• Vierlingen werden 30 Jahre alt Azmoos 180224
    Die Vierlinge Yanina, Fabian, Rivana und Pascal Ritter (v. l.) feiern heute ihren 30. Geburtstag.  (Daniel Ospelt)

Vierfaches Glück im Doppelpack

Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, liegt bei 1:20 Millionen. Ein Sechser im Lotto bei 1:15 Millionen. Beides ist in etwa so wahrscheinlich wie die Geburt von Vierlingen: Diese Sensationsmeldung kam vor 30 Jahren aus Liechtenstein.
Vaduz. 

Drei der vier Geschwister sitzen bei Mutter Priska Winteler am Küchentisch. Komplett sind sie noch nicht: «Es ist so typisch», lacht Rivana. Sie meint damit Bruder Fabian, der «mal wieder» auf sich warten lässt. «Noch witziger wäre die Situation jetzt, wenn er damals vor 30 Jahren auch derjenige gewesen wäre, der als Letzter auf die Welt gekommen wäre», fügen die Geschwister lachend hinzu. Aber nein, das war Pascal, nach Rivana und der Erstgeborenen Yanina. Die Geburt der Vierlinge im Spital St. Gallen am 16. April 1988 war eine Sensationsmeldung und sie ist es bis heute geblieben, denn sie sind die ersten und einzigen Vierlinge Liechtensteins.

Priska Winteler kann sich noch gut daran erinnern, dass ihr Arzt zunächst sagte, sie bekäme Zwillinge, dann sei die Rede von einem Drilling gewesen und schliesslich hätte man ihr in St. Gallen verkündet, dass es sogar Vierlinge seien: «Ich habe geweint, aber nicht vor lauter Freude, sondern weil ich zuerst überfordert war und ich mir einfach nicht vorstellen konnte, das alles zu schaffen», erzählt sie. In den ersten vier Monaten hatte sie mit Übelkeit zu kämpfen, aber danach habe sie sich besser gefühlt: «Ich habe explosionsartig zugenommen, die Schwangerschaft verlief gut, meine grösste Sorge, dass die Kinder gesund geboren werden, aber blieb.» In der 29. Schwangerschaftswoche hätte sie dann einen Blasensprung gehabt, sie musste ins Spital, zwei Tage danach hätten die Wehen eingesetzt. Nicht nur für die Mutter war die Vierlingsgeburt vor 30 Jahren eine enorme Herausforderung, sondern auch für das Spital: «Insgesamt waren 20 Ärzte im Gebärsaal, jedem Kind waren nach dem Kaiserschnitt fünf zugeteilt», erzählt sie. 
Als erster und mit 1200 Gramm auch schwerster Vierling erblickte um 22.57 Uhr Yanina das Licht der Welt. Eine Minute später folgte Schwester Rivana (1080 Gramm), und nur zwei Minuten danach waren auch die beiden Brüder Fabian (900 Gramm) und Pascal (1070 Gramm) da. Zwar hatte Rivana mit der Lunge Probleme und Fabian eine Darminfektion sowie einen Leistenbruch, dennoch sei alles gut gegangen und die Kinder waren gesund. «Sie sind und bleiben ein Wunder», meint die Mutter stolz. 

Als die Kinder klein waren, war es nicht immer leicht, des Öfteren auch eine organisatorische Herausforderung: «Die ersten drei Jahre half mir ein Kindermädchen, sonst wäre es nicht zu schaffen gewesen.» Nachts oder wenn die Kinder krank waren, war dieses aber nicht da und sie im Dauereinsatz. Dabei erinnert sich Mama Priska an die Magen-Darm-Grippe, die alle vier einmal erwischt hatten: «Ich war wie eine Maschine, die funktionierte.» Manchmal habe sie nicht mehr gewusst, bei wem sie als Erstes sein sollte. 
Die Vierlinge hielten die Eltern mächtig auf Trab: wickeln, füttern, anziehen, ausziehen, auf den Arm nehmen, baden und spazierengehen. Dann kam noch hinzu, dass sie, anders als in anderen Familien, alles auf einmal brauchten: zwei Zwillingswagen, vier Fahrräder, vier Skiausrüstungen, vier Paar neue Schuhe oder vier Wintermäntel. «Wir bekamen vieles geschenkt, hatten Familie und Freunde, die uns halfen, wo sie nur konnten, dennoch möchte ich das alles nicht noch einmal machen müssen.» Es sei unglaublich viel Arbeit gewesen. Eine, die sich aber mehr als gelohnt habe. 

Nun sitzen sie am Küchentisch ihrer Mutter. «Wir sind nichts Besonderes, ganz normal, vier Geschwister einfach», findet Rivana. «Nur» die Vierlinge wollten sie nie sein. «In ihren Eigenschaften sind sie individuell, haben alle ihren unverwechselbaren Charakter und ihren eigenen Kopf», fügt Priska Winteler an. Sie zur Eigenständigkeit zu erziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Freundeskreis aufzubauen, war der Mutter wichtig. «Sie gingen zwar in verschiedene Klassen, hatten zunächst auch ihre eigenen Gschpähnli, aber als sie Teenager wurden, hatten sie grössenteils denselben Kollegenkreis.» 
Yanina hat die kaufmännische Lehre gemacht und arbeitet heute in einem Büro in Vaduz, Rivana ist im Detailhandel in Landquart tätig, die beiden Brüder sind gelernte Netzelektriker und arbeiten seit ihrer Lehre im selben Betrieb. Auch in ihrer Freizeit sind sie des Öfteren gemeinsam anzutreffen, teilen dieselben Hobbys: Pascal und Fabian machen Kampfsport, Yanina und Rivana gehen ins Pilates, zudem sind Yanina und Fabian bei der Fasnachtsgesellschaft Vaduz. «Wir waren sogar einmal das Prinzenpaar», verrät die Erstgeborene schmunzelnd. 
Sie unternehmen gerne gemeinsam etwas, vor allem gehen sie an den Wochenende zusammen aus. «Wir sind nicht nur Geschwister, sondern auch Freunde», meint Rivana. Ihren 30. Geburtstag werden die Vierlinge gebührend feiern. «Aber nicht heute, sondern gross am Wochenende», verrät Pascal. Dresscode: Schwarz-Rot. 
Ihr Wunsch? Sie würden mitten im Leben stehen, seien glücklich und möchten einfach die Zeit geniessen: Mal alleine, im Doppelpack, dann wieder zu viert, mit ihrer Familie und Freunden. «Alles ist gut, so wie es ist, und so soll es weitergehen», sind sich die Vierlinge einig. (bc)

15. Apr 2018 / 23:28
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