Vorbereitungen auf die Worldskills steckte er nebenbei mitten in den Lehrabschlussprüfungen (LAP). «Das war ein unglaublicher Stress – aber ich liebte es, mich hundertprozentig hineinzuknien und Vollgas zu geben», erklärt der strebsame Informatiker. Die LAP schloss er gut ab und an den Worldskills sicherte er sich immerhin den 15. Platz von 32 teilnehmenden Nationen. «Ich konnte hier den Besten über die Schulter schauen. Das war ein unglaubliches Erlebnis.» Er sei dabei als schweizerisch-albanischer Teilnehmer für Liechtenstein gestartet und habe sich dabei mit dem Land identifiziert. «Immerhin verlässt sich hier ein ganzes Land auf dich. Dem wollte ich gerecht werden.»

Die Tante als Ideengeberin

Mit dieser durch und durch positiven Erfahrung im Gepäck hängte er nach der Lehre noch ein Jahr bei der Ivoclar an. «Ich wollte noch mehr über die wirtschaftlichen Hintergründe lernen. Die Zeit bei der Ivoclar werde ich nie vergessen.» Danach erhielt er ein Jobangebot im IT-Bereich. Hier fand er mit Giuseppe Carrabs einen Mentor und ein grosses Vorbild. In dieser Zeit wuchs der Wunsch, sich selbständig zu machen. Und auch dieses Ziel verfolgte er, bis er es erreichte.

Das Geschäftsmodell, das er nun für seine Firma entwarf, basiert auf den Erfahrungen seiner Tante, die bereits seinen Namen «entwickelte». «Sie ist Reinigungskraft und ich kam auf die Idee, eine internetbasierte Variante einer Reinigungsfirma auf die Beine zu stellen.» Und mit seinem Unternehmen «ipaster» fand er eine Nische, die gut ankommt und mit ihrer «unglaublichen Kundenfreundlichkeit» punktet – und mit der er nun schweizweit durchstarten will. «Wir wollen dabei Bürokratie abbauen und einen Beitrag zur Bekämpfung von Schwarzarbeit leisten.» Mittlerweile ist Cerkezi mit seinem Startup bereits – neben der Ostschweiz in Liechtenstein, im Raum Winterthur und Zürich aktiv und sei «auf einem guten Weg», auch den Rest der Schweiz abzudecken.

«Sie wurde oft hinters Licht geführt»

Das Schicksal seiner Tante hat Larklind Cerkezi massgeblich beeinflusst. «Meine Tante arbeitete bei vielen verschiedenen Reinigungsunternehmen und wurde oft hinters Licht geführt», sagt er und fährt fort: «Ihr wurden die Löhne mehrere Monate nicht bezahlt. Sie wurde monatelang hingehalten und nicht vorschriftsgemäss angemeldet.» Ausserdem habe man sie gegen ihren Willen schwarz bezahlt. «Ich musste ihr bei vielen rechtlichen Problemen helfen»,so Cerkezi weiter. Heute ist die Tante seine Angestellte – mit einem fairen Lohn und ordnungsgemäss angemeldet.

Schwarzarbeit ein rotes Tuch

Vor diesem persönlichen Hintergrund hat der junge Informatiker beschlossen, etwas gegen illegale Beschäftigung zu tun. Parallel zum Lehrabschluss gründete er 2013 die Firma CM Facility Services GmbH in Buchs, die laut Cerkezi vor allem Unternehmen, aber auch Private als Kunden hat und trotz legaler Arbeitsbedingungen und guter Löhne floriere. Schwarzarbeit ist für Cerkezi ein rotes Tuch. «Das ist aber kein Kavaliersdelikt, denn der Fachkraft fehle jegliche Sozialversicherungen. Und bei Unfällen käme es auf den Goodwill des Kunden an.
Den Firmennamen spricht er englisch aus. Im Albanischen bedeute i paster Sauberkeit. «Da dachte ich mir, das ist ein schönes Wortspiel.» Die Firma Ipaster vermittelt Reinigungskräfte für private Unterhaltsreinigungen per Internet. «Die Kunden können auf unserer Plattform www.ipaster.ch online eine Unterhaltsreinigung buchen, und Ipaster organisiert dann die Reinigungskraft», sagt Cerkezi. Kunden bezahlen am Ende der Bestellung ebenfalls über das Internet oder einfach monatlich, je nach Auftragsart. 

Christlich-muslimisches Paar

Privat erhält er bei allen seinen Tätigkeiten die Unterstützung seiner Freundin, mit der er seit fünf Jahren zusammen ist. Er lebt das Beispiel einer funktionierenden Beziehung zwischen Muslimen und Christen. «Ich bin Moslem und sie ist Christin. Das war aber weder für uns noch für unsere Familien jemals ein Problem», erklärt der in einer aufgeklärten muslimischen Familie aufgewachsene Informatiker. So würden die beiden in ihrer Beziehung alle Fest so feiern, wie sie fallen – sowohl die muslimischen als auch die christlichen Feiertage werden hochgehalten – fernab von 
irgendwelchen Glaubens-Streitigkeiten. 

27. Jan 2016 / 18:13
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