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Schablonen über Bord werfen

Neue Wege sind in der Bildungspolitik gefragt. Mit dem Lehrplan 21 sollen Veränderungen herbeigeführt werden – am meisten diskutiert ist in Liechtenstein die Verlängerung der Primarschulzeit von fünf auf sechs Jahre.

Seit der Ablehnung der Schulreform SPES I, die eine engere Zusammenführung und bessere Durchmischung auf dem Niveau der Sekundarstufe I ermöglicht hätte, ist Liechtensteins Bildungslandschaft nahezu zementiert worden. Politiker scheuen sich, solche Agenden anzugehen, obwohl die Ablehnung mit 52,9 Prozent der Stimmen denkbar knapp ausfiel. Es wurde am dreigliedrigen System festgehalten. Und dies, obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse mittlerweile deutlich belegen, dass Integration in den Schulen positive Auswirkungen auf die weitere schulische und menschliche Entwicklung hat. Gesamtschulen mit Ganztagsbetreuung sind ausserdem zunehmend gefragt, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht.

Gerade in Einwanderungsländern attestiert man den Gesamtschulen eine besondere integrative Wirkung – wo der angehende Arzt oder Manager bereits im Pausenhof auf den Schüler mit Migrationshintergrund und Sprachschwierigkeiten trifft, kann so etwas wie Verständnis und gegenseitige Achtung entstehen. Wenn man die Kinder bereits früh separiert, entfremden sich gewisse gesellschaftliche Schichten schon in der Schulzeit. Damit tut sich bereits eine Schere auf, die eine gesellschaftliche Hypothek für die Zukunft sein kann.

So bleibt es bei Nachbesserungen im Kleinen: Eindrückliche Erfahrungen in diese Richtung konnte man seither im Bereich der Oberschulen machen, wo Schüler mit Lernschwierigkeiten oder gar Behinderungen ermöglicht wird, in der Regelschule integriert zu werden. Ihre Mitschüler lernen, auf sie einzugehen und bekommen für das weitere Leben wichtige Lektionen im Umgang mit Menschen, die nicht der sogenannten Norm entsprechen. 

Die Kunst dabei ist es, sich von Schablonendenken zu befreien und stattdessen die Schüler gezielt in ihren Stärken zu fördern. Schablonen sind zwar einfach, nützen in Einzelfällen aber wenig. Dabei ist es ab und zu auch nötig, althergebrachte Strukturen aufzubrechen. Das zentrale Problem dabei: Das bedeutet für einige Akteure des Systems, dass sie unter Umständen ihre Privilegien verlieren können. Und spätestens dann tritt das Wohl der Kinder und ihre positive Entwicklung in den Hintergrund. (mw)

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17. Jun 2017 / 21:02
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