•  (Tatjana Schnalzger)

«Manchmal kommt alles ganz anders»

Bella Farny stellt sich in ihrem Leben immer wieder neuen Herausforderungen – nicht immer freiwillg. «Doch erzwingen kann man nichts im Leben», weiss sie.

Ob sie von ihrem Beruf leben  könne oder was sie denn sonst noch arbeite, das wurde Bella Farny schon oft gefragt. «Dabei bin ich konstant am Arbeiten», sagt sie bestimmt. Die blonde Frau aus Bern ist freischaffende Künstlerin – eine sehr vielseitige, wie sie betont. Singen, Tanzen, Schauspielern, das alles hat sie gelernt und noch viel mehr gemacht. «Es war aber nicht so, dass ich schon mit fünf Jahren wusste, was ich einmal beruflich machen will – absolut nicht», erzählt sie.

Aufgewachsen ist Bella Farny in Ostermundingen als zweites von vier Kindern – «ein typisches Sandwich-Kind und der Rebell der Familie», wie sie sagt. Ihre Mutter ist gebürtige Liechtensteinerin, ihr Vater Berner. Die meiste Zeit verbrachte sie beim Spielen mit den Jungs im nahe gelegenen Wald. Die Schule habe sie wenig interessiert. «Ich habe immer den Vögeln durchs Fenster nachgeschaut und mich weniger auf den
Unterricht konzentriert.»

Nur frei sein
Als es an der Zeit war, sich für einen Beruf zu entscheiden, war sie etwas verloren. «Ich wusste wirklich nicht, was ich machen wollte», sagt sie. Nur frei sein, das war ihr klar. «Obwohl man ja nie wirklich frei ist», sagt sie und lacht. Schliesslich entschied sie sich für eine dreijährige Tanzausbildung an der Colombo Dance Factory in Zürich. «Im Nachhinein gesehen habe ich mir etwas vom Schwierigsten überhaupt ausgesucht», wie sie feststellt.
Klassisch, Jazz, Modern, Contemporary (Zeitgenössisch, Anm.) – während ihrer Ausbildung lernte sie verschiedene Tanzstile. Nach der Akademie folgten diverse Engagements im In- und Ausland. So tanzte Bella Farny als Showgirl im Polygon Varieté in Zürich, spielte Theater in Solothurn, tourte mit der Musical-Show «The Best of Broadway» durch ganz Europa und auf Kreuzfahrt­schiffen durch die Karibik. Durch die Musical-Erfahrungen wurde ihre Leidenschaft für das Schauspiel geweckt. «Also absolvierte ich eine dreijährige Diplomausbildung im Atelier Helga Mertens in Zürich», erzählt sie.

«Ich habe mir nie viele Gedanken darüber gemacht, was ich mache. Ich habe es einfach gemacht, weil es für mich gestimmt hat.» Klar habe sie auch Pläne, Ziele und vor allem hohe Erwartungen an sich. «Doch erzwingen kann man nichts im Leben. Ich bin jedoch ein Mensch, der die Herausforderung sucht. Mein Geist will halt immer weiter», sagt Bella Farny.

Vom Weg abgekommen
Selbstverantwortung, Disziplin und Eigenmotivation braucht man als freischaffender Künstler. «Viele scheitern daran und kämpfen mit Existenzängsten.» Ob sie die auch hatte? «Ja, klar», antwortet Bella Farny. In dieser Phase ihres Lebens ist sie sogar einem geregelten Beruf nachgegangen. «Das habe ich aus einer existenziellen Panik heraus gemacht. Ich wollte Geld verdienen.» Eine Weile arbeitete sie im Aussendienst, in der Werbung. Das konnte sie gut. Bei den Kunden kam sie an, das viele Reisen gefiel ihr und im Unternehmen gehörte sie zu den besten Verkäufern.  «Aber innerlich habe ich gelitten wie ein Hund, weil ich meiner Berufung nicht nachgehen konnte. Da habe ich mich irgendwo verloren.»

Totzdem will sie diese Erfahrung in ihrem Leben nicht missen. «Ich habe schliesslich auch sehr viel gelernt.» Ausserdem ist in dieser Phase ihre erste EP-CD hervorgegangen. «Das ist etwas, das ich immer gemacht habe: Wo ich auch war, ich hatte immer meine Gitarre dabei und habe Lieder komponiert – einfach so, für mich, abseits von irgendwelchen Engagements», erzählt sie. So ist ihr Lied «I bruche Zyt» entstanden. «Die Menschen sind heutzutage immer so gestresst und hetzen von einem zum nächsten. Den Moment geniessen, das darf man nicht vergessen. In dem Lied geht es darum, sich Zeit zu nehmen», erklärt sie.

Eine verzweifelte Suche
Zeit für sich brauchte Bella Farny in den vergangenen Jahren ebenfalls. 2011 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. «Das ist das Verrückte am Menschen. Er hat immer das Gefühl, er habe alles Im Griff. Aber manchmal kommt alles ganz anders.» Der Tumor wurde entfernt. Danach sollte sie mit der Chemotherapie beginnen. «Aber dafür war ich nicht bereit. Als professionelle Tänzerin  ist mein Körper mein Kapital. Ich befand mich total im Schock und suchte nach einer Alternative.» Die Künstlerin zog von einem Arzt zum nächsten und holte viele Meinungen ein. «Ich war überfordert, da irgendwie kein Weg für mich gestimmt hat.» Die Alternative fand sie in der Paracelsus Klinik. Doch die Therapie war für Bella Farny nicht geeignet. «Ich habe gespürt, dass etwas mit mir nicht stimmt.»  Bei einer Untersuchung erhielt sie dann die Bestätigung: Der Krebs hatte gestreut. Ihr Körper war voll mit Metastasen. «Ich dachte, das ist jetzt mein Todesurteil», erinnert sie sich.

Aufgegeben hat Bella Farny trotzdem nicht. Nach einem Arztwechsel probierte sie eine neuartige Therapie aus. Es folgten Bestrahlung, Hor-montherapien, Knochenstärker, Chemotherapien und noch weitere Behandlungen. Und sie hatte Glück. Ihr Körper sprach auf die Therapie an. Der Krebs verschwand. Für die Ärzte ist sie heute ein medizinisches Wunder. «Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – das ist schon so.»

Neue Pläne
Vor der Diagnose hatte Bella Farny sich mehr der Musik gewidmet und sich im Bereich Singer-Songwriter sowie als Musik-Kabarettistin ausprobiert. Während sie gegen ihre Krankheit kämpfte, trat die Kunst jedoch in den Hintergrund. «Aber nun möchte ich mich wieder auf die Zukunft konzentrieren und mich neuen Projekten widmen», sagt sie entschlossen. Noch im März (30. und 31.) feiert sie Premiere im Kulturhaus Rössle in Mauren mit ihrem neuen Musik-Kabarett. Das Programm hat sie selbst zusammengestellt und es spiegelt die Vielseitigkeit der Künstlerin wider. Mit eigenen Liedern und neu geschriebenen Chansons im Berner Dialekt möchte sie die Zuschauer unterhalten. Auch die eine oder andere Tanzeinlage habe sie geplant. «Das ist wieder etwas Neues, aber ich freue mich darauf.» (sms)

18. Mär 2017 / 21:20
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