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"Im Wetterstudio ist turbulentes Wetter interessanter"

SRF-Meteorologe Jürg Zogg hat seine Wurzeln im Wartau und liebt die hiesigen Wetter­phänomene.

Mit dem neuen Jahr ist nun endlich auch ein bisschen Schnee eingetroffen. Bewegt sich das Wetter in diesem Winter bislang im normalen Rahmen?
Jürg Zogg: Was ist beim Wetter schon normal? Generell gibt es über Jahrzehnte hinweg betrachtet einen Trend zu weniger Schnee – dies aufgrund der steigenden Temperaturen. Von diesem langjährigen Trend überlagert gibt es durch die Variabilität des Wetters aber von Jahr zu Jahr grosse Schwankungen. Mal kommt der Schnee früh im Winter, mal erst spät. Schneereiche Winter wechseln sich mit schneearmen ab. Insofern gibt es gar kein «normales» Winterwetter.  

Bekommen wir noch mehr Schnee in absehbarer Zeit?
Auf jeden Fall. Die Lage der Hochdruckgebiete lässt im Moment zu, dass uns aus Nordwesten immer wieder Störungen erreichen, so auch in der kommenden Woche. Noch offen ist, ob es immer genug kalt ist für Schnee bis ins Rheintal oder ob es zwischendurch auch mal regnet.

Stimmt es, dass es an manchen Orten mehr schneit als an anderen – zum Beispiel in Sargans mehr als in Vaduz?  
Je nachdem, aus welcher Richtung die Schneefront Richtung Rheintal zieht, gibt es aufgrund der Topografie grosse regionale Unterschiede bezüglich Schneemenge. Kommt der Schneefall mit Westwind in der Höhe daher, sind beispielsweise Vaduz, Sevelen und insbesondere das Wartau etwas im «Schatten» von Fulfirst und Alvier. Im Raum Sargans schneit es gleichzeitig deutlich mehr, weil die Schneeluft via Seeztal in die Region strömt. Auch im Raum Gams/Grabs schneit es bei solchen Wetterlagen mehr, die Schneeluft kommt dort von Wildhaus her.     

Wann ist im Rheintal stets ungefähr der Höhepunkt des Winters?
Das kommt ganz darauf, wie man den Winter definiert. Betrachtet man die Temperaturen, ist es im Januar am kältesten. Im langjährigen Mittel ist der Februar dann bereits wieder 1,3 Grad milder. Betrachtet man die durchschnittliche Anzahl Tage mit einer Schneedecke, so gibt es in Vaduz im langjährigen Mittel im Januar rund 10, im Februar 11 Tage mit Schnee. Und auf den Bergen gibt es die maximalen Schneehöhen oft erst Ende Februar oder sogar anfangs März.  

Sie sind national als Wetterstimme bekannt. Was sind Ihre Beziehungen zum Rheintal?
Meine Eltern stammen aus Oberschan. Ich bin zwar in Wil/SG aufgewachsen, die Wochenenden und Ferien habe ich aber oft im Wartau verbracht. Auch heutzutage bin ich in meiner Freizeit häufig dort anzutreffen. Das Landleben und die Arbeit im Rebberg bringen eine willkommene Abwechslung zum Stadtleben in Zürich und der Arbeit im Wetter-Büro.

Was ist wettertechnisch das Spezielle am Rheintal?
Auf jeden Fall fasziniert mich der Föhn. Gerade wenn ich von Zürich ins Wartau komme, bin ich immer wieder beeindruckt, wie hier manchmal über längere Zeit komplett anderes Wetter herrscht als im Mittelland. Bei einem richtigen Föhnsturm bin ich ab und zu mit meinem Hand-Windmessgerät unterwegs auf der Jagd nach der maximalen Windböe.

Ändert sich auch hier das Wetter – oder bildet man sich das ein?
Natürlich findet der Klimawandel auch im Rheintal statt, das kann man mit Messwerten nachweisen. Betrachten wir beispielsweise die durchschnittliche Höchsttemperatur im Januar von Vaduz: Im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 lag diese bei 3,7 Grad. Der neue Mittelwert (1981 bis 2010) liegt dagegen schon bei 4,3 Grad.

Sind Sie persönlich eher der Sommer oder der Wintertyp?
Ich liebe die Abwechslung: Natürlich habe ich gerne Sonnenschein und Wärme, aber nur Sommer wäre mir auch zu langweilig. Ein bis zwei Monate Winter gefallen mir sehr gut, manchmal dauert die nasskalte Jahreszeit für meinen Geschmack aber etwas zu lange.

Was ist Ihr Lieblingswetter?
Das kommt ganz darauf an: In meiner Freizeit habe ich es natürlich gerne sonnig und warm. Wenn ich dagegen im Wetterstudio arbeite, ist turbulentes Wetter viel interessanter: Schnee, Regen, Gewitter oder gar Sturm. (jn)
    

 

07. Jan 2017 / 20:52
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