•  (Daniel Schwendener)

Das Amt des Bölläkönigs ist eine grosse Ehre

Bölläkönig Küssi Guggli II. ist der symbolische Chef der Melser Fasnacht. In seiner Freizeit stehen die Familie und der Einsatz fürs Dorfleben in der Heimatgemeinde im Mittelpunkt.

Das Restaurant Schäfli in Mels ist ein urchiges Traditionslokal. Es ist seine Stammbeiz. Und in Mels scheint es kaum jemanden zu geben, der ihn nicht kennt. Jeder, der ihn sieht, grüsst Markus Kalberer gleich freundlich und er grüsst fröhlich zurück. Diese «Prominenz» verdankt er nicht zuletzt seinem jahrzehntelangen Einsatz für die Melser Fasnacht und seinen vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die er von Herzen gerne macht. «Ich fühle mich wohl hier und es ist mir wichtig, dass man Traditionen weiterführt», erklärt Kalberer, der mit ein paar Freunden gemeinsam das Open Air Weisstannen vom 9. bis 11. Juni im 3-Jahres-Rhythmus weiterführt. «Bei all meinen Freizeitaktivitäten ist es mir wichtig, dass ich es nicht für Geld tue. Im Gegenteil: Hobbys dürfen auch etwas kosten und wenn man selbst investiert, ist man mit dem Herzen umso mehr dabei», meint der bärtige Melser.

Dass er die Fasnacht wirklich ernst nimmt und dafür entsprechend Zeit investiert, müssen auch seine Arbeitgeber akzeptieren. «Ich habe vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch noch nie in der Firma  gearbeitet (lacht). Das ist eine heilige Ferienzeit für mich.» Das war bereits vor seinem Beitritt zur Fasnachtsgesellschaft so, als er mit seinen Kollegen vom sogenannten Zischtigs-Club jeweils mit einem Umzugswagen die Melser Fasnacht bereicherte.

Die friedliche Fasnacht liegt Küssi Guggli II. am Herzen
Dank seiner Verdienste wurde Kalberer vom Vorstand der Fasnachtsgesellschaft zum Bölläkönig der aktuellen Fasnacht gewählt. Er ist der 30. seiner Art. Diese Ehre wurde schon 2010 seinem Vater, Fritz Guggli I., zuteil. «Das Amt ist eine grosse Ehre, denn es werden nur Leute Bölläkönig, die sich um die Fasnacht verdient gemacht haben.» Und das hat er: Denn 1995, mit 22 Jahren, trat er der Fasnachtsgesellschaft bei, die er dann von 2000 bis 2012 präsidierte. «Ich hatte grosses Glück, dass ich immer tolle Vorstände und Mitstreiter haben durfte, die geholfen haben, den Karren zu ziehen», erklärt die Hoheit aus Böllenhausen dankbar.

Eine enorme Entwicklung
In dieser Zeit hat sich die Melser Fasnacht einen überregionalen Ruf erarbeitet. Die «Iihuttlättä», immer um 6 Uhr früh am Schmutzigen Donnerstag, markiert den Startschuss in die Böllni-Fasnacht. Der Kindermaskenball am Sonntag, die Live-Night am Montag sowie der Umzug am Dienstag werden von vielen Fasnächtlern aus nah und fern besucht. «Alle sind gut drauf und dürfen für ein paar Tage aus den Gewohnheiten ausbrechen. Die Fasnacht ist wichtig für die Menschen, egal ob junge oder ältere Semester», ist Kalberer überzeugt.

In den letzten Jahrzehnten hat die Melser Fasnacht eine enorme Veränderung erlebt. Aus der Saal- und Beizenfasnacht im «Sternen», «Schäfli» «Melserhof», «Rebstock» oder «Hirschen», die mittlerweile geschlossen sind, wurde sie zu einer mehrheitlichen Bar- und Strassenfasnacht. Das regt Markus Kalberer zum Nachdenken an. «Ich finde es einerseits schade, dass eine Beiz nach der ande­ren dichtmachen musste. Andererseits darf man stolz sein, dass die Fasnacht alle diese Entwicklungen überdauern kann – dank vieler engagierter Helfer.»

Repräsentative Aufgaben
Als Bölläkönig ist man in Mels ein Aushängeschild der Fasnacht. Mit seinem Umhang, dem Böllähut oder der Krone zeigt er unverwechselbar Präsenz an den verschiedenen Fasnachtsveranstaltungen, nimmt vom Gemeindepräsidenten am Schmutzigen Donnerstag den Symbol-Schlüssel der Gemeinde entgegen und «herrscht» bis zum Fasnachtsdienstag über Mels. «Es ist wichtig, dass ein Bölläkönig sein Amt authentisch ausübt. Jeder kann seine eigenen Facetten einbringen, um die Fasnacht besonders zu machen», erklärt der bald 44-Jährige. «Ich freue mich schon riesig auf alles, was kommt», so der stolze Bölläkönig, der auch – wie könnte es anders sein – an der Fasnacht seine Frau Conny kennenlernte.

Doch nicht nur in der Fasnacht ist sein Organisationstalent gefragt: Ob in der Viehschau-Kommission, dem Open Air Weisstannen oder beim Melser Grümpi – überall nutzt er seine vielzähligen Kontakte und sorgt mit seinen Kollegen für Unterhaltung und Spass in und um Mels. Man lerne mit der Zeit, mit Behörden gemeinsame Lösungen zu diskutieren und kriegt den Dreh raus, wenn es darum gehe, Win-win-Situationen zu schaffen. «Doch das Wichtigste war mir immer, dass ich durch meine Hobbys viele vertrauensvolle Beziehungen und gute Freunde kennenlernen darf», erklärt der Organisator aus Leidenschaft.

Nach der Fasnacht ist vor dem Open Air
Dass dies alles möglich ist, hat Markus Kalberer auch seiner Arbeitsstelle zu verdanken. Er verbringt nämlich als technischer Verkäufer viel Zeit im Auto. Bei seinem liechtensteinischen Arbeitgeber, der EMK AG, die Lüftungsdecken für Grossküchen herstellt, erntet er viel Verständnis für seine Engagements. Sein Arbeitsplatz befindet sich in Schindellegi. «So kann man das Angenehme mit dem Nützlichen gut kombinieren und die Zeit der Fahrten wird produktiv genutzt.»

So machte er es für die Organisation der Fasnacht und so handhabt er es auch für das Open Air Weisstannen. Gerade hier merkt man auch, dass ihm Fairness und Eigenständigkeit viel bedeuten. Wenn die Leute am Ende gut unterhalten wurden, von diesem Fest noch lange sprechen und bei der nächsten Ausgabe wiederkommen, ist Markus Kalberer glücklich. (mw)

11. Feb 2017 / 22:06
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