• Schuanis 7 in Eschen
    Haben den Jazz im Ohr: Benno Marxer, Erwin Risch, Karl Gassner, Anouk Joliat, Kurt Meier, Bernhard Pleschko, Elmar Gstöhl (v. l.)  (Daniel Schwendener)

"Fürs Publikum geben wir unser Bestes"

Die Liechtensteiner Rentner-Jazzband Schuanis Seven sorgt für Aufsehen. Peu à peu mausern sich die Liebhaber gepflegter Jazzmusik zum Publikumsmagnet.

Offensichtlich bist du ein Macher, Erwin – nicht nur was Schuhe anbelangt. Die Band ist auf deine 
Initiative hin im Frühjahr 2016 gegründet worden. Wie kam’s? 

Erwin Risch: Schon lange hegte ich den Wunsch, eine Senioren-Jazzband zu gründen. Zwar spiele ich praktisch schon mein Leben lang Klarinette, aber eher zum Hausgebrauch. Nach einem Gespräch mit Stefan Frommelt ergab eins das andere, ich schaltete ein Inserat in der «Liewo» und innerhalb ein paar Monaten war die Truppe zusammen. Wir harmonieren musikalisch wie menschlich – es ist eine helle Freude!


Du bist die jüngste «Henne im Korb», Anouk. Wie kamst du zur Band und wie fühlst du dich in der Herrenrunde? 
Anouk Joliat: Zusammen mit Elmar besuchte ich den JazzItUp-Workshop von Stefan. Er hat mich dann angefragt, ob ich Lust hätte, in einer Seniorenband Jazzpiano zu spielen. Die Idee hat mir auf Anhieb gefallen. Dass ich keine Seniorin bin, war den andern egal. Hauptsache, ich konnte Piano spielen. Zum Gesang bin ich quasi als Lückenbüsserin gekommen, weil sich die Sängerin kurzfristig vor der ersten Probe wieder abgemeldet hat. Es hat sich dann herausgestellt, dass ich auch als Sängerin durchaus tauglich bin. Von den gestandenen Männern fühle ich mich gut aufgenommen und respektiert. Die Chemie stimmt, wir geniessen das Musikmachen und haben viel Spass zusammen. Gerne höre ich auch ihren Geschichten zu, die sie beim Feierabendbier zum Besten geben. 

Michel Portal, französischer Saxofonist und Komponist, sagte einst: «Jazz bietet mir die einzige Möglichkeit, frei zu sein, zu schweben, zu träumen.»  Wie ist das bei dir, Bernhard?
Bernhard Pleschko: Ich geniesse im Jazz vor allem das gemeinsame Spiel und die freie Improvisation, die Möglichkeit, frei und im Moment zu musizieren. Dazu gibt es bei den Schuanis in fast jedem Stück viel Freiraum, die coolen Arrangements von Benno und Stefan und die sichere Rhythmusgruppe machen es auch einem Hobbymusiker wie mir möglich, die freie Improvisation zu üben und zu entwickeln. Das ist wirklich wunderbar. Man bekommt in der Musik selten diese Möglichkeit.

Als Leader der Big Band Liechtenstein hast du, Benno, den Jazz im Blut, schreibst gemeinsam mit Stefan die Arrangements für Schuanis Seven, spielst Posaune, Gitarre. Ein stolzes Pensum ...
Benno Marxer: (lacht) Momentan bin ich in vier Bands involviert: Die Big Band Liechtenstein, die ich seit 35 Jahren leite, dann spiele ich bei «The Royal Funk Force» und schreibe für diese Band alle Songs. Weiters bin ich verantwortlich für die «Hitbelebungswerkstatt». Mit dieser Band spielen wir die Hits der 50er-/60er-Jahre. Bei Schuanis Seven spiele ich vor allem die Gitarre, die ich nach vielen Jahren wieder aus dem Koffer hervorgeholt habe, ab und zu Posaune und schreibe das eine oder andere Arrangement. Wir alle von Schuanis Seven haben riesigen Spass an dem, was wir von uns geben. So soll es sein. Auf die nächsten 10 Jahre!

Als ehemaliger Kripochef hat man wohl die Ruhe weg. Du spielst die Posaune, Kurt. Lässt du nun so richtig Dampf ab?
Kurt Meier: Ich musste schon als Kripochef von Zeit zu Zeit Dampf ablassen, aber ja, das Spiel in der Senioren-Jazzband wirkt sich positiv aus. (lacht) Ich spiele seit beinahe 60 Jahren Posaune bei der Harmoniemusik Schaan. Als Erwin damals vor meiner Haustür stand und mich als Posaunist für seine Senioren-Jazzband anwarb, mit dem Zusatz, es müsse ein «Alter» sein und ich würde genau passen (allgemeines Gelächter), war ich sehr überrascht. Ich hatte zuvor noch nie Jazzmusik gespielt und meinte, dass ich das wohl auch nicht könne. Er liess aber nicht locker. Bald darauf erhielt ich eine E-Mail von Stefan mit dem ersten Probetermin und den Noten für einen Jazztitel. Schon bei den ersten Takten spürte ich, dass es richtig «groovt». Ich hätte es mir nie träumen lassen, mal in so einer Band mitspielen zu können. Es macht unglaublich Spass! 

Seit Langem bist du, Elmar, im Gipser- und Malergeschäft tätig. Das Schlagzeugspielen in der 
Jazzband bringt wohl noch mehr Farbe in dein Leben?

Elmar Gstöhl: Das kann man so sagen. Seit ich 14 bin, spiele ich Schlagzeug und hatte damals auch schon die erste Rockband. Danach habe einige Jahre mit Benno Musik gemacht – zuerst Rock/Pop, aber auch mit Tanzmusik waren wir jahrelang unterwegs, kurzzeitig auch als Profiband. Mit der Bryan Jeeves Jazzband war es dann Dixi und als Schlagzeuger war ich Mitbegründer der Big Band Liechtenstein. Danach kam nur noch Jazz, jazziger Rock und Funk. Jetzt spiele ich mit Freude in der Rentner-Jazzband und denke, dass es meine letzte Station sein wird. Wobei ... das Leben hat mich gelehrt, mit solchen Annahmen zurückhaltend zu sein ...

Karl, wie lange hast du überlegt, als die Anfrage kam, bei Schuanis Seven den Kontrabass zu spielen? Da gibt es ja noch die Tangente, deine Oldtimer ... 
Karl «Charly» Gassner: 
Stefan hat mich angefragt, ob ich als Bassist bei dieser Workshop-Band mitmachen wolle. Als ich erfuhr, wer da alles dabei ist – Benno an der Gitarre, Elmar an den Drums –, fiel es mir leicht, zuzusagen. Von den restlichen Musikern kannte ich nur Bernhard als Saxofonist. Anouk, Erwin und Kurt waren Neuland. Aber schon bei der ersten Probe war klar: Das wird was werden. Und ich konnte gleich auch meinen neuen Bass einspielen! Die Tangente – wir feiern 2019 das 40-jährige Jubiläum – leite ich immer noch mit grossem Enthusiasmus, weil die Musiker wie auch das Publikum grosse Freude an unseren Veranstaltungen haben. Die Oldtimer werden noch gefahren, Restaurationen gibt es aus Zeitmangel keine mehr ... 

Stefan, du bist der musikalische Leiter der Band, ihr probt zweimal die Woche, hattet seit der 
Gründung bereits 14 Auftritte. Wie sieht das aktuelle Bandrepertoire aus? 

Stefan Frommelt: Wir spielen hauptsächlich Old Jazz – wobei für Erwin dieser in den 20ern beginnt, bei mir so um die 40er-Jahre (lacht) – und spielen aktuell u. a. die Titel «Ain’t misbehavin» (Fats Wallner), «Watermelon man» (Herbie Hancock), «Schuanis Seven Blues», «Route 66» (Nat King Cole), «Bei mir bis du shein» (The Andrew Sisters), «On the sunny side of the street» (Louis Armstrong).

Was wünschen sich Schuanis Seven für die Zukunft? 
Stefan Frommelt: Die Band benötigt massgeschneiderte Arrangements, dass sie gut klingt. Diese Arbeit teilen sich Benno und ich. Dabei entstehen neben Arrangments bekannter Jazzsongs auch Eigenkompositionen. Sobald drei bis vier, wie z. B. der «Schuanis Seven Blues», gut klingen, möchten die Schuanis diese im Studio aufnehmen und zu einer eigenen EP reifen lassen. Auch eine Homepage ist geplant. Und: Bei allem den Spass am Jazz und zusammen Musizieren behalten! (ge)

03. Jun 2018 / 00:01
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