•  (Elma Korac)

Ein Experte alter Völker

Daniel Mathis ist nicht nur auf Mittelaltermärkten anzutreffen, er kennt sich auch sehr gut mit der Zeitepoche aus und weiss, wie die Wikinger damals wirklich gelebt haben.

Daniel Mathis ist ein Wikinger. Als solcher ist er jedoch auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Zwar besitzt er mit seinen 1,90 Metern die Grösse, die man einem kriegerischen Nordmann geben würde, doch von langen Haaren, dem dichten Bart, der Streitaxt und dem typischen Helm mit den Hörnern fehlt jede Spur. «Das ist zwar das Bild, das man allgemein vom Wikinger hat. Die Hörner auf den Helmen sind eine moderne Erfindung», erklärt der 31-Jährige. «Wikinger ist eigentlich der falsche Begriff.» Die Nordmänner aus dem Mittelalter kennen Historiker und Experten unter vielen Namen, je nachdem, wo deren Überreste gefunden wurden und aus welcher Epoche diese stammen. 

Daniel Mathis schlüpft in die Rolle der sogenannten «Rus». Dieses Wikinger-Volk lebte  in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends nach Christus in einem Gebiet in Osteuropa im heutigen Russland. Als «Rus» ist der Ruggeller viel auf den Mittelaltermärkten in der Region anzutreffen. «Ich bin immer gern auf diese Märkte gegangen, anfangs noch als Besucher.» Dabei hat er sich mit der Zeit mit ein paar Darstellern von den Lagergruppen angefreundet. Ihnen hat er sich schliesslich angeschlossen und ist selbst als Darsteller auf die Märkte gegangen. Später hat der Wikinger mit einigen Bekannten selbst eine Lagergruppe auf die Beine gestellt. «Das war anfangs nur ein bunt zusammengewürfelter Haufen ohne speziellen Hintergrund. Irgendwann war uns das aber zu wenig. Wir wollten etwas darstellen, eine bestimmte Zeit beziehungsweise ein bestimmtes Volk repräsentieren. Heute sind wir als Wikinger-Gruppe unterwegs.»

Das Mittelalter leben
So schön die Mittelaltermärkte auch sind, haben sie jedoch nichts mit dem Leben im Mittelalter gemein. «Nicht alles, was aus Holz ist oder altertümlich ausschaut, gehört gleich ins Mittelalter», weiss Daniel Mathis. Das Leben von damals so authentisch wie möglich nachzuleben, reizt ihn besonders. «‹Living History›, nennt sich das», wie er erklärt. Das ist auch die Idee des Heerlagers zu Schellenberg, das an diesem Wochenende bereits zum fünften Mal bei der Burgruine stattfindet. Der 31-Jährige ist Präsident des Organisationskomitees. «Wir sind eines Abends am Feuer zusammengesessen und hatten die Idee von dem Lager. Wir wollten als Lagergruppe einfach ein Wochenende lang unsere Zelte aufstellen, handwerken und die Burgruine mit Leben erfüllen», erzählt er.

 
Doch die Aktion warf schnell Fragen auf: Was ist, wenn das Lager Aufsehen erregt? Was ist, wenn Leute raufkommen und zuschauen wollen? Was ist, wenn sie etwas essen und trinken wollen? Schnell wurde aus dem gemütlichen Lager-Wochenende eine grosse Veranstaltung. Und statt selbst die Zelte aufzuschlagen und das Leben von anno dazumal zu geniessen, ist der Mittelalter Verein Liechtenstein nun mit der Organisation des Events beschäftigt. «Aber das macht nichts. Wir finden es toll, den Besuchern einmal das echte Mittelalterleben vermitteln zu können.»

Das Leben in der Neuzeit 
Als Wikinger hat sich Daniel Mathis schon in so manchem Beruf versucht. «Ich bin auch der Typ, wo alles einmal in die Hand nehmen muss», sagt er und lacht. Er hat bereits geschmiedet, gewebt, genäht und geschnitzt. Mittlerweile hat er sich auf die Fertigung von Schmuckstücken aus Speckstein spezialisiert, die er mit Schnitzwerkzeugen bearbeitet. «Es gibt zwar keinen Nachweis, dass die Wikinger Schmuck aus Speckstein hatten, aber den Stein haben sie schon bearbeitet», erklärt er. 

In der Gegenwart hat der Ruggeller ursprünglich eine Lehre zum Informatiker absolviert. «Damals habe ich mich sehr für Computer interessiert und man hat mir weis gemacht, dass man als Informatiker was erreicht beziehungsweise gut Geld verdienen kann – dem war aber leider nicht so», erzählt er. Bereits die Lehrstellensuche gestaltete sich als grosse Herausforderung. «Ich musste sogar ein zehntes Schuljahr anhängen, bis ich eine Lehrstelle gefunden hatte.» Die Stellensuche nach der Ausbildung gestaltete sich ähnlich schwierig. Für einzelne Projekte wurde Daniel Mathis immer wieder angestellt, doch kein Unternehmen konnte ihm eine dauerhafte Stelle anbieten. 

Schliesslich haben zwei Bekannte ihm vorgeschlagen, doch als Lagerungspfleger zu arbeiten. Als solcher verwaltet er jedoch kein Lager in einer Firma, wie der Name vermuten lässt. «Ich bin Pfleger im Krankenhaus», erklärt der 31-Jährige. Sein Arbeitsplatz ist der Operationssaal. Dort empfängt er die Patienten, wenn sie von der Station kommen und bereitet sie für die Operation vor. «Meine Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Patient richtig auf dem Tisch liegt.» Aber auch das Herrichten und Aufräumen des Operationssaals und der notwendigen Geräte gehört dazu. Während mancher Operationen ist Daniel Mathis auch anwesend und hilft den Chirurgen im Hintergrund. «Bevor ich das erste Mal im OP dabei war, habe ich mich schon gefragt, wie ich wohl auf den Anblick reagieren würde, aber man gewöhnt sich daran», sagt er. «Es ist eine sehr 
abwechslungsreiche und spannende Arbeit.» (sms)

17. Jun 2017 / 21:07
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
28. Juni 2017 / 20:09
28. Juni 2017 / 22:45
Aktuell
28. Juni 2017 / 22:45
28. Juni 2017 / 20:09
28. Juni 2017 / 17:02
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
sun
1 x 2 Karten für Samstag. 8. Juli zu gewinnen
Facebook
Top