• Harry Müntener in Buchs
    Harry Müntener möchte mehr Leben ins Zentrum von Buchs bringen.  (Daniel Schwendener)

Eine einfache Einkaufsstrasse reicht heute nicht mehr aus

In seiner neuen Funktion als Geschäftsführer von Marketing Buchs möchte Harry Müntener dem Buchser Zentrum mehr Leben einhauchen.

Vor zwei Wochen startete der Abendmarkt Bux 21 in der Bahnhofstrasse Buchs. Dieser soll das Zentrum am Mittwochabend beleben. Wie war die Stimmung bisher?
Harry Müntener, Geschäftsführer Marketing Buchs : Es waren schöne Abende mit den Ständen. Viele darunter wollten ihr Kunsthandwerk unter die Leute bringen, doch das war nicht sehr begehrt. Mehr Erfolg hatten die Stände im Lebensmittel- und Gesundheitsbereich. Auch gut liefen die Street-Food-Trucks – von denen erhielten wir bereits mehrere Anfragen. Zudem lässt sich die Frequenz noch weiter ausbauen. 

Werden Sie den Abendmarkt bis in den Winter hinein durchziehen?
In Zukunft werden wir diesen von Mai bis Oktober durchführen, um das Zentrum zu beleben. Mit diesem Abendmarkt und der Belebung des Zentrums werden auch immer  mehr Geschäfte ihre Ladenöffnungszeiten bis 21 Uhr anpassen. Früher war der Abendverkauf am Mittwochabend in Buchs eine eigene Marke. Aus irgendwelchen Gründen hat man diesen aufgegeben und den Abendverkauf am Freitag mehr gewichtet, was nicht wirklich funktionierte. Wenn wir uns mit dem Abendmarkt anstrengen sowie flankierende Massnahmen treffen, gelingt es meiner Meinung nach, mit Bux 21 eine neue Marke für Buchs zu kreieren. 

Nochmals zum Winter: Kommt dann der ganze Markt zum Erliegen?
Das ist schwierig vorauszusagen und steht noch zur Diskussion. Das hängt auch von den Marktfahrern ab, ob sie im Winter überhaupt hierherkommen wollen. Bei den Geschäften wäre es schön, wenn sie die Öffnungszeiten so weiterziehen würden. Eine einfache Einkaufsstrasse reicht heute nicht mehr aus. Die Leute suchen zwischen Arbeit und Wohnen einen Ort, wo sie ihre Freizeit verbringen können. Diesen gilt es zu kreieren. Um das Zentrum zu beleben, muss man etwas organisieren wie zum Beispiel ein Weinfest oder das Buchs4Kids. In den meisten Zentren herrscht, sobald die Geschäfte geschlossen sind, tote Hose.

Längere Ladenöffnungszeiten stehen immer wieder zur Diskussion.
Seit Jahren ist sich der Handel da uneinig. Als Geschäftsführer von Buchs Marketing kann ich lediglich einen Zug in Bewegung setzen und darauf hoffen, dass so viele wie möglich aufspringen. Bereits nach dem ersten Arbeitsmarkt haben sich zwei weitere Geschäfte gemeldet, die gerne mitmachen würden. Ideal wäre, wenn ein grosser Detailhändler mit von der Partie wäre, um das Eis zu brechen.

Einige Geschäfte wollen ja erst abwarten.
Die einen brauchen aus technischen Gründen mehr Zeit. Die anderen sind meiner Ansicht nach zu vorsichtig. Alle werden sowieso nie mitmachen. Aber wenn wir 80 bis 90 Prozent überzeugen können, bei Bux21 mitzumachen, sind wir sehr zufrieden.

Wie zeichnet sich die Vielfalt der teilnehmenden Geschäfte ab?
Aus der Kleiderbranche sind einige namhafte Geschäfte dabei. Einen Detaillisten konnten wir gewinnen sowie eine bunte Mischung aus Optikern, Parfümerie und Friseuren.

Wie viel Überzeugungsarbeit war bisher notwendig, um diese Massnahme umzusetzen?
Viele Stunden. Vor allem der Handel ist schwierig zu überzeugen. Einerseits beklagt sich die Branche über die grenznahe Konkurrenz, Onlinehandel und dass es zu wenig Frequenz im Zentrum hat, andererseits ist man aus meiner Sichtweise zu wenig bereit, Neues zu wagen. Es braucht Mut und Ideen, um als Einkaufsort zu bestehen. Bux21 ist eine eigene Marke, welche es dem Zentrum und den Geschäften ermöglicht, sich von den Mitbewerbern abzuheben.

Was ist für Sie dabei die grösste Herausforderung?
Meiner Meinung nach war es eine Fehlentscheidung, damals mit dem Abendverkauf am Mittwoch zurückzufahren. Nun versuchen wir, diesen wieder zu beleben. Was die Sache etwas verlangsamt ist, dass bei vielen Unternehmen nicht ein lokaler Geschäftsführer dahintersteckt, sondern eine Gesellschaft, die ihren Hauptsitz in Zürich, Bern oder sonstwo hat. Diese Entscheidungsträger gilt es zu finden und von dem Konzept zu überzeugen, damit die Geschäfte ihre Öffnungszeiten bis 21 Uhr verlängern. 

Im Prinzip haben Sie etwas Altes zu neuem Leben erweckt.
Genau. Für ein solches Projekt bräuchte man eigentlich eine viel längere Vorlaufzeit. Jedoch wollten wir zur selben Zeit wie die Fussball-WM starten, weil genau dann tummeln sich hier wegen der Public Viewings Hunderte von Leuten. Die sehen, dass hier am Mittwochabend etwas läuft. Da noch nicht alles perfekt ist, wird der Auftritt nächstes Jahr optimiert. Eine Webseite mit allen Infos zu den Marktständen und Geschäften sowie Veranstaltungen haben wir bereits eingerichtet. Sobald die WM vorbei ist, folgen weitere Anlässe.  

Bleibt der Freitagsmarkt erhalten?
Ja klar. Einige Stände vom Freitagsmarkt sind auch am Mittwoch hier. Schön wäre es, wenn sich beide Märkte gegenseitig beleben und zusammen grösser würden. Denn ich möchte den Fokus auf einen grossen Frischmarkt von regionalen Landwirten und auf mediterrane Spezialitäten legen. Das ist aber kein leichtes Unterfangen und braucht viel Überzeugungsarbeit.

An den Wochenenden ist die Bahnhofstrasse jeweils gut besucht.
Der Samstag ist sehr gut. Aber nur ein guter Tag ist für die Geschäfte nicht rentabel. Die Leute müssen ja davon leben können. Mit der Schliessung von OVS entsteht zusätzlicher neuer Leerraum. Wir versuchen stets, die Räume so kurz wie möglich leer stehen zu lassen. Aus meiner Sicht sind wir das einzige und grösste Freiluft-Einkaufszentrum weit und breit. Im August feiern wir die Busbahnhoferöffnung, das Buchserfest Ende August und 150 Jahre Bahnhofstrasse. Dort führen wir das erste Buchs Music Festival durch. Verschiedene Coverbands werden U2, Black Eyed Peas, Elton John und viele mehr auf drei verschiedenen Bühnen imitieren. Für den Oktober wäre ein kleines Weinfest mit regionalen Anbietern und Produzenten ein idealer Anlass. Im November würde ich gerne einen Punschmarkt einführen, damit die Geschäfte länger geöffnet haben. Im Dezember schwebt mir eine Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein vor, um den Weihnachtsmarkt zu verlängern und nach Abschluss beim Werdenbergersee einige Marktstände in die Bahnhofstrasse zu verlegen.

Geht der Trend immer mehr Richtung Zentrum oder Warenhaus?
Auch grosse Warenhäuser haben heute wegen des Onlinehandels mit Problemen zu kämpfen. Im Gegensatz zum Internet können wir im Einkaufszentrum Buchs einen Begegnungsort bieten. Nebst dem Einkaufen kann man beispielsweise in diversen Lokalen Kaffee trinken. Die Shopping Arena in St. Gallen erinnert fast schon an ein Unterhaltungszentrum. Strassenmusikanten oder Clowns unterhalten die Strasse, beleben sie und man kann mit den Kindern etwas unternehmen. Dies ist sicher ein Trend, welchen wir in Buchs auch verfolgen werden.

Für Kinder gibt es Buchs4Kids. Was bietet Buchs für die älteren Menschen?
Noch nicht viel. Wir möchten gerne mehr mit den kulturellen Vereinen in Buchs zusammenarbeiten. Diese könnte man mehr ins Zentrum holen, um für die Kultur wie eben auch älteren Leute etwas zu bieten. Im Juni beim Vespatreff gab es das erste Mal auch Oldtimer-Autos, was sicher auch die ältere Generation angesprochen hat. (ms)

08. Jul 2018 / 00:01
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