•  (Daniel Schwendener)

Die Vielfältigkeit macht den Krempel so einzigartig

In 15 Jahren ist der Krempel in Buchs zu einem beliebten Treffpunkt in der Region geworden. Das will der Verein nun ganz gross feiern.

Der Krempel feiert mittlerweile sein 15-jähriges Jubiläum. Wie hat damals alles angefangen?
Michael Eberli:
Ich und einige der anderen Gründungsmitglieder ha­ben früher öfters Partys veranstaltet. In den Räumlichkeiten befand sich damals noch das «Impuls», ein Metall-Atelier von Stephan Mayenknecht. Wir hatten einmal die Gelegenheit, dort ein Fest zu feiern – die erste Lametta-Party. Diese war sogar recht erfolgreich und es gibt sie heute noch. Stephan Mayenknecht kam einige Zeit später auf mich zu und fragte, ob ich nicht Interesse an den Räumlichkeiten hätte. Das kam für mich eigentlich nicht in Frage. Er war jedoch recht hartnäckig und im Gespräch mit Freunden und Bekannten haben wir festgestellt, dass es schon einige reizen würde, einen Club zu betreiben. 

Zu Beginn war der Krempel noch eine GmbH.
Eberli: Richtig. Zum einen ging es darum, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. Zum anderen hatten wir am Anfang noch das Gefühl, dass sich daraus vielleicht noch ein netter Nebenverdienst ergibt. Allerdings haben wir schon beim ersten Umbau gemerkt, dass wir uns den Einsatz der Helfer nicht leisten können. Wenn wir die vielen Stunden, die hier investiert werden, bezahlen müssten, gäbe es den Krem­pel schon lange nicht mehr. In diesem Zug haben wir gemerkt, dass unser Vorhaben als Verein besser funktioniert. Wir haben die GmbH zwar noch fünf Jahre geführt, aber bereits öffentlich Bekenntnis abgelegt, dass wir keinen Gewinn machen. Schliesslich haben wir die GmbH in eine Genossenschaft umgewandelt und auf dessen Basis den Verein gegründet. 

Wie funktioniert der Krempel? Wie muss man sich das vorstellen?
Eberli: Die Genossenschaft stellt das Fundament dar. Sie hat ein Auge darauf, dass die Rahmenbedingungen eingehalten werden. Der Verein trägt und organisiert Krempel, was die Events betrifft. 

Stefan Kradolfer: Die Mitglieder des Vereins engagieren sich alle ehrenamtlich für den Krempel. Jeder bringt sein Wissen, sein Herzblut und selbstverständlich viel Zeit ein. Mittlerweile haben wir eine sehr professionelle Organisation. Darauf sind wir sehr stolz – das dürfen wir auch sein. Aber der Verein existiert nicht nur, um den Krempel am Leben zu erhalten. Wir haben ein aktives Vereinsleben, das für uns sehr wichtig ist und hochgehalten wird. Ein Skitag und Ausflüge gehören genauso dazu. 

Wie viele Mitglieder hat der Verein?
Catherine Frick: Aktuell sind es um die 100 Mitglieder. Allerdings haben wir eine recht hohe Fluktuation.

Wie das?
Frick:
Einerseits sind mit der Mitgliedschaft auch gewisse Verpflichtungen verbunden. So muss jeder mindestens 16 Stunden im Jahr arbeiten. Wer das nicht schafft, verliert die Mitgliedschaft. Andererseits gibt es einen natürlichen Wechsel. Man wächst in den Krempel hinein, aber auch wieder aus ihm heraus. 

Kradolfer: Der stete Wechsel ist aber etwas Schönes. Zum einen können die Älteren ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben. Zum anderen bringen die Jungen wieder neue Ideen herein. Das merkt man auch am Programm. Dadurch, dass sich so viele Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen einbringen, ist unser Angebot so vielfältig. So findet auch einmal einen Poetry-Slam oder ein Theater statt. Die Vielfältigkeit ist das, was den Krempel so einzigartig macht. 

Kann jeder dem Verein beitreten?
Anian Vogel:
Ja, klar. Die meisten Mitglieder hatten in der Regel schon im Vorfeld Kontakt zum Krempel. 

Eberli: Es gibt auch viele, die zum Verein komen, weil sie einmal hinter der Bar arbeiten wollen oder sich für die Technik interessieren. Das Abmischen einer Band ist zum Beispiel etwas sehr Anspruchsvolles. Auch bei der Lichttechnik kann man tausende Stunden mit dem Einstellen der Scanner, Moving Heads und Laseranlage verbringen. Da gibt es einige, die Spass an dem haben, und bei uns finden sie die passende Spielwiese dafür.

Kradolfer: Was auch schön und speziell ist, ist unser «Götti-System». Wenn jemand neues dazukommt, bekommt er vom Vorstand einen Götti zugewiesen, der ihn begleitet und auch mehr ins Vereinsleben einbezieht.

Welches Image hat der Krempel in der Gesellschaft?
Eberli:
Am Anfang sind wir, wie man sich sicher denken mag, bei den Nachbarn und der Gemeinde auf Widerstand gestossen. Vor allem der Lärm war ein viel diskutiertes The­ma. Daher wurde die Baueingabe von der Gemeinde auch abgelehnt. Daraufhin haben wir einen Rekurs beim Kanton St. Gallen eingereicht.Schlussendlich konnten wir uns einigen. Unter anderem, weil sich gezeigt hat, dass wir nicht so viel Lärm verursachen, wie befürchtet wurde. Während des Rekurses wurde nämlich die Polizei damit beauftragt, Kontrollen und Lärmmessungen durchzuführen. Die Polizei wurde etwa ein Dutzend Mal gerufen, allerdings hatte der Krempel kein einziges Mal offen. 

Vogel: Wir waren von Anfang an sehr auf das Thema Lärm sensibilisiert und haben versucht, uns in diesem Bereich zu verbessern. So haben wir bei den Umbauarbeiten neue Lärmschutz­türen eingebaut und eine neue Anl­age angeschafft, die eigentlich lauter aber dafür zielgerichteter ist. Auch der 
von uns angebaute Eingangsbereich dämpft den Lärm. Ausser­dem sorgt bei jedem Anlass ein Mitglied dafür, dass es nicht zu laut ist.

Eberli: Ich glaube, wir hatten wegen des Lärms während den vergan­genen zehn Jahren fast keine Beanstandungen mehr. Daher denke ich, dass wir mittlerweile im Einklang mit den Nachbarn leben. 

Vogel: Ich denke, der Krempel hat heute ein sehr positives Image bei den Leuten. Klar mussten wir uns den Respekt verdienen, aber mittlerweile sind wir bekannt und werden auch für unser Engagement geschätzt. 

Eberli: Die Gemeinde macht seit einigen Jahren sogar ihre Weihnachtsfeier bei uns.

Was sind Ihre persönlichen Highlights der vergangenen 15 Jahre?
Frick:
Ich erinnere mich noch, als ich vor neun Jahren Mitglied wurde, habe ich drei Leute gekannt. Durch den Krempel habe ich so viele unterschiedliche Leute kennengelernt. Und ich finde es immer noch beeindruckend, dass man so zusammenarbeiten kann. 

Eberli: Mein Highlight ist immer noch die erste Party nach dem ersten Umbau, als wir mit allen Helfern gefeiert haben, die Leute hereingeströmt sind und wir gemerkt haben: Es kommt gut an. Sonst hat es in den vergangenen 15 Jahren unzählige Highlights gegeben. 

Kradolfer: Wenn man merkt, dass die Leute Spass haben und der Event ankommt, auch wenn man sich in einer Nische bewegt – das ist für mich immer wieder ein Höhepunkt.

Vogel: Ich finde es geil – wenn ich das einmal so sagen darf – wenn um die 400 Leute hereinspazieren, die man alle irgendwie kennt, und sich langsam dieses gewisse Knistern ausbreitet. Die Musik kommt an, das Konzept begeistert, die Bar fängt an zu funktionieren, alle haben Spass – wenn es so richtig abgeht.

Was erwartet die Krempel-Besucher im Rahmen des Jubiläums?
Frick:
Die längste Geburtstagsparty der Welt. 

Vogel: Wir wollen noch nicht zu viel verraten. Es wird auf jeden Fall ein cooles Programm werden. Es sind jetzt 15 Jahre, was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Jetzt wollen wir uns selbst einmal feiern. Man darf also gespannt sein.

Frick: Wir halten an Altbewährtem fest. Wir machen, was uns gefällt und von dem wir wissen, dass es den Gästen gefällt. Wir werden abwechslungsreich bleiben. 

Kradolfer: Ein fixer Programmpunkt ist die Lametta-Party, die ja quasi der erste Krempel-Event überhaupt war. Diese Tradition werden wir auf jeden Fall weiter führen. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Krempels?
Frick:
Dass wir immer wieder neue, motivierte und neugierige Leute willkommen heissen dürfen. 

Vogel: Dass der Spirit in 20 Jahren immer noch so offen ist und wir immer noch so Party machen können. 

Eberli: Ich hoffe natürlich, dass es so lange wie möglich weitergeht und der Verein die Fähigkeit behält, sich immer wieder neu zu finden und zu erfinden. 

09. Sep 2017 / 23:30
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