•  (Daniel Schwendener)

"Wir konnten nicht ewig auf Tesla warten"

Der Staubern-Wirt Daniel Lüchinger erklärt, warum ihn Tesla auf die Idee brachte, eine Seilbahn zu bauen, die mit Sonnenenergie fährt.

Herr Lüchinger, Sie bauen eine Gondelbahn mit Solarkraft. Die obligatorische Frage: Was passiert bei schlechtem Wetter?
Daniel Lüchinger:
Sie fährt auch bei schlechtem Wetter. Wir speichern die Sonnenenergie in zwei Batteriespeichern ab. Der eine befindet sich an der Talstation und der zweite oben am Berggasthaus Staubern.  Bei schlechtem Wetter fahren automatisch weniger Gäste, und ich brauche daher weniger Strom. 

Sie wollten unbedingt eine Seilbahn mit Solarkraft und Tesla-Technologie bauen. Warum?
Wir wollen unabhängig werden von den fossilen Brennstoffen und vom Atomstrom. Sowohl die Seilbahn als auch der Strom in unserem Berggasthaus soll aus erneuerbaren Energien stammen. In den Tragseilen der beiden Gondeln befinden sich Kupfer-Leitungen, die den Strom hinauf zum Gasthaus Staubern leiten. Damit kann ich den Dieselgenerator fur unsere Stromversorgung ersetzen. Zudem habe ich schon vor einiger Zeit ein Stromaggregat oben am Berggasthaus gebaut, das mit altem Speiseöl läuft. 

Eigentlich wollten Sie die Speichermodule von Tesla kaufen, um die Energie zu speichern. Was fasziniert Sie an Tesla? 
Tesla baut Autos, die umweltfreundlich sind und trotzdem muss man nicht auf Komfort verzichten. Die Seilbahn soll genauso sein: Sie soll mit Sonnenkraft laufen, aber das soll uns in nichts einschränken. Tesla produziert nicht nur Elektroautos, sondern auch Stromspeicher und Photovoltaikanlagen. So bin ich auf die Idee gekommen, dass dies auch für eine Seilbahn machbar sein könnte. Wir können über die neue Anlage, die ein Elektroingenieur in Ruggell für uns plant und umsetzt, über 80 Prozent unseres Energiebedarfs abdecken. Er wird auch an der Eröffnung im April dabei sein.

Ist es Ihnen auch privat wichtig, erneuerbare Energien zu nutzen?
Ja, wir nutzen auch privat eine Solaranlage. Ich bin nicht grün im eigentlichen Sinne. Wir schätzen einfach die Natur, weil sie das Wichtigste für uns ist, damit Gäste zu uns kommen und die Natur geniessen. Deswegen wollen wir, dass die Natur so schön und intakt bleibt, wie sie heute ist. Wir wollen nichts kaputt machen, sondern unseren Schatz erhalten.

Bei den Batterien von Tesla gab es allerdings Probleme: Das Unternehmen hat – wie bei seinen Autos auch – grosse Lieferschwierigkeiten. 
Ja, leider. Es dauert viel zu lang, bis Tesla liefern kann. Deswegen haben wir uns für einen anderen Lieferanten entschieden in der Nähe von München. Man kann bei Tesla ewig warten, es gibt keinen fixen Liefertermin. Irgendwann hätte es vielleicht geklappt. Die Geduld hätte ich bei einem Auto gehabt, aber die Seilbahn muss im April in Betrieb gehen.

Kann die Firma aus Deutschland mit Tesla mithalten?
Ja, wir Europäer können das auch. Das Unternehmen aus Deutschland hat bereits geliefert. Eine Testfahrt der neuen Seilbahn gab es zwar bereits, allerdings nur mit Strom aus dem Netz. Notfalls funktioniert sie auch darüber. Die Testfahrt mit Solarkraft steht noch an. Die erste Passagier-Fahrt mit Sonnenenergie findet dann bei der Eröffnung vom 6. bis 8. April statt. Das wird vor allem für technisch Interessierte sehr spannend. Auch Tesla wird mit einem Show-Auto vor Ort sein.

Nicht nur Tesla war eine Hürde. Es war auch schwierig, einen Elektroingenieur zu finden, der die Energiefäden verknüpft und die Planung der ganzen Anlage übernimmt.
Ja, die meisten Ingenieure wollten nichts von der Idee wissen. Ich habe einfach gesagt, was ich will und habe darauf beharrt. Der Ingenieur musste dann die Teile zusammen-suchen, bis es funktioniert hat. Schliesslich hat nun ein Elektroingenieur in Ruggell das alles für uns übernommen. Es war nicht einfach für ihn, aber machbar.

Sie bauen damit die erste batteriebetriebene Seilbahn der Welt. Sind Ihnen Superlative wichtig?
Nein, überhaupt nicht. Es war ein schöner Nebeneffekt. So können wir die Wertschöpfung in der Region behalten. Die alte Bahn hätte es vielleicht noch ein paar Jahre gemacht, aber es war an der Zeit die Kapazitäten zu erhöhen. Die neue Bahn wird die doppelte Leistung haben und 60 bis 75 Personen pro Stunde transportieren können. Die alte Bahn stammt noch aus dem Jahr 1979 und wurde einst am Pizol ausgemustert.

Wieviel teurer war die Seilbahn durch das Solar-Projekt?
Gemessen an der ganzen Summe war es ungefähr um die zehn Prozent teurer. Aber das müssten wir erst noch genauer anschauen und ausrechnen. 

Sie haben fünf Millionen in die neue Seilbahn investiert. Das Geschäft läuft also gut?
Die Familie steckt natürlich sehr viel Fronarbeit hinein und jeder trägt in seiner Freizeit viel dazu bei. Wir haben das Glück, im Alpsteingebiet zu sein: in einem der schönsten und am besten entschlossenen Wandergebiete der Welt. 

Warum haben Sie Ihre Seilbahn beim Flumser Seilbahnbauer Bartholet bestellt?
Es ist bereits die dritte Seilbahn, die wir von Bartholet kaufen. Wir waren immer zufrieden. Es ist alles sehr einfach und unkompliziert in der Kommunikation. Ich habe auch nicht mehrere Angebote eingeholt, weil Roland Bartholet war ja begeistert, sich mit mir an einen Tisch zu setzen. Meine Mutter hat die letzte Seilbahn schon bei ihm bestellt. 

Ihre Mutter arbeitet noch im Betrieb und übernimmt die ganzen Einkäufe. Was haben Sie von Ihren Eltern gelernt?
Die Sturheit und die Hartnäckigkeit, nicht aufzugeben – auch wenn etwas nicht sofort klappt. Sie ist fast 80 Jahre alt und hilft immer noch kräftig mit. Sie kümmert sich neben den Einkäufen um das Buffet.

Auch Ihre vier erwachsenen Kinder arbeiten im Betrieb von der Küche über den Service bis zur Patisserie mit. Was bedeutet Ihnen der Familienbetrieb?
Familienbetriebe sind traditionell im ganzen Alpsteingebiet. Die Familie packt mit an und macht es möglich, dass wir flexibel sein können. Es ist dann auch nicht schlimm, wenn einer aus der Familie Überstunden macht. Sonst muss ich immer ein bisschen auf die Arbeitszeiten schauen. In der Familie packen alle mit an. 

Ist es Ihnen wichtig, dass Ihre Kinder den Betrieb eines Tages übernehmen?
Darüber muss ich mir gar keine Gedanken mehr machen, weil sie sind bereits bei uns im Betrieb und sie haben diesen Weg schon eingeschlagen. Man sieht also, dass wir etwas richtiggemacht haben müssen, weil es ihnen bei uns gefällt. Meine Tochter hat mal gesagt: «Eines möchte ich nie machen: nämlich Köchin werden.» Nach ein paar Praktika kam sie zu mir und sagte dann: «Es ist doch alles langweilig, was ich gemacht und wo ich geschnuppert habe. Ich werde doch Koch!» (lacht)

Und wie war das bei Ihnen, haben Sie auch gesagt, dass Sie ja niemals Koch werden wollen?
Nein, ich wusste schon im Kindergarten, dass ich einmal Koch werden will. Das war für mich ganz klar. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, etwas Anderes im Leben zu machen. Für mich gibt es nur Staubern und die Familie. Ich freue mich daher sehr auf die Eröffnung der Seilbahn und bin sehr dankbar, dass die Gemeinde, die Frümsner und die Vereine uns so tatkräftig unterstützen.

Welches Gericht läuft bei Ihnen im Berggasthaus am besten?
Mit Abstand am besten laufen die Wildgerichte im Herbst.

Als Wirt eines Berggasthauses erlebt man sicher einige lustige Geschichten. Woran denken Sie gerne zurück?
Seit 2009 hängt ein gelber Postbriefkasten weit sichtbar 80 Meter hoch in der Felswand der Staubernchanzel. Die Post wollte den Kasten an der Bergstation der Staubern-Seilbahn abmontieren, weil er nicht mehr rentierte. Als ich hörte, dass es keinen Ersatz gibt, habe ich gedacht, so einfach mache ich es dem Postboten nicht. (dal)

04. Mär 2018 / 00:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
25. September 2018 / 10:16
24. September 2018 / 22:00
24. September 2018 / 21:28
25. September 2018 / 14:37
25. September 2018 / 10:43
Aktuell
25. September 2018 / 10:10
25. September 2018 / 14:37
25. September 2018 / 14:20
25. September 2018 / 10:43
25. September 2018 / 10:16
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Spargel
Gewinnen Sie einen Gutschein im Wert von 300 Franken von Elektro Hasler in Eschen
05.09.2018
Facebook
Top